Testbericht: Spectrobes: Der Usprung

Mit der Erfindung der „Spectrobes“ versuchte der Disney-Konzern sich eine Scheibe vom großen Pokémon-Kuchen abzuschneiden, indem man selbst eine Reihe kleiner Kreaturen entwarf, die man sammeln, trainieren und aufleveln kann. Die passende Umsetzungen als Videospiel gibt es dazu natürlich ebenfalls. Zweimal erschien ein „Spectrobes“-Teil bereits auf dem Nintendo DS. Ob nun aller guten Dinge wirklich drei sind und was der dritte Teil mit dem Untertitel „Der Ursprung“, der nun für Nintendos Wii erscheint, wirklich taugt, haben wir für euch herausgefunden.

In einer weit entfernten Galaxie…

Die Story von Spectrobes: Der Ursprung ist eigentlich schnell erzählt: Trotz eindeutiger Warnungen werden die beiden Mitarbeiter der Nanairo-Raumpatrouille Rallen und Jeena in einen gefährlichen Sektor in der heimischen Galaxis entsandt. Dort angekommen, werden sie prompt durch ein Wurmloch in eine andere Dimension katapultiert und landen auf dem Planeten Wyterra, von dem aus Hilfesignale gesendet werden. Wie es der Zufall so will, wird die Bevölkerung des Planeten von genau denselben fiesen Kreaturen belästigt, die auch im Nanairo-System bereits Unfrieden stifteten: Die Krawl. Lange Rede, kurzer Sinn: Ihr müsst natürlich den Bewohnern helfen, die Krawl samt aller Obermotze in ihre Schranken zu weisen und möglichst auch wieder den Weg nach Hause zu finden.

Damit der Kampf gegen die in verschiedenen Formen auftretenden Schurken alleine nicht zu schwierig wird, hat man euch die Titel gebenden Spectrobes an die Seite gestellt. Diese kleinen Tierchen treten in drei unterschiedlichen Kategorien auf. Ein Primär-Spectrobe wird dabei stets mit sich geführt und sucht für euch auf Befehl nach versteckten Kristallen oder Fossilien. Päppelt man sie zu Sekundär-Spectrobes auf, kann man sie in Kämpfen einsetzen und in ihrer dritten Form werden sie dann besonders angriffslustig und stark. Anfangs hat man gerade einmal zwei dieser zum Kampf bereiten Gesellen im virtuellen Armband versteckt, die bei Beginn eines Zufallskampfes auf den Plan gerufen werden und eure Befehle entgegen nehmen. In Echtzeit wetzt also nicht nur ihr in der Form von Rallen oder wahlweise auch Jeena über die Pisten und hackt auf die Monster ein, auch euer gewählter Spectrobe ist mit von der Partie. In den Gefechten stehen euch einfache Combos mit Schwert, Axt, Lanze, Wumme, etc. zur Verfügung, während euer Spectrobe beim richtigen Timing für weitere Combo-Attacken eingesetzt werden kann. Während des Kampfes kann euer tierischer Begleiter auch jederzeit gewechselt werden, was bei schwindender Energieleiste eures Sidekicks ratsam ist. Die von besiegten Krawl hingegen hinterlassenen Energiekugeln füllen die Kraftreserven eurer kämpfenden Kumpels wieder auf, ihr selbst heilt euch durch den Verzehr von Reiskeksen.

