Testbericht: We Sing Vol. 2

Verkehrte Welt. Ausgerechnet die Konsole, die die Casualitis in der Welt verbreitet hat, wurde mit DEM Partygenre schlechthin bisher nur dürftig versorgt. Mit We Sing existiert nur ein einziges, einigermaßen gutes Singspiel für die Wii. Dessen Nachfolger tritt nun in unserem Test an, sich selbst der Genrekrone zu beerben.

Ich singe, du singst, wir singen

Killerspieldebatten hin oder her, so schlecht können wir Spieler doch gar nicht sein. Denn der Volksmund behauptet, böse Menschen singen keine Lieder. Doch wer sich die Verkaufszahlen des höchst erfolgreichen Playstation-Singstar vor Augen führt, der weiß, dass in den heimischen Wohnzimmern sehr wohl gesungen wird. Und nicht zu knapp. Singstar ist DAS Konsolenpartyspiel schlechthin. Für Wii-Spieler besteht eine gelungene Party dagegen aus hektischem Gefuchtel bei meist dürftiger, audiovisueller Kulisse – zumindest wenn es nach vielen Publishern geht. Lediglich We Sing konnte als einziges Singspiel in der Vergangenheit qualitativ überzeugen, mit seinen 30 Songs wurden jedoch lediglich Freunde der zeitnahen Popmusik glücklich. Sei’s drum, diesen Sommer schickt Nordic Games seine Fortsetzung We Sing Vol. 2 ins konkurrenzlose Rennen um die Genrekrone – und das macht zwar nicht viel, aber doch einiges entscheidend besser.


Der Star jeder Party

Sonys Singstar war wahrscheinlich das erste Spiel, mit dem man selbst auf ernsthaften Partys Menschen vor die Konsole locken konnte. Für alle Neulinge sei erwähnt, dass We Sing auch in der zweiten Auflage im Grunde genommen nichts anderes ist. Ein astreines, partytaugliches Karaokespiel – bei dem im Gegensatz zur Konkurrenz von uSing und Co. aber immerhin die Gesangserkennung ordentlich funktioniert. Einen der Hauptkritikpunkte am Vorgänger hat Nordic Games trotz anders lautender Versprechungen jedoch trotzdem noch nicht ausgebügelt: Noch immer reicht es, die richtigen Melodien vorzusummen, genaue Textkenntnis ist in den seltensten Fällen nötig, da das Programm die Worte ohnehin kaum erkennt. Wirklich tragisch ist das allerdings nicht, denn selbst wenn das Spiel einen schummelnden Spieler nicht bestraft – die übrigen Partygäste werden es mit Sicherheit tun.

Doch erstmal der Reihe nach. Insgesamt 40 neue, lizensierte Songs hat Nordic Games mit auf die Scheibe gepresst. Wie schon beim Vorgänger, ist die Auswahl sehr poplastig und reicht von Lady GaGa über Lilly Allen bis hin zu Elton John. Im Gegensatz dazu gibt es jedoch auch einige Titel speziell für den deutschen Markt, so darf hierzulande exklusiv zu „36 Grad“, „Im Wagen vor mir…“ oder „Schön ist es, auf der Welt zu sein“ geschmettert werden. Die Zusammenstellung deckt immerhin von seichten Charts bis hin zu Poprock zahlreiche Facetten moderner Mainstream-Musik ab. Die Frage nach der Qualität der Songliste darf jeder Käufer allerdings für sich selbst entscheiden, immerhin enthält das Spiel aber auch zahlreiche Originalvideos.

Der Spielablauf hat sich im Kern natürlich nicht verändert. Lied auswählen, Singen und je nachdem, wie viele Töne getroffen wurden, gibt’s hinterher eine mehr oder weniger gute Bewertung. Unterschiedliche Schwierigkeitsgrade regeln dabei die Genauigkeit, mit der We Sing die Tonhöhe beurteilt. Zusätzlich zu den bereits bekannten Spielmodi des Vorgängers, wie Versus oder We Sing – bei dem zwei Spieler ein Duett singen – gibt’s im zweiten Teil nochmal drei Neue, sodass ihr euch an insgesamt acht Spielarten austoben könnt. Dazu gehören etwa ein Rapmodus, der wegen der mangelnden Worterkennung allerdings etwas willkürlich erscheint, sowie eine Art Blindsingen. Bei Letzterem erscheint einfach kein Text auf dem Bildschirm, sodass ihr mit eigener Liedkenntnis und Rhythmusgefühl punkten müsst. Sollte zwischendurch dann doch mal das Gedächtnis schlapp machen, artet dieser Modus stets in herrliches Chaos aus, es sei denn, die Spieler mogeln und summen weiter. Für Solisten gibt’s die neue Gesangsschule, bei der das Spiel durch wiederholtes Trainieren dabei hilft, die richtige Tonhöhe zu treffen. Ein nettes Gimmick, das aber natürlich keinen echten Gesangsunterricht ersetzt. Denn ob eine Stimme auch wirklich schön klingt, erkennt das Spiel logischerweise nicht. Und wer zwischendurch dann mal überhaupt keine Lust aufs Singen hat, kann We Sing Vol. 2 auch ganz einfach als Jukebox laufen lassen. Neu ist auch, dass bis zu vier Spieler mit ebenso vielen Mikrofonen gleichzeitig singen können, der Vorgänger erlaubte hier lediglich zwei. Dank mitgeliefertem USB-Hub ist das auch kein Problem, lediglich zwei weitere Mikrofone müssen separat gekauft werden.
Apropos Mikrofone: Hierbei handelt es sich um die selben wie schon im ersten We Sing, ein Modell von Logitech, dass zwar nur aus Plastik und etwas klein ist, aber einen wertigen Eindruck hinterlässt und zudem mit allen anderen Musikspielen auf Wii kompatibel ist.


Fazit

Wie auch schon das erste We Sing, gehört Vol. 2 zu den besseren Musik- bzw. Karaokespielen auf Wii. Um in die Klasse eines Singstar vorzudringen, wären zwar noch mehr Onlinefeatures nötig – etwa die Möglichkeit zum Download neuer Lieder – doch das scheint ja alleine systembedingt bei Nintendo nicht so ganz einfach zu sein. Grafik und Sound sind bei einem Musikspiel natürlich schwer zu bewerten, doch beide zweckdienlich und keinesfalls spielspaßmindernd. Was gut gefällt ist der Vierspielermodus, in dem vor der Konsole tatsächlich mächtig die Post abgeht. Auch wenn es schon sehr viel Disziplin verlangt, um nicht bei vier gleichzeitig grölenden Amateuren ein heilloses Durcheinander zu erzeugen. Die mangelnde Spracherkennung war schon beim ersten We Sing ein Problem, theoretisch lassen sich viele Liedpassagen einfach summen. Klar ist aber auch, dass das Spiel auf diese Weise irgendwie seinen Sinn verliert und es jedem selbst überlassen ist, ob er wirklich singen möchte oder nicht. Wer also Stoff für die nächste Party sucht, kann bei We Sing Vol. 2 bedenkenlos zugreifen, sofern die Songliste dem persönlichen Geschmack entspricht.

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