Testbericht: Bleach: Shattered Blade

Im Bereich der Beat’em Ups wurden in den letzten Jahren immer mehr Umsetzungen aus dem Sektor der Animes auf den Markt gebracht. Während europäische Spieler dabei schon mehrfach in den Genuss von durchaus gelungenen Titeln aus dem „Naruto“- und „Dragonball Z“-Universum kamen, schauten „Bleach“-Fans bisher in die Röhre. Zwar existierten bereits einige Games zu diesem Anime, schafften aber nur in den seltensten Fällen den Sprung über die Grenzen Japans hinaus. Das ändert sich nun mit „Bleach: Shattered Blade“, welches nicht nur in den USA, sondern letztlich auch in unseren Breitengraden veröffentlicht wurde. Wir haben uns mit den virtuellen Schwertern bewaffnet und sind für euch in die Kampfarena gezogen.

Zückt die Waffen!

In Japan ist Bleach ein seit Jahren erfolgreicher Manga, der erstmals 2001 erschien und den es seit 2004 auch als Anime einmal wöchentlich im TV zu bewundern gilt. Die Story dreht sich dabei um den 15järigen Ichigo Kurosaki, der seit seiner Kindheit die Fähigkeit besitzt, Geister zu sehen. Durch eine Fügung des Schicksals werden die Kräfte von Rukia Kuchiki, einer Shinigami (Todesgott) auf ihn übertragen und er muss dessen Aufgabe übernehmen, Jagd auf böse Geister, die so genannten „Hollows“, zu machen. Die in Nippon überaus erfolgreiche Reihe war nicht nur bereits einige Male Vorlage für Videospielumsetzungen, sogar fünf Musicals mit der „Bleach“-Thematik gab es im Land der aufgehenden Sonne zu besuchen. Wir widmen uns dagegen nun Segas Umsetzung der Serie für Nintendos Wii. Thematisch wurde die Story des Spiels dabei kurz nach der gleichnamigen DS-Fassung angesiedelt. Protagonist ist dabei Ichigo Kurosaki, der sich gerade im Reich der Geister befindet und dem nun die Rückkehr in die menschliche Welt verweigert wird, da das Tor zwischen den Welten, genannt Senkaimon, versiegelt wurde und sich erst in 100 Jahren wieder öffnen soll. Die einzige Chance das Tor vorher zu öffnen ist, die Scherben des zerstörten Sokyoko-Schwertes zu sammeln – und genau dies wird die Aufgabe des Spielers sein.

Dies alles ist dabei jedoch nur Rahmenhandlung für den Episoden-Modus, wobei dem Spieler eine neue Storyline aus dem Bleach-Universum präsentiert wird. Wie es sich für ein richtiges Beat’em Up gehört, darf man aber auch im Arcade-Modus etwas unkomplizierter und im Duell-Modus mit einem menschlichen Mitspieler die Arena betreten. Ist die Wahl der Spielfiguren anfangs dabei noch begrenzt, ist es möglich im Laufe des Spiels insgesamt 32 Charaktere freizuschalten. Zudem verdient man mit jedem Durchspielen „Kans“, mit denen man sich anschließend im Urahara-Shop mit Extras wie Artworks, neuen Kostümen, Charaktermodellen und Soundbeispielen eindecken kann. Doch bis es soweit ist, gilt es erst einmal seine Gegner im Ring gepflegt aus dem Weg zu räumen. Die Spielfigur tritt in klassischen 1:1-Duellen an, wobei als Sieger vom Platz geht, wer zuerst den Gesundheitsbalken (hier „Seele“ genannt) des Gegners geleert oder nach Ablauf des Zeitlimits davon noch am meisten übrig hat. Zwei gewonnene Runden werden für einen Sieg benötigt, im Episoden-Modus ist dagegen nach nur einer Kampfrunde bereits Schluss. Dies gehört genauso wie der Trainings-Modus alles eher zum guten Ton bei einem Prügelspiel, von daher sollte man sich eher auf das Gameplay konzentrieren, dem Herzstück eines jeden Beat’em Ups.

