Testbericht: Star Wars – The Clone Wars: Lichtschwert-Duelle

Herz, was willst du mehr? Wii-Sternenkrieger werden in diesem Herbst bereits zum zweiten Mal beschenkt. Nach der soliden Umsetzung von „The Force Unleashed“ konzentriert sich Entwickler Krome Studios mit seiner „Clone Wars“-Versoftung gänzlich auf den Zweikampf. Ob der Spieler hierbei siegreich hervorgeht oder ordentlich auf die Backe bekommt, klären wir jetzt.

Stell dir vor es ist Krieg, und keiner geht hin.

77, 80, 83, 85, 86, 99, 02, 05 und 08. Hierbei handelt es sich nicht um den neuesten Hit der Sportfreunde Stiller, sondern um die Zahlen der Jahre, in denen ein neuer „Star Wars“-Film ins Kino kam (die restaurierten Fassungen von 1997 mal außer Acht gelassen). Doch halt 1985? 86? Und vor allem 2008??? Was kam denn bitte schön da?
Außer den sechs Hauptfilmen der Reihe haben es noch drei weitere Spin-Offs in die hiesigen Kinos geschafft. In den Achtzigern waren das zwei fürchterliche, eigentlich fürs TV gedachte Produktionen rund um die Ewoks. Und 2008 ist es Clone Wars, das am 14. August in den deutschen Kinos startete. Doch die sonst so mächtige, Lucas’sche PR-Maschinerie hat sich dieses Mal gewaltig zurückgehalten. Außer ein paar Fernsehspots bekam man von dem Streifen kaum etwas mit und auch die dazugehörige TV-Serie (im Kino lief lediglich der Pilotfilm) startete still und leise Mitte November auf Pro7.
Die Animationsserie Clone Wars erzählt die Geschichte zwischen den Episoden 2 und 3 – jedoch nicht zu verwechseln mit der Zeichentrickserie Clone Wars, die 2005 auf zwei DVDs erschien. Zwar zeigt auch diese die Geschehnisse zwischen den zwei Episoden, aber eben nicht dieselben. Gemessen an Anakins Haarlänge dürfte die neue Clone Wars-Serie ungefähr zwischen den zwei Staffeln der alten liegen, aber nachdem Anakin zum Jedi geschlagen wurde. Etwas kompliziert das Ganze aber gut, die Macher wollten es ja so.

Als wäre das noch nicht Verwirrung genug, bekommt Anakin mit Asoka Tano auch noch eine höchst vorlaute Padawan-Schülerin, was seinem Rang gemäß eigentlich gar nicht möglich ist. Dazu kommt noch, dass sowohl die Jedi, als auch die Padawan-Schülerin im Laufe der Serie mehrmals mit Count Doku oder General Grievous aneinander geraten, wovon in der späteren Episode 3 allerdings nie die Rede ist. Doch im Folgenden soll es nicht darum gehen, ob es besonders klug ist, so viele eigene Geschichten zwischen zwei zusammenhängende Star Wars-Episoden zu packen – wirklich ernst zunehmen sind die halbstündigen Storyhäppchen eh nicht. Aber sie eignen sich gut für viele Kämpfe und noch besser für ein Videospiel. Die Krome Studios liefern mit Star Wars The Clone Wars: Lichtschwert Duelle ein klassisches Beat´em´up, welches voll und ganz auf seine Lizenz und die Wii-Steuerung setzt. Nicht die schlechtesten Voraussetzungen, doch reicht das für mehr?

