Testbericht: Tatsunoko vs. Capcom: Ultimate All-Stars

Lange ersehnt, viel diskutiert – jetzt ist es endlich am Start. So langsam kommt mal wieder etwas Bewegung in das Beat´em up-Genre auf der Wii, denn Capcom verfrachtet die nächste Generation seiner Vs.-Reihe exklusiv auf Nintendos weißes Schmuckkästchen. Akute Verknotungsgefahr für europäische Zungen besteht beim Titel „Tatsunoko vs. Capcom: Ultimate All-Stars“ auf jeden Fall. Ob es genauso gefährlich für die Finger wird? Auf zum fröhlichen Dreschen!

Tatsu… Tatso… Dingenskirchen?

Was ist Tatsunoko eigentlich? Eingefleischten Anime-Fans wird der Name durchaus ein Begriff sein – den Anderen sei gesagt, dass es sich dabei um ein Animestudio handelt, welches in Japan seit den 60er Jahren ebenso fleißig Superhelden produziert, wie etwa in der westlichen Welt Marvel oder DC.
Hier treten also die Ultimate All-Stars beider Seiten gegen- oder auch miteinander an und geben sich ordentlich auf die Zwölf! Es ist ein Wiedersehen mit alten Bekannten: Ryu, Chun-Li oder Viewtiful Joe. Man lernt aber auch jede Menge neue Charaktere kennen wie Casshan, Tekkaman oder Jun the Swan. Das Intro ist schick gestaltet und unterlegt mit asiophilem Dance-Pop, der allerdings etwas an meinen Geschmacksnerven vorbeisegelte. Die Videosequenzen und den stylischen Schnitt dazu kann man sich aber schon ganz gerne mal anschauen. Naja – und irgendwie passt die Mucke ja auch zu einem Comicprügler aus Fernost … oder sollte ich sagen: Was anderes hat man eigentlich gar nicht erwartet?

Wähle weise?

An Steuermöglichkeiten bietet das Spiel derlei vier verschiedene. Quer gehaltene Wiimote, Wiimote/Nunchuk, Gamecube-Controller, aber auch der Classic Controller wird unterstützt. Erstere Variante gefällt mir überraschenderweise besser als in Kombination mit Nunchuk, denn die möglichen Schlagvarianten sind mit beiden erreichbar. Die Buttons liegen ohne Nunchuk einfach näher beieinander, zudem lassen sich die Kämpfer via Steuerkreuz besser bewegen als mit dem Stick. Das Wiimote-Gefuchtel wurde auf die Hyper Combos beschränkt und diese lassen sich ohne Nunchuk durch gleichzeitiges Drücken von 1 und 2 ebenfalls sehr leicht erreichen.

Was die anderen beiden Varianten betrifft, so ist die Wahl zwischen GC- und Classic Controller einfach Geschmackssache, denn die Tastenbelegung ist nahezu identisch. Wer einen solchen Controller besitzt, genießt den Vorteil, dass sich die Angriffe zwischen leichtem, mittlerem und hartem Schlag variieren lassen, während die Wii-Controller nur einen Angriffsbutton haben – die Attacken lassen sich dort jedoch mit Hilfe des Steuerkreuzes verändern.

Doch genug der Technik – ab in die Arena! Bei Tatsunoko vs. Capcom: Ultimate All-Stars wird in der TagTeam-Variante gekämpft. Ihr sucht Euch also zu Beginn Eure beiden Recken aus, die heute für Euch bluten und bluten lassen dürfen oder überlasst es der obligatorischen Random Choice. Gleich am Anfang stehen jede Menge Raufbolde zur Verfügung – 26 an der Zahl. Ein sehr erfreulicher Umstand, denn beim allseits beliebten Multiplayergeprügel ist es doch immer mehr als nervig, wenn man zuerst im Singlemodus interessantes Material frei schalten muss. Es werden die verschiedensten Geschmäcker bedient. Vom brachialen Kaijin no Soki (aus Onimusha: Dawn of Dreams), der mit seinem Breitschwert auf seine Gegner eindrischt, über den Roboterriesen Gold Lightan (aus der gleichnamigen Tatsunoko-Serie) bis hin zur kleinen Roll aus Mega Man Legends, die mit Besen und Putzeimer die Großen das Fürchten lehrt. Bereits erwähnter Roboter ist übrigens einer von zwei Charakteren zu Beginn, die man nur alleine wählen kann – dafür können diese auch ordentlich austeilen und einstecken. Im Auswahlschirm erntet das Game von mir leider das erste kleine Minus. Sollten auf einmal Zweifel am Kombattanten seines Vertrauens aufkommen: Einen „Zurück“-Button gibt´s nicht, da muss man dann mit dem kämpfen, was nun da ist … aber das lässt sich verkraften.