Das Bleach-Universum bietet an sich gar keine schlechte Vorlage für ein Prügelspiel – die Charaktere sind durch ihre Kämpfe in der Serie ohnehin standardmäßig mit Waffen ausgestattet und durch die Ausflüge in die spirituelle Welt ist für die nötigen Specials Effects gesorgt. Das wird deutlich sobald man sich in den Ring begibt und die ersten Matches absolviert. Waffengewaltig und mit viel Effekthascherei geht man dabei zu Werke. Leider hat man seitens „Viz Media“ dabei vergessen, dass das Kernstück eines guten Prüglers eben immer noch ein fesselndes Gameplay mit vielen taktischen Möglichkeiten ist. Street Fighter hat dies auf dem Super Nintendo bereits gezeigt, Segas Virtua Fighter perfektioniert und Namcos Soul Calibur dem Ganzen eine Portion Fantasy-Flair verpasst. Gemessen an diesen Vorbildern kann Bleach: Shattered Blade eigentlich nur scheitern. Dennoch wäre insgesamt einfach mehr drin gewesen, als letztlich präsentiert wird. Man wollte innovativ sein und verlagerte die Ausführung einfacher Attacken nicht auf die Buttons, sondern setzte dafür die Bewegungserkennung der Wiimote ein. Hiebe nach unten, vertikale Slashs und Stiche nach vorne werden durch die entsprechende Bewegung der Wiimote ausgeführt. Kombiniert mit dem A-Button wird daraus ein kritischer Treffer, der die Deckung des Gegners durchbricht und entsprechenden Schaden anrichtet. Laut Anleitung lässt dieser eure Figur kurzzeitig schutzlos für gegnerische Attacken, allerdings sind im laufenden Spiel kaum Unterschiede in der Geschwindigkeit im Vergleich zu den Standardattacken aufgefallen. Kombiniert man die Angriffe mit dem B-Button, erhält man so die Special Moves, die sich von Fighter zu Fighter natürlich unterscheiden. Energieschilde, schnelle Stoßattacken, Feuerbälle und dergleichen mehr kommen hierbei zum Einsatz, wie man es von Genrekollegen ebenfalls bereits kennt.

Auch eine Special-Leiste wurde nicht vergessen, die im Falle von Bleach: Shattered Blade „Bankai“ getauft wurde. Erfolgreiche Angriffe sowie eingesteckte Treffer füllen diese Anzeige gleichermaßen auf und ein Schütteln des Nunchuks bewirkt bei gefüllter Leiste das Auslösen der Bankai-Energie. Fortan sind noch stärkere Attacken sowie vernichtende Super Specials möglich, welche die Kraftleiste eures Opponenten teils drastisch reduzieren. Man muss sich seitens der Programmierer darüber im Klaren gewesen sein, dass man bis zu diesem Zeitpunkt einen absoluten 08/15-Titel mit Anime-Charakteren in der Entwicklung hatte, deswegen ließ man sich noch ein kleines Schmankerl einfallen. Üben beide Parteien im Kampf zum gleichen Zeitpunkt einen kritischen Angriff aus, wird der spezielle „Zusammenstoßen“-Modus aktiviert. Eine Markierung läuft dabei über eine Anzeige und sobald diese den grün gefärbten Bereich passiert, muss der Spieler eine der drei Angriffsarten Slash, Hieb oder Stich ausführen. Nach der Entscheidung dieses aus fünf Runden bestehenden Schere-Stein-Papier-Spiels wird der normale Kampf wieder aufgenommen wobei dann der Verlierer aus diesem „Minispiel“ mit einer beeindruckenden Schlagcombo seines Kontrahenten konfrontiert wird. Hat man sich damit erst einmal angefreundet und sich an das notwendige Timing gewöhnt, werden die Duelle damit angenehm aufgelockert, auch wenn es in der Regel ein reines Glücksspiel ist hier einen Sieg einzufahren. Darüberhinaus interessant ist auch die Anzeige der „Spirituellen Macht“. Diese wird mit jedem ausgeführten Schlag verringert und ist sie geleert, sind keine Angriffe mehr möglich. Zum Glück füllt sich diese Leiste relativ schnell wieder auf, dennoch sollte man nie zu unkontrolliert zu Werke gehen und in seine Angriffsserien kurze Pausen einarbeiten.