Schwing dein Ding

Ganz im Sinne eines Fightspiels wird in Star Wars The Clone Wars: Lichtschwert Duelle ausschließlich geprügelt. Als einer von zehn „Star Wars“-Recken aus der neuen Trilogie schlagt ihr euch in der Höhle des Rancors, auf der Brücke eines republikanischen Sternenzerstörers, in den Wüsten Tatooines und einigen neuen Orten jeweils drei Runden lang mit eurem Gegenüber. Wer zweimal siegt, gewinnt das Spiel. Damit wäre dann auch schon der ganze Spielinhalt beschrieben, doch wie bei einem Prügler üblich, ist natürlich das Gameplay entscheidend. Neben dem schnellen Zufallsspiel könnt ihr ein freies Spiel einrichten und nach Auswahl von Kämpfer und Arena gegen den Computer oder einen Mitstreiter zu Felde ziehen. Die Kämpfe werden nahezu ausschließlich mit dem Lichtschwert bestritten, daneben gibt es noch die Möglichkeit Gegenstände per Macht zu werfen, sowie eine individuelle Machtkraft einzusetzen. Dies kann etwa der Machtschub oder ein mächtiger Rage-Angriff sein. Diese Fähigkeiten verbrauchen die Energie eurer Machtleiste, die sich durch erfolgreich gelandete Treffer wieder auffüllt. Erreicht die Leiste ihr Maximum, steht ein besonders verheerender Spezialangriff zur Verfügung. Auch wenn sich die Machtangriffe im richtigen Moment als äußerst sinnvoll erweisen, werdet ihr doch in erster Linie das Lichtschwert schwingen. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Für jeden Schlag schwingt ihr die Wiimote, das Spiel erkennt oben, unten, links, rechts und Stoßen – ganz ähnlich wie schon bei The Force Unleashed. Im Gegenzug zum Action-Adventure rund um Starkiller und Co. gibt sich die Bewegungserkennung hier allerdings etwas behäbig, teilweise müssen die Bewegungen wirklich mit Schwung ausgeführt werden, damit euer Kämpfer ordentlich draufhaut. Aus den vier Schlagrichtungen lassen sich dafür unterschiedliche Combos zusammensetzen, die erstens schwer zu Blocken sind und zweitens eure Machtleiste schneller auffüllen. Da diese jedoch für jeden Charakter unterschiedlich sind und teilweise aus bis zu vier exakten Schlagbewegungen bestehen, bleibt es doch meist beim handelsüblichen Draufhauen. Immerhin, wer wirklich nur wild den Controller schüttelt, wird schon bald die glühende Klinge des Gegners schmecken, stattdessen sind gezielte Schläge, bewusstes Blocken und kluger Einsatz der Macht der Schlüssel, denn die Computergegner agieren recht clever und menschliche Mitspieler werden das unter Garantie ebenfalls tun. Obwohl das Selbst-Schlagen zweifellos seinen Reiz hat, nutzt es sich doch irgendwann ab. Zum einen macht sich nach einer Stunde Clone Wars tatsächlich so etwas wie ein Tennisarm bemerkbar, zum anderen fehlt es auf kurz oder lang doch einfach an Variation. Vier Schlagrichtungen, zwei Machtkräfte und immer drei Runden. Das war’s. Der Kämpferkader ist ebenfalls knapp bemessen – im Gegenzug dazu bot The Force Unleashed in seinem sehr ähnlichen Multiplayermodus (übrigens vom selben Entwickler) weit über 20 Kämpfer an. Doch immerhin werden die einzelnen Sternenkrieger höchst individuell in Szene gesetzt, generell ist die Inszenierung eine der großen Stärken des Spiels. Jeder Kämpfer bewegt sich auf die zu ihm passende Weise – Ventress kämpft mit zwei, Grievous mit vier Schwertern. Während der Duelle liefern sich die Kontrahenten zudem noch andauernde Wortgefechte. Diese speziell auf die jeweiligen Charaktere zugeschnittenen Dialoge wiederholen sich zwar irgendwann, sorgen aber dennoch für Stimmung im Kämpferalltag (mein Favorit – Asajj Ventress zu Asoka Tano: „Gib auf Kindchen, dann geb‘ ich dir einen Keks“).