Auf einen Storymodus hat Capcom verzichtet – den braucht ein Arcade-Beat´em up auch nicht wirklich. Ob da jetzt ein paar Filmchen zwischen den Kämpfen auf dem Weg zum Endgegnerolymp gezeigt werden oder nicht ist mir persönlich eigentlich egal.

An Spielmodi stehen zur Auswahl Arcade, Survival und Time Attack. Ich habe mich für Euch selbstverständlich gleich zu Beginn in den Arcademodus gestürzt, getrieben von meiner ewigen Suche nach dem ultimativen Oberboss. Den Schwierigkeitsgrad hab ich gleich mal auf sechs von acht Sternen hoch gesetzt. Training? Ach was. Ihr sollt ja nicht glauben, dass wir hier nur Spaß haben – Arbeit ist angesagt!
Meine Wahl fiel mit Ryu auf einen bekannten und mit Ippatsuman mir unbekannten Helden, die ich mit quer gehaltener Wiimote durch die verschiedenen Arenen trieb. Die Primärcharaktere stehen sich dabei zuerst gegenüber, der Partner lässt sich aber immer wieder für einen kurzen Angriffsassist aus der Ecke holen oder komplett auswechseln. Die Szenerien sind sehr hübsch gestaltet und durch den Street Fighter getreuen Comicstil werden die grafischen Möglichkeiten der Wii gut ausgenutzt. Ihr findet Euch vor Kulissen wieder wie einer zertrümmerten Stadt, einem japanischen Garten oder aber auch einem Kaufhaus voller Zombies inklusive dümmlich-kehliger Zombielaute. Ihr solltet aber mal erleben, wie dieser Schauplatz bei manchen Leuten immer wieder fröhliches Gejohle auslöst und alle spontan in den Zombiechorus einstimmen – und da dachte man, man kennt seine Freunde…

Schwierigkeit ist Ansichtssache

Aber zurück zum Thema: Mit der von mir gewählten Methode spielte sich das Game irgendwie butterweich. Man könnte auch sagen etwas zu butterweich – ich bin bis zum zwei Mal reinkarnierenden Obermotz Yami stressfrei durchgekommen bis ich vor ein paar Problemchen gestellt wurde. Für die erste Partie war mir das beim dritthöchsten Schwierigkeitsgrad etwas zu leicht. Das mindert den Spielspaß anfangs zwar auf keinen Fall, jedoch dürften Euch beim regelmäßigen Zocken relativ flott die ebenbürtigen Gegner im Singleplayermodus ausgehen.
Die Kämpfe an sich machen natürlich gerade dank der TagTeam-Variante wirklich Spaß und es lassen sich dual schöne Combos aus dem Hut zaubern. Nicht gerade glücklich gelöst ist hierbei die Kameraführung, wenn in luftigen Höhen gefightet wird. Mangels Zoomeffekt bekommt Ihr lediglich mit einer kleinen Ziffer am unteren Bildschirmrand gezeigt, wo sich Euer Gegner befindet. Viele Eurer Attacken aus der Luft erledigt Ihr eigentlich eher im Blindflug nach Gefühl.

Für das Energiesystem hat sich Capcom etwas Neues einfallen lassen. Unter dem obligatorischen dreifarbigen Balken befindet sich ein zweiter, nur in roter Farbe dargestellt. Zum Einen stellt dieser den Erholungswert dar, bis zu dem sich der Charakter bei einer Auswechslung regenerieren kann. Opfern kann man diese Energie für die sogenannte Baroque Combo, einer verstärkten Chain Combo, mit der Ihr die Lebenskräfte Eures Gegners rapide schwinden lassen könnt. Mit dem Cross Over Air-Raid und dem Mega Crash, der den Feind zurückschleudert, wurden der Reihe noch zwei weitere neue Combos hinzugefügt.
Die mächtigste ist jedoch die Hyper Combo. Bei dieser werden Panzer, Laserstrahlen, übergroße Kanonen und Baseballschläger ausgepackt, welche die Gegner quer durch die ganze Arena fliegen lassen. Einsetzbar ist diese, wenn sich die dementsprechende Anzeige gefüllt hat. Das geht bis zu fünf Mal – umso heftiger dann die Hyper Combo. Damit es nicht langweilig wird, variiert diese Mega-Attacke je nach zusätzlicher Bewegung des Steuerkreuzes.

