Testbericht: Alien Crush Returns

Eine Fortsetzung zu einem Klassiker der Videospielgeschichte zu veröffentlichen, kann mitunter ganz schön nach hinten losgehen. Fans des Originals fühlen sich auf den Schlips getreten, neue Zielgruppen dagegen interessieren sich nicht dafür, was vor Jahren mal angesagt war. So muss es aber nicht unbedingt kommen, denn ein Sequel, bzw. eine Neuauflage kann auch durchaus gelungen sein. In welche Kerbe Hudson Softs „Alien Crush Returns“ schlägt? Die folgenden Zeilen verraten es euch…

Aliens – Die Rückkehr

Alien Crush wurde ursprünglich von Naxat Soft für die PC-Engine entwickelt und im Jahre 1988 veröffentlicht. Mit einer Flipperkugel trat man dabei gegen Horden von Aliens an, welche die Menschheit bedrohten und brachte damit ein innovatives Element in das Genre der Flippergames. Mit Devil’s Crush (1990, PC-Engine) sowie dem wesentlich unbekannteren Jaki Crush (1992, SNES) folgten noch zwei weitere Titel mit einem vergleichbaren Konzept. Von Tamsoft wurde nun Alien Crush Returns entwickelt, welches auf WiiWare die Alienbedrohung zurück kommen lässt. Zwar ist die Story in einem Flippergame eher nebensächlich, soll aber dennoch nicht komplett unter den Tisch fallen. Ein Raumschiff ging nämlich verloren und wurde nun wieder entdeckt, allerdings finden sich überall außerirdische Lebensformen an Bord. Ihr müsst nun die verschiedenen Räume durchkämmen und mit eurer Flipperkugel bewaffnet der Bedrohung aus den Weiten des Weltalls ein Ende bereiten. Was sich ziemlich abgefahren abhört, entpuppt sich in der Praxis in erster Linie als reines Flipperspiel, welches lediglich von seiner Optik an die Alien-Filme erinnert.

Im Storymodus flippert ihr euch nach und nach über drei verschiedene Tische und jagt dort nicht nur den Highscore, sondern vor allem die auftauschenden außerirdischen Kreaturen. Sind bestimmte Bedingungen erfüllt, gilt der Raum als erledigt und ihr wechselt automatisch zum nächsten Flippertisch. Trotz drei verschiedener Schwierigkeitsgrade, die in erster Linie die Anzahl der euch verbleibenden Flipperkugeln beeinflussen sowie einem Zwischen- und einem Endboss ist das Game für relativ geübte Spieler bereits nach gut 30 Minuten durchgespielt. Danach darf im Arcademodus noch auf die Hatz nach dem ultimativen Highscore gegangen werden, denn dort lassen sich die drei Stages des Games separat anwählen. Um dem Spiel noch etwas mehr Tiefe zu verleihen, hat man sich seitens Tamsoft verschiedene Kugeln ausgedacht, welche das Spielgeschehen beeinflussen können. Anfangs stehen euch dabei drei verschiedene Kugeln zur Verfügung, die entweder einen Geschwindigkeitsschub, eine kurzzeitige Umkehr der Gravitation oder gar einen Multiball verursachen können. Als kostenlosen Downloadcontent gibt es später noch weitere Kugeln wie den „Paralyze Ball“, den „Tractor Ball“ oder den „Explode Ball“, den Schwierigkeitsgrad „Insane“ sowie eine weitere Stage für den Storymodus, die allerdings nicht einzeln angewählt werden kann, herunterzuladen.

Die drei Tische des Hauptspiels bieten mit einigen Rampen, Bumpern und verschiedenen Abschnitten ordentlich Futter für Pinnball-Freaks, erlauben aber meiner Meinung nach zu wenige Combos. Versteckte Räume, in denen die Alienbrut komplett vernichtet werden muss, bringen immerhin etwas Abwechslung auf den Bildschirm. Insgesamt hätte man aber noch mehr aus den Tischen herausholen können. Gelungen ist dagegen die Onlineanbindung. Neben dem Downloadcontent finden sich noch Online-Leaderboards sowie ein waschechter Onlinemodus. Online kann dabei gegen bis zu drei weitere Spieler angetreten werden. Nach der Wahl der Stage flippert dann zwar im Prinzip jeder für sich und versucht eine vorgegebene Punktzahl möglichst schnell zu erreichen, da aber die Namen sowie die Punktezahlen der Konkurrenten ebenfalls konstant eingeblendet werden, ergibt sich so eine relativ unterhaltsame Puntkejagd, die zumindest Highscorejägern sicherlich recht kommen wird und die Dauermotivation des Titels kräftig in die Höhe schraubt. Die Steuerung mit Wiimote und Nunchuk wurde simpel aber passend umgesetzt. Für ein Rütteln am Flippertisch wurde dabei natürlich die Bewegungserkennung der Wiimote selbst integriert, während ihr eure Flipperarme sowie die Auswahl und Aktivierung der Action Bälle über die normalen Buttons bedient. Abgesehen von der unnötig komplizierten Speicherverwaltung ist die Steuerung in Alien Crush Returns an sich zweckmäßig, aber gelungen.

Die Wiedergeburt

Optisch kann sich Alien Crush Returns ebenfalls sehen lassen. Die Flippertische im Aliendesign sind nicht nur auf den ersten Blick eine Augenweide und überzeugen durch ihre dreidimensionale Gestaltung. Der organische Look der einzelnen Elemente, die teils wabernde Abschussautomatik und die bei Treffern zerplatzenden Aliens verleihen dem Game eine ganz besondere Atmosphäre. Das klassische Alien Crush-Flair wurde jedenfalls passend in die dritte Dimension geholt und mit zeitgemäßer Optik entsprechend umgesetzt. Für einen WiiWare-Titel sieht Alien Crush Returns jedenfalls erstaunlich gut aus, selbst wenn Effekt-Highlights aus bleiben.

Ebenfalls gelungen ist die musikalische Untermalung des Spielgeschehens. Technoide Klänge fangen die kalte und bedrohliche Atmosphäre gut ein und treiben den Spieler zu neuen Highscores an. Die Soundeffekte mit ihrer Mischung aus Flippersound und Aliengeräuschen runden den guten Sound übrigens passend ab.

Fazit

Fans des Originals werden Alien Crush Returns sicher schnell ins Herz schließen, doch auch Freunde von Flipperspielen generell sollten einen Blick riskieren. Durch das ungewöhnliche Setting und die Idee mit den Action Balls ist Tamsofts Werk vor allem zu Beginn faszinierend und fesselnd. Trotz kostenlosen Zusatzinhalten ist es vor allem der Onlinemodus, der auch auf Dauer motiviert. Über die generell etwas magere Ausbeute von gerade einmal drei Tischen samt Extra Stages kann man damit aber dennoch nicht hinweg täuschen. Genrefans dürfen ihre Wii Points aber trotzdem guten Gewissens investieren.

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