Testbericht: Toy Story 3: Das Videospiel

Dass Filmumsetzungen gerne mal ein zweischneidiges Schwert sind, dürfte jeder Konsolenbesitzer mittlerweile wissen. Von daher ist aus gutem Grund Vorsicht geboten, wenn ein Publisher mal wieder ein entsprechendes Rezensionsexemplar auf den Schreibtisch flattern lässt. Dennoch soll ein jedes Game seine faire Chance bekomme – so auch Toy Story 3, welches passend zum Kinofilm in den Regalen gelandet ist. Wir haben das Lasso geschwungen und die Laserkanone betätigt, um mit Woody, Buzz Lightyear und Konsorten herauszufinden, was das Game wirklich taugt.

Lass uns spielen!

Lange hat es gedauert, bis nach den ersten beiden Toy Story-Teilen noch ein dritter Ableger der Serie ins Kino gekommen ist. Doch Pixar hat ein weiteres Mal gezaubert und einen tollen Animationsstreifen in die Lichtspielhäuser dieser Welt gebracht. Das dazu gehörige Videospiel darf in so einem Fall natürlich nicht fehlen. Die in Salt Lake City ansässigen Entwickler der Avalanche Studios haben sich der Thematik angenommen. Da man vorher bereits die Umsetzungen zu Chicken Little, Triff die Robinsons sowie Bolt – Ein Hund für alle Fälle zu verantworten hatte, ist dem Studio also die Erfahrung im Bereich der Filmumsetzungen nicht streitig zu machen. Strittig dürfte dagegen eher die Qualität der bisher entwickelten Titel machen. Von daher waren die Grundvoraussetzungen für einen Toy Story 3-Test vielleicht nicht optimal. Doch irgendwie kommt es dann immer anders als man denkt.

Wer nämlich hinter Toy Story 3 eine lieblose Filmumsetzung erwartet hat, ist schief gewickelt. Natürlich darf nach der einleitenden Videosequenz ein Teil aus dem Film nachgespielt werden. Und natürlich gibt es auch einen Storymodus, in dem man Schlüsselszenen aus dem Film in meist etwas geänderter Form selbst spielt. Doch bereits hier verbirgt sich mehr Abwechslung, als man sich anfangs hätte vorstellen können. Nachdem ihr in der Haut von Woody nämlich den bösen Doktor Schweinebacke auf einem Zug im Wilden Westen besiegt habt, findet ihr euch im Kinderzimmer von Alex wieder und müsst dort ein Handy sowie ein Mobiltelefon finden. Alex soll angerufen werden, damit er noch einmal mit seinen Spielsachen spielen kann. Wer den Film nicht kennt, steigt dabei nicht unbedingt schnell in die Story ein, bekommt aber die wichtigsten Inhalte dennoch vermittelt. Ihr schlüpft dabei übrigens nicht nur in die Plastikhaut von Woody selbst, sondern dürft auch als Captain Buzz Lightyear oder die kesse Jessie unterwegs sein. Jede der Figuren hat dabei ihre besonderen Eigenschaften, die man sich in den Stages zu Nutze machen muss. Während Buzz beispielsweise als kleiner Kraftprotz die anderen Charaktere werfen und sie so auf höher gelegene Ebenen befördern kann, kann Jessie á la Assasin’s Creed auf schmalen Vorsprüngen balancieren und ungeahnte Höhen erreichen. Woody dagegen beherrscht nicht nur wie alle Charaktere den Doppelsprung, sondern kann sich an seiner Aufziehschnur wie mit einem Lasso an Haken entlang schwingen.

Doch nicht in jedem Level könnt ihr auf alle drei Charaktere zurückgreifen. Teils sind die Stages auch auf bestimmte Charaktere zugeschnitten, wodurch dort nur die dazu passende Spielfigur gesteuert werden kann. Als Buzz müsst ihr so beispielsweise wie in seinem eigenen Videospiel Felsbrocken aus dem Weg ballern, während ihr durch enge Canyons schwebt. Danach sind Sprungpassagen über Meteoritensplitter abgesagt, währenddessen euch immer wieder Roboter angreifen, die es im Sinne eines Third Person-Shooters dank Unterstützung der Pointerfunktion aus dem Weg zu räumen gilt. Ist dies geschafft, seid ihr auf dem Weg zum Alienboss Zurk, wo mit einem Mal die Perspektiven wechseln. Mal schaut ihr von oben auf das Geschehen, dann wieder spielt sich das Game wie ein klassisches 2D Jump’n’Run, während ihr Energiefeldern und Schranken ausweichen müsst.

Stachelkugeln verfolgen euch in bester Indiana Jones-Manier und Hüpfpassagen über farbige, herab fallende Plattformen fordern nicht nur euer Geschick, sondern auch schnelle Reaktionen, bevor ihr euch dem Fiesling Zurk direkt stellen dürft. Zurück im Kinderzimmer ist eine Runde Minispiele wie Pferdereiten und Kartfahren angesagt, bevor es in Gestalt von Woody durch das mit Mokka geflutete Kinderzimmer geht. Ihr seht also, Abwechslung wird in Toy Story 3 großgeschrieben. Die einzelnen Gameplayelemente sind dabei zwar nie wirklich neu und hätten auch jeweils noch etwas Potenzial nach oben, dennoch macht die Mischung aus den verschiedenen Elementen ziemlich Laune. Binnen einigen Stunden ist man allerdings mit dem Storymodus durch. Dank Coop-Modus darf sich dabei übrigens auch ein zweiter Spieler mit in das Geschehen einmischen.

