Testbericht: Dein Friseursalon

Kleine Mädchen können auf der Wii schon ziemlich viele Dinge virtuell machen. Sie können reiten, kochen, sich um Tiere kümmern, Aliens wegballern, singen, tanzen und mit ihren Freundinnen spielen. Was sie bisher noch nicht können ist Haare schneiden. Das ändert nun Namco Bandai mit dem von Little Orbit entwickelten Game „Dein Friseursalon“, welches bei uns in die Redaktion geschneit ist. Wir haben für euch zur Schere gegriffen, unserem Chefredakteur eine schicke neue Frisur verpasst und herausgefunden, was der Titel wirklich taugt.

Schnipp, schnapp, Haare ab

Wer wollte nicht schon immer selbst in einem Friseursalon arbeiten und den Kunden die tollsten Frisuren verpassen? Endlich habt ihr die Möglichkeit selbst die virtuelle Schere in die Hand zu nehmen und könnt aktiv werden. Mit Dein Friseursalon kommt die erste Friseursimulation für Nintendos Wii auf den Markt. Ihr startet dabei eure Karriere als wahlweise männlicher oder weiblicher Gehilfe, der sich natürlich nach und nach neue Fertigkeiten aneignen und irgendwann ein richtiger Star-Coiffeur werden möchte. Die Auswahl bei der Gestaltung eures Alter Egos ist dabei jedoch leider genauso begrenzt wie die Wahl des Namens. Anstatt euren eigenen Namen einzutragen, wählt ihr lediglich aus einem Dutzend vorgegebenen Namen aus, wie euer virtueller Haareschneider heißen soll. Danach stürzt ihr euch direkt ins Geschehen und dürft euren ersten Kunden bedienen. Die anfänglichen Aufgaben sind dabei recht einfach gehalten. Wascht dem Kunden die Haare, indem ihr sie zuerst einschäumt und danach mit klarem Wasser wieder ausspült. Dies wird in Form von Minispielen absolviert. Beim Einschäumen beispielsweise holt man sich zuerst Shampoo aus der Flasche, danach streicht man es ins Haar. Das alles passiert unter Zeitdruck, da natürlich der Kunde auch schnell fertig werden möchte. Droht euch die Zeit hierbei abzulaufen, klickt ihr einer der während des Einschäumens aufsteigenden Blasen an – schon wird euer Zeitkonto um einige Sekunden aufgefüllt.

Das Waschen ist ebenfalls sehr simpel gehalten, indem man einfach mittels Pointer und den gedrückt gehaltenen A- und B-Knöpfen mit Wasser über die Haare braust, bis diese vom Shampoo befreit worden sind. Pro absolviertem Arbeitsschritt wird mit einer Bewertung in Sternen abgerechnet. Je schneller und exakter man arbeitet, desto besser fällt die Bewertung aus und desto höher wird die Bezahlung ausfallen, die man vom Kunden erhält. Neben den festen Terminen, die man zum Voranschreiten im Spiel braucht, kann man immer noch nebenbei Laufkundschaft behandeln. Stets wird euch dabei angezeigt, was der Kunde von euch genau möchte. Mitunter werden für bestimmte Frisuren und Techniken Hilfsmittel verlangt, die man sich erst nach und nach im Shop kaufen muss. Dazu gehören bessere Scheren, Haartrockner, Bürsten und dergleichen mehr. Ihr könnt euch somit in der Tat hocharbeiten und erlernt nach und nach mehr Fähigkeiten, mit denen ihr aufwändigere Frisuren zaubern dürft. Bald schon könnt ihr Haare schneiden und diese sogar färben. Wirklich kreativ dürft ihr dabei allerdings nicht sein. Ihr erledigt stattdessen immer die vom Kunden bereits vorgegebene Aufgaben und müsst darauf achten, dass diese möglichst exakt durchgeführt werden. Leider ist es so, dass sich die Aufgaben und somit auch die Minispiele relativ schnell wiederholen. Eine sonderlich hohe Abwechslung wird somit leider nicht geboten. Hinzu kommen Ladenzeiten jenseits von Gut und Böse, die teils länger sind als die Spielzeiten der Minigames selbst, was den Spielfluss nicht gerade fördert.

Neue Farben braucht das Haar?

Auch technisch reißt man mit Dein Friseursalon keine Bäume aus – im Gegenteil. Hier macht sich neben den elend langen Ladezeiten leider wieder einmal bemerkbar, dass man nicht sonderlich viel Zeit in den Titel investiert hat. Zwar wird auf der Rückseite des Covers damit geworben, dass man mit Top-Friseuren aus New York gearbeitet hat, um die Stylings möglichst realistisch umzusetzen. Technisch gesehen wurde das Game jedoch sehr schwach umgesetzt. Die Figuren wirken wie aus den Anfangstagen der Gamecube-Ära mit relativ wenigen Polygonen und groben Texturen. Besonders stark macht sich das dann bemerkbar, wenn es um die Minispiele und die damit verbundenen Frisuren geht. Beim Trocknen der Haare merkt man, dass die langen Haare eurer Kunden lediglich aus ein paar dicken Polygonstreifen bestehen, die leicht im Wind wehen. Wirklich hübsch sehen sie dabei nicht aus – im Gegenteil. Es wirkt so, als wäre das Game für den DS entwickelt worden, für den es ebenfalls erhältlich ist, und wurde dann einfach auf die Wii portiert.

Der Sound macht ebenfalls keine bessere Figur. Die Hintergrundmusik dudelt mehr als belanglos im Hintergrund vor sich her und fällt dabei zumindest nicht negativ auf, bleibt jedoch auch nicht wirklich im Gehörgang. Die Soundeffekte sind eher mittelprächtig und auf eine Sprachausgabe hat man gleich verzichtet. Gerade weil es sich um ein sehr auf Style bedachtes Thema handelt, ist das ehrlich gesagt sehr schade. Coolere Sounds, angesagte Mucke und ein paar fetzige Samples hätten der Atmosphäre deutlich zuträglicher sein können, als es der lahme Mix ist, den man hier zu Gehör bekommt. Somit wird aber leider bestätigt, dass man sich offenbar zu wenig Mühe mit dem Game gegeben hat.

Fazit

Wenn kleine Mädchen davon träumen einen Friseursalon zu haben und gerne selbst frisieren möchten, macht man mit Dein Friseursalon im Prinzip nichts verkehrt. Die Steuerung funktioniert und erfüllt ihren Zweck. Technisch ist der Titel zwar im unteren Mittelmaß anzusiedeln, das wird die Zielgruppe aber gewiss nicht stören. Wer hingegen nicht zur Zielgruppe gehört, sollte um die virtuellen Scheren, Bürsten und Haartrockner allerdings einen großen Bogen machen.

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