Fuchteln für den Sieg!

Was auf dem Papier nun insgesamt nach einer ansprechenden Mischung klingt, entpuppt sich aber trotz kleiner Innovationen in der Praxis als eher unausgegorenes Kampfprinzip. Man beginnt die Kämpfe meist mit schnellen Slashes, fuchtelt also die Wiimote ein paar Mal hin und her. Anschließend führt man den ein oder anderen kritischen Treffer aus und nutzt die Wartezeit in welcher der Kontrahent zu Boden fällt, um seine „Spirituelle Macht“ regenerieren zu lassen. Irgendwann ist die Bankai-Anzeige voll, man lädt seine Kraft auf und sorgt mit einem Super Special für das Ende der Kampfrunde. Versucht man aus diesem Schema auszubrechen, steckt man teils herbe Treffer ein und landet somit wieder beim bewährten, wenn auch etwas stumpfsinnigen Vorgehen. Wirkliche Combos ergeben sich aus dem Spielgeschehen so gut wie gar nicht, ebenso sind gezielte Konter eher Glückssache. Schuld daran ist das „Fuchtel-Prinzip“ der Steuerung, durch welches keine schnellen Reaktionen möglich sind. Das soll allerdings nicht heißen, dass die Steuerung an sich misslungen wäre. Im Gegenteil – die Bewegungserkennung funktioniert ausgesprochen gut. Das fällt vor allem bei den Stichen auf, denn gerade Bewegungen nach vorne werden in anderen Spielen kaum zuverlässig erkannt – ein ausgeführter Stich mit der Wiimote ist auch ein ausgeführter Stich im Game. Hier kann Bleach also durchaus punkten. Das bringt dem Spieler selbst nur leider wenig, denn das Gameplay artet regelmäßig zur Fuchtelorgie aus. Man kämpft auf diese Weise einfach erfolgreicher, anstatt die Aktionen vorher sauber zu planen. Hinzu kommt, dass sich die meisten auftretenden Kämpfer in Bleach: Shattered Blade ähnlich steuern. Die Slashes werden von allen Charakteren schnell ausgeführt und sind somit immer ein guter Einstieg für einen Angriff. Nur in den Specialmoves sind wirklich Unterschiede erkennbar, so dass man sich seine Lieblingskämpfer eher hiernach sowie nach Punkten der Optik aussuchen kann.

Einen weiteren Punkt zur Kritik bildet übrigens noch der Episoden-Modus. Denn wer der Meinung ist, dass hier vor allem Singleplayer dauerhafte Motivation finden, wird sicherlich ein wenig enttäuscht werden. Zwar stehen hier zu Beginn nur drei Charaktere zur Auswahl und man muss sich den Episoden-Modus mit den anderen Kämpfern durch mehrmaliges Durchspielen erst nach und nach freischalten, dennoch bleibt die Abwechslung dabei auf der Strecke. Die Story läuft nämlich in der Regel immer nach demselben Prinzip ab. Euer Protagonist A trifft auf Charakter B und erfährt, dass er die Scherben des Sokyoko finden muss, um in seine Welt zurückkehren zu können. Daraufhin besiegt ihr die Charaktere C bis H, bis ihr alle Scherben habt und herausfindet, dass Charakter B in Wahrheit ein „Hollow“ ist, hinter dem sich der fiese Arturo Plateado verbirgt. Dieser will anschließend besiegt werden, was euch das Durchscrollen des Abspanns beschert. Selbst als hartgesottener Fan des Animes wird man gewaltiges Durchhaltevermögen beweisen müssen, um hier alle freispielbaren Charaktere zum Erfolg führen zu können.