Beim Survivalmodus geht es darum, mit einem bestimmten Energiekontingent möglichst viele Kämpfe hintereinander zu bestehen. Schade nur, dass sich die Energieleiste vor jedem neuen Kampf wieder voll auffrischt und man im Menü nach der Einstellung des Schwierigkeitsgrades vergebens sucht. Ich habe das Projekt Survivalmodus nach 13 Siegen in Folge aufgrund von Sinnlosigkeit abgebrochen. Auch der Time Attack-Modus, bei dem Ihr Eure Gegner möglichst schnell plätten müsst, um Euch dann in eine High Score-Liste eintragen zu können, sorgt nicht gerade für sehr langen Spielspaß.

Anders sieht es da beim Onlinemodus aus. Die Fernkämpfe gegen Eure menschlichen Opponenten laufen im Großen und Ganzen lagfrei ab. Es gibt Rival und Friend Roster, in denen Ihr Gegner speichern und verwalten könnt. Das ist jedoch kein Muss. Beim Free Battle wird euch per Zufallsprinzip ein zur Verfügung stehender Gegner gesucht und Ihr könnt sofort drauf los prügeln. Leider wird die Gegnerwahl aber auch bei den Ranking Matches so gehandhabt. Dort könnt Ihr Euch in einer Rangliste hoch kämpfen. So kann es äußerst frustrierend sein, wenn man gleich zu Beginn immer wieder starke Gegner zugelost bekommt. Besser wäre gewesen, wenn der Spieler die Möglichkeit gehabt hätte in der Rangliste direkt zu fordern. Rein spielerisch ist der Onlinemodus jedoch einwandfrei gelungen.

Bonus-Shopping

Natürlich gibt es auch bei Tatsunoko vs. Capcom: Ultimate All-Stars allerlei Boni zu ergattern. In den verschiedenen Offline-Spielmodi verdient Ihr Euch für Eure harte Arbeit im Ring die Ingamewährung „Zenny“. Diese Zennies könnt Ihr im Shop für neue Outfits, Videos, Galeriebilder und mehr ausgeben.
Ein ganz besonderes Schmankerl erwartet Euch nach dem Abspann des Arcademodus. Während die obligatorischen Credits durchlaufen, steuert Ihr ein Tandemrad über eine Hügellandschaft. Wer es dabei schafft, alle im Abspann eingebauten gelben Buchstaben einzusammeln, dem winkt noch ein Bonusspiel der ganz besonderen Art! Lasst Euch überraschen…

Grafik und Sound

Wie bereits erwähnt kaschiert Capcom durch den Comicstil die grafischen Nachteile der Wii. Es wird vielleicht nicht das Optimum herausgeholt, aber das Ergebnis kann sich auf jeden Fall sehen lassen. Die Animationen gefallen richtig gut und sind schön anzuschauen – ebenso wie die Szenarien vor denen sich die Kämpfer im Schweiße ihres Angesichts gegenüber stehen. Was den Sound angeht, werden dort gerade Asien-Fans ihre Freude haben. Nicht nur wegen der Musik, sondern auch wegen der original japanischen Sprachausgabe der Charaktere.

Fazit

Über die vereinzelten Schwächen des Spiels kann man im Großen und Ganzen hinwegsehen. Wer ein solides Beat´em up für die Wii möchte, ist mit Tatsunoko vs. Capcom: Ultimate All-Stars sehr gut bedient – und gerade wer seinen Freunden mal zeigen möchte, dass man sich auf der Wii auch mal gepflegt prügeln kann ohne gleich Mario, Kirby oder ein Pokémon als Kämpfer wählen zu müssen, der ist hier genau richtig. Ich bin mir sicher, dass das Spiel auch in Zukunft oft im Laufwerk meiner Wii landen wird. Also los, zuschlagen!

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