Neue Spectrobes erhält man, indem man die gefundenen Fossilien etwas genauer untersucht. In deren Innerem verbergen sich die Kreaturen, die mittels verschiedener Werkzeuge frei gelegt und wieder belebt werden wollen. Ihr malträtiert also den Stein mit Bombe, Hammer, Laser und Bohrer, nachdem ihr mit einem Scanner die Position des Spectrobes ausfindig gemacht habt. Denn nur wer gleichzeitig schnell und vorsichtig zugleich zu Werke geht und den Spectrobe selbst nicht zu stark verletzt, erhält nach Abschluss dieses Quasi-Minispiels eine gute Bewertung und ein entsprechend höheres Startlevel für den neuen Kampfgefährten. Die bei den Grabungsarbeiten zum Einsatz kommende Pointerfunktion erfüllt präzise ihren Zweck, während das zum Hämmern benötigen Schwingen der Wiimote nach unten nicht immer zufriedenstellend erkannt wird. Auch in den Gefechten selbst kommen ab und an Controller-Gestiken zum Einsatz, mit denen ihr eure Spectrobes entweder in den Kampf und auf den anvisierten Gegner schickt oder ihn sich bei drohender Gefahr zurück ziehen lasst. Besonders verheerende Special-Moves und Combos verlangen ebenfalls den Einsatz von Bewegungen der Wiimote. In der Regel werden diese erkannt, nur leider nicht in allen Situationen, was im Kampfgetümmel mitunter ärgerlich sein kann. Alternativ zur KI darf allerdings auch jederzeit ein zweiter Spieler mit einsteigen und die Kontrolle des Spectrobes im Kampf übernehmen, womit auch ein Hängenbleiben an unsichtbaren Wänden der Vergangenheit angehört.

Die zwei Seiten der Medaille

Bisher klingt alles überzeugend? Tut es auch. Die verschiedenen Waffen, die über 100 zu findenden Spectrobes mit ihren Sonderfertigkeiten, das Aufleveln, das Finden und Freilegen der Fossilien – das alles macht richtig Laune und Spectrobes: Der Ursprung zu einem im Grunde genommen tollen Titel, wenn – ja, wenn da nicht diverse Kritikpunkte wären. Dazu gehört zum einen das nicht gerade ausgeprägte Combosystem. Die Ansätze sind zwar vorhanden, aber im Prinzip vollführt man immer dieselben Aktionen um zum Erfolg zu kommen. Vom technischen Standpunkt aus ist Spectrobes: Der Ursprung ebenfalls nur im Mittelmaß anzusiedeln. Der von Genki programmierte Titel strotzt nur so vor generischen Landschaftselementen, die sich konstant wiederholen und dem Game einen Teil der eigentlich recht mystischen Atmosphäre rauben. Die bestenfalls mittelprächtigen Animationen sowie das seelenlose Charakterdesign spricht ebenfalls nicht gerade für den Titel. Dass man das Spiel komplett Deutsch synchronisierte ist angesichts der jüngeren Zielgruppe sicherlich nachzuvollziehen. Schade ist nur, dass die Synchronsprecher ihren Job ziemlich lieblos erledigt haben. Dies führt zu teils lachhaft bis langweilig gesprochenen Sequenzen, die man zum Glück überspringen kann und die sich auf Grund der knappen Story ohnehin nur selten ins Spielgeschehen einmischen. Weiß man nun noch, dass man im Prinzip in der Regel von einem Ort zum nächsten geschickt wird und der Erkundungsfaktor somit gegen Null tendiert, könnte man meinen Spectrobes auf der Wii sei eine Enttäuschung. Das ist es jedoch nicht. Man muss sich allerdings darüber im Klaren sein, dass der Titel vom Konzept her auf eine jüngere Zielgruppe ausgerichtet ist.

Fazit

Spectrobes: Der Ursprung ist ein an sich gelungener Pokémon-Klon. Wer sich an der Ausrichtung auf eine jüngere Zielgruppe nicht stört und den simplen Plot, den linearen Spielverlauf sowie eine mittelprächtige Technik ertragen kann, wird mit dem Spiel seine Freude haben können. Der Zweispieler-Modus, der große Umfang, das Sammeln und Aufleveln der Spectrobes sowie das Freilegen der Fossilien sind nämlich absolut gelungen und machen Laune. Mangels Alternativen auf Nintendos weißer Kiste dürfen Liebhaber von Rollenspielen jedenfalls ein Auge riskieren.

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