Damit ist aber noch lange nicht Schluss, denn quasi als Dreingabe haben die Entwickler den Spielzeugkisten-Modus integriert, der sich heimlich, still und leise als das absolute Highlight des Games entpuppt. Ihr startet hier im freien Spiel in einer kleinen und verkommenen Spielzeugstadt im Wilden Westen. Vom Bürgermeister Hamm erhaltet ihr euren ersten Auftrag und bekommt somit eine Vorstellung davon, was von euch gefordert wird: In bester GTA-Manier Aufträge erfüllen, euer Konto in die Höhe treiben und sich mit der Zeit immer neue Elemente für eure Stadt zu kaufen. Mit der steigenden Anzahl an Bewohnern erhaltet ihr dabei immer neue Aufgaben sowie Möglichkeiten. Sobald ihr im Spielzeugladen die entsprechenden Elemente gekauft habt, werden diese prompt in eure kleine Stadt geliefert. Mit eurem Pferd unter dem Allerwertesten könnt ihr beispielsweise einige Rennen absolvieren, die Spielzeugsoldaten dagegen wollen von hohen Plattformen geworfen werden, damit sich deren Fallschirm öffnet und ihr sie sicher auf diverse Zielscheiben landen lassen könnt. Eure Stadt verschönert sich mit den erfüllten Aufgaben weiter und ihr schaltet nach und nach weitere Areale frei. Die zu erkundende Welt wird somit immer größer. Werdet ihr anfangs noch an die Hand genommen, habt ihr schon bald aufgrund der Fülle an Aufgaben die Übersicht verloren, was als nächstes zu erledigen ist. Ihr könnt dabei natürlich je nach Lust und Laune vorgehen, was dem Spielspaß zugutekommt. Auch der Umfang ist absolut angemessen und man kann gut und gerne 20 Stunden in das Game investieren. Somit entschädigt der Spielzeugkisten-Modus deutlich für den zwar abwechslungsreichen, aber insgesamt eher knapp gehaltenen Storymodus.

Den guten Eindruck trübt die teils etwas schwammige Steuerung ein wenig. Mittels Analogstick werden die Charaktere gesteuert, der A-Button dient den Sprüngen sowie den Doppelsprüngen. Gerade in Jump’n’Run-Passagen kann die Sache leicht hakelig werden, da eure Charaktere sich leicht schwammig Steuerung und das ein oder andere Mal unabsichtlich kurz vor dem Absturz in die Tiefe stehen. Zum Glück seid ihr trotz Energieleiste quasi unsterblich, da ihr bei einem Absturz oder einer leeren Kraftleiste einfach vom letzten und in der Regel sehr fair gesetzten Checkpoint erneut startet. In einigen Abschnitten darf auch die Pointerfuntion der Wiimote verwendet werden. Doch gerade in der Shooter-Passagen von Buzz ist das Zielkreuz unverständlicherweise immer mittig ausgerichtet und wird nicht durch den Pointer gesteuert. Warum diese Entscheidung von den Designern getroffen wurde ist nicht nachzuvollziehen, das Gameplay in just jenem Levelabschnitt fühlt sich nämlich dadurch sehr unnatürlich und aufgesetzt an. Abgesehen davon ist die Steuerung in Toy Story 3 zwar kein Highlight, aber immerhin brauchbar. Etwas Feinschliff hätte der Steuerung aber sicherlich nicht geschadet.

Wie im Film?

Aus technischer Sicht muss gesagt werden, dass Toy Story 3 natürlich optisch nicht einmal ansatzweise mit dem Pixar-Vorbild auf der Leinwand mithalten kann. Für Wii-Verhältnisse bewegt sich die Optik im gehobenen Mittelfeld, wobei gelegentliche Slowdowns den guten Eindruck noch etwas schmälern. Die passenden Animationen können das nur bedingt wieder ausgleichen. Die Videosequenzen dagegen sind toll umgesetzt und vermitteln den gelungenen Slapstick-Humor aus dem Streifen. Dennoch ist es schade, dass man sich im optischen Bereich nicht noch mehr Mühe gegeben hat. Zwar passt die insgesamt sehr bunte Optik perfekt zum Game, doch hätten die Texturen an der ein oder anderen Stelle ruhig noch etwas schärfer hätten sein dürfen.

Beim Sound kann man ebenfalls nur bedingt punkten. Der Hauptgrund dafür ist das Fehlen der Synchronstimmen aus dem Kinofilm. Die Stimmen im Spiel sind zwar insgesamt gut umgesetzt, aber es passt eben nicht zum Erlebnis, welches man auf der Leinwand bei Toy Story 3 hatte. Die Musik plätschert eher im Hintergrund daher, die Soundeffekte dagegen sind zwar nicht überragend, aber immerhin abwechslungsreich und teils richtig witzig.

Fazit

Avalanche Software beweist mit Toy Story 3, dass Filmumsetzungen nicht von Grund auf ideenlos und einfach nur schlecht sein müssen. Der nötige Feinschliff hätte zwar auch aus Toy Story 3 noch einen wesentlich besseren Titel gemacht, doch diese Abstriche müssen wohl aufgrund des Zeitdrucks bei der Programmierung gemacht werden. Übrig bleibt ein vor allem dank des Spielzeugkisten-Modus überraschend motivierender und umfangreicher Titel, der trotz der teils schwammigen Steuerung und der mittelmäßigen Technik seine Daseinsberechtigung hat und nicht nur Fans des Films gefallen dürfte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Packshot Toy Story 3: Das Videospiel

Toy Story 3: Das Videospiel

Release: 12.07.2010
Publisher:
Entwickler:
Anzahl Spieler: 2
USK: 12