Ebenfalls sehr schön inszeniert ist die Kampagne des Spiels. Zwar ist sie im Grunde nicht mehr als eine Aneinanderreihung vorgegebener Kämpfe, doch werden diese regelmäßig mit Originalausschnitten der Serie sowie Sequenzen in Spielegrafik angereichert. Auch wenn hier einige Regeln gebrochen werden (Wieso beherrscht General Grievous die Macht? Warum kann die dumme Padawan-Schülerin es mit dunklen Jedi aufnehmen?) unterhalten die Storyfetzen gut. Nach drei bis vier Stunden flimmert allerdings der Abspann über den Schirm und der Wiederspielwert ist erwartungsgemäß eher gering.

Dafür laden die Multiplayerduelle zu einigen fröhlichen Partien ein. Die Kämpfe zu zweit sind spannend, da der besonnenere Kämpfer gewinnt, nicht der sinnbildliche Buttonmasher. Doch auch hier macht sich nach einigen Runden die Eintönigkeit breit. Es gibt quasi nichts freizuspielen und keine geheimen Moves zu entdecken. Und auch hier wird irgendwann der Arm schwer…
Für ein paar lustige Runden zwischendurch ist Clone Wars also keineswegs falsch, allerdings bot The Force Unleashed bei sehr ähnlichem Gameplay wesentlich mehr.

Deine Augen, täuschen sie dich können

Wie schon bei TFU setzt Entwickler Krome Studios auch für Clone Wars auf die betagte Spyro-Grafikengine von 2006. Diese zeichnete sich noch nie durch Polygonreichtum aus, dennoch weiß Clone Wars durch seinen Stil zu gefallen. Wer mit der Optik der Serie etwas anfangen kann, findet hier hübsch stilisierte Figuren und feine Animationen. Auch um die Arenen herum passiert immer irgendetwas. Nur zu nah sollte die Kamera dem Ganzen besser nicht kommen. Denn obwohl die Gesichter relativ synchron ihren Mund zur Sprache bewegen und generell ausdrucksstark sind, so fallen doch überall die Ecken und Kanten auf. Dennoch fällt die Grafik nicht störend ins Gewicht, schließlich ist der ganze Look absichtlich etwas eckig.

Die Akustik ist wie zu erwarten natürlich makellos, obwohl kaum Originalstücke der Filme zu hören sind. Stattdessen setzt Clone Wars auf eine Mischung aus Orchester-, Rock- und Ethnoklängen, ähnlich wie im Film. Diese klingen jedoch ganz wunderbar und stören zu keiner Zeit. Ein Vorteil der deutschen Version ist, dass fast alle Figuren über ihre Original-Synchronstimmen verfügen. Lediglich General Grievous spricht leicht verändert – jedoch erstaunlich nah an der Filmvorlage. Wen das regelmäßige Gebrabbel während der Kämpfe jedoch irgendwann nervt, der hat leider keine Möglichkeit, die Kampfdialoge separat zu deaktivieren. Der einzige Kritikpunkt in der sonst einwandfreien Klangkulisse.

Fazit

Zugegeben, allzu umfangreich ist Star Wars The Clone Wars: Lichtschwert-Duelle nicht – außer vielleicht im langen Namen. Genau dies ist aber auch schon das Hauptproblem, denn die launigen Kämpfe verlieren irgendwann an Reiz und dann … ja, dann ist da nichts anderes – außer dass irgendwann der Arm wehtut. Die Steuerung bietet immerhin eine gewisse Lernkurve und das schicke Tutorial (nahezu identisch mit dem von The Force Unleashed) erklärt alle Bewegungen. Doch eine größere Schlagauswahl, mehr freie Einstellmöglichkeiten für die Kämpfe und sich individueller spielende Charaktere hätten dem Spiel gut getan.
So bleibt ein netter, gut inszenierter Prügler mit „Star Wars“-Bonus. Ernsthafte Kämpfernaturen werden aber schon bald alles gesehen haben. Zudem sitzt beim Spielen stets die Gewissheit im Nacken, dass The Force Unleashed zum mittlerweile günstigeren Preis, bei nahezu gleichem Multiplayer-Modus noch eine richtige Solokampagne oben drauflegt.

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