Anime-Look von gestern

Selbst wenn das Gameplay nur bedingt überzeugen konnte, durfte man sich bei Bleach zumindest auf die technische Umsetzung freuen. Im Vorfeld gezeigte Bilder sahen nicht übel aus und auch die schnellen Kampfsequenzen machten keinen schlechten Eindruck. Hat man die DVD nun aber in seine Wii eingelegt und die Einleitungssequenz mit Szenen aus dem Anime bestaunt, macht sich im eigentlichen Spiel schnell Ernüchterung breit. Bleach: Shattered Blade wirkt optisch durch seine Cel Shading-Optik auf der einen Seite authentisch und wird dem Anime selbst durchaus gerecht. Die einzelnen Charaktere sind spielend leicht wieder zu erkennen und auch die Animationen können überzeugen, vor allem die Angriffe im Bankai-Modus. Leider wirkt die Grafik insgesamt dennoch wie bei einem Titel aus der letzten Konsolengeneration. Die großen Charaktermodelle weisen platte Texturen auf, was noch zu verkraften und mit dem Anime-Look des Games zu entschuldigen wäre, hätte man sich bei den Kampfarenen selbst deutlich mehr Mühe gegeben. Die Areale wirken leer und leblos, sind mit einfallslosen Texturen gestraft und nur in den seltensten Fällen wirklich ansehnlich. Ebenso unansehnlich erscheint teils der Kontrast der Figuren, die oftmals zu plastisch in ihre Kampfgebiete gekleistert scheinen und somit einen unnatürlichen Eindruck hinterlassen. Einzig die Lichteffekte während der Duelle können sich sehen lassen, verleihen sie dem Titel eine gewisse Rasanz und heben den optischen Eindruck immerhin ins Mittelmaß. Im krassen Gegensatz dazu stehen allerdings die Sequenzen aus dem Episoden-Modus. Wer nämlich erwartet, dass die Story dort durch Szenen aus den Anime weitergesponnen wird, wird bitter enttäuscht werden. Meist warten nur Standbilder auf den Spieler, zu denen der Text gesprochen wird. Und dass trotz 480p-Unterstützung Bleach im unmodernen 4:3-Bildformat daher kommt, hätte eigentlich auch nicht sein müssen.

Etwas besser schneidet das Game im Bezug auf die Sounduntermalung ab. Die Hieb- und Stichgeräusche während der Gefechte sind authentisch. Ebenso zufriedenstellend sind die restlichen Effekte und Kampfgeräusche geworden. Hervorzuheben sind dabei die umfangreichen Äußerungen der einzelnen Charaktere, die von in der Regel überzeugenden Sprechern vorgetragen wurden. Dass die Kommentare dabei oftmals nicht lippensynchron zu ihren Charaktermodellen erklingen mag noch eher verzeihbar sein wie die Tatsache, dass man mit englischer Sprachausgabe vorlieb nehmen muss. Auf der anderen Seite sollten Bleach-Fans froh sein, überhaupt einen Titel dieser Reihe in unseren Breitengraden zu erhalten. Eine deutsche Synchronisation wäre somit wohl etwas zuviel des Guten gewesen. Zufrieden darf man ebenfalls mit der musikalischen Untermalung sein, welche die typischen treibenden Rocksongs des Animes enthält und damit gut zum rasanten Spielgeschehen passt.

Fazit

Noch sind Prügelspiele auf Nintendos Wii rar gesät und einzig aus diesem Grund könnte Bleach: Shattered Blade für den ein oder anderen Spieler in der Tat interessant sein. Allerdings sollte man bedenken, dass die Konkurrenz mit zwei Dragonball-Teilen und Super Smash Bros. Brawl entweder bereits erhältlich ist oder zumindest schon einmal in den Startlöchern steht und mit Segas Anime-Titel spielerisch sicherlich locker den Boden aufwischt. Auch wenn Bleach somit zum Vollpreis eigentlich zu wenig Abwechslung bietet, die Feinheiten im Gameplay vermissen lässt und sich selbst technisch eher im Mittelfeld bewegt, dürfen Beat’em Up-Freaks dennoch einen Blick riskieren. Fans des Animes hingegeben werden auch langfristig sicherlich Gefallen an dem Game finden können.

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Packshot Bleach: Shattered Blade

Bleach: Shattered Blade

Release: 29.02.2008
Publisher:
Entwickler:
Anzahl Spieler: 2
USK: 12