Testbericht: Sengoku Basara: Samurai Heroes

Wer sich bisher im feudalen Japan mit einer Klinge bewaffnet durch Hundertschaften an Gegnern schlitzen wollte, griff in der Regel zu einem Titel der schier nicht enden wollenden Dynasty Warriors-Saga von Koei. Neben dem Ableger Sengoku Musou aus dem eigenen Hause versucht sich auch Capcom bereits seit einigen Jahren an einem ähnlichen Konzept. Während es unter dem Namen Sengoku Basara recht erfolgreich ist und der erste Teil davon unter dem Namen Devil’s Kings es auf der Playstation 2 sogar nach Europa schaffte, blieb der zweite Teil Spielern im Land der aufgehenden Sonne vorbehalten. Da aller guten Dinge bekanntlich drei sind, bringt Capcom nun den dritten Teil der Serie als Sengoku Basara: Samurai Heroes in den Westen. Wir haben für euch die Klinge geschwungen und verraten euch, wie viel Spaß das Gemetzel wirklich macht.

Geschichtsunterricht mal anders?

Wie in vergleichbaren Spielen, so verschlägt es den Spieler auch in Sengoku Basara: Samurai Heroes in die namensgebende Sengoku-Ära, die zeitlich gesehen zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert angesiedelt ist. Ihr habt die Wahl aus anfangs sechs verschiedenen Charakteren, mit denen ihr jeweils eine eigene Storyline und damit verbunden diverse Schlachten nachspielen dürft. Die Auswahl der Charaktere scheint anfangs etwas begrenzt, wird aber im Laufe der Zeit noch auf bis zu 16 Recken ausgeweitet, die nach und nach freigeschaltet werden. Allen Kämpfern sind dabei neben der eigenen Geschichte auch die unterschiedlichen Waffen und Attribute, was im Kampf selbst eine teils leicht andere Taktik notwendig macht. Wo Ieyasu Tokugawa beispielsweise eher den Grundkampfstil mit Faust und Fuß bevorzugt und daher sehr schnell unterwegs ist, braucht ihr mit Kanbe Kuroba mehr Zeit. Seine Hände sind an eine riesige Eisenkugel gefesselt, die natürlich nicht so einfach zu bewegen ist. Sobald er sie aber schleudert, richtet ihr in eurem Umkreis verheerenden Schaden an. Ein Meister der Combos ist dagegen der mit zwei Speeren bewaffnete Yukimura Sanada. Seine Klingen lassen die Gegner reihenweise Treffer erleiden und treiben euren Combozähler in die Höhe. Da seine Angriffe aber schwächer sind, müsst ihr auch mehr Treffer austeilen um erfolgreich zu sein.

Dies ist nur ein kleiner Einblick in die verschiedenen Charaktere und deren Eigenschaften. Nach erfolgreich absolvierten Schlachten wird zudem euer Fortschreiten sowie der Erfolg im zurück liegenden Gefecht belohnt. Ihr kassiert dafür nicht nur Erfahrungspunkte und steigt im Level, sonder erhaltet auch Bonusgegenstände wie neue Waffen und Extras sowie Material, mit dem ihr eure Ausrüstungsgegenstände verbessern könnt. Dies funktioniert auch gegen den Einsatz der Spielwährung „Zennys“, die ihr nicht nur nach dem Kampf, sondern auch schon während der Action in versteckten Kisten sowie durch lange Combos sammeln könnt. Die Heldengeschichte erlaubt dem Spieler dabei auch die Story des gewählten Charakters in vielen verschiedenen Videos vor, während und nach den Schlachten mitzuerleben. Auf einer Landkarte wählt ihr übrigens euren Fortschritt selbst aus und beeinflusst durch erfolgreich absolvierte Schlachten das Geschehen. In den Schlachten selbst ist natürlich in erst einmal Action angesagt. Hierfür wird in erster Linie der A-Button der Wiimote, bzw. wahlweise der Y-Buttons des Classic Controllers malträtiert, als gäbe es kein Morgen mehr. Je nach Charakter wird so eine Serie an Angriffen generiert, mit der ihr euch problemlos durch die generischen Scharen an Kontrahenten schlitzen könnt, die sich euch in den Weg stellen. Ab und zu werdet ihr mit Projektilen befeuert, Hauptmänner der Armeen sowie Zwischengegner stellen sich euch ebenfalls in den Weg. Aus dem Sprung heraus vollführt ihr ebenfalls Attacken, der B-Button sowie die Kombination aus A, B und Z sorgen für einen überragenden Angriff, den man hoch stufen kann. Mit dem C-Button werden Attacken geblockt, wobei man dies in der Regel lediglich bei Bosskämpfen benötigt. Der Minus-Knopf aktiviert den extrem starken Heldenangriff und sobald die Basara-Anzeige gefüllt ist, darf man durch Schwingen der Wii Remote eine Art Bullet Time auslösen, während der man verheerenden Schaden anrichten kann und die sich somit ebenfalls gut für ein Duell gegen einen Obermotz eignet.

Die Laufwege durch die Szenarien sind in Samurai Heroes recht einfach gehalten und im Gegensatz zur Konkurrenz aus dem Hause Koei verändern sich die vorgegebenen Ziele nicht im Laufe der Schlachten, so dass das Spielgeschehen etwas übersichtlicher und auch für Einsteiger freundlicher abläuft. Kritik geübt werden darf dagegen allerdings am unausgegorenen Schwierigkeitsgrad. Gerade in den ersten Stufen eures charakterlichen Lebens kann es gut vorkommen, dass ihr euch zwar ohne Probleme durch die feindlichen Armeen schlitzt, aber nach etlichen Minuten des Gemetzel beim Endboss angekommen im finalen Duell kläglich ins Gras beißt. Wer sich denkt, dass er dann einfach einen neuen Versuch startet und dem Widersacher ordentlich über die Rübe brät, hat sich geschnitten. Die Schlacht muss nämlich im Falle eure Ablebens immer wieder komplett von vorne begonnen werden. Speicher- oder Rücksetzpunkte gibt es in Samurai Heroes nicht, was vor allem bei Anfängern für Frust sorgen wird. Hat man sich dagegen einmal einige Level Ups einverleibt und die Kraftleiste ordentlich in die Höhe getrieben, stellen auch die Endbosse meist kein Problem mehr dar. Die leicht repetitiv wirkenden Levels machen sich dann leider negativ bemerkbar, da sich die Aufgaben von Schlacht zu Schlacht wiederholen. Immerhin hat man einige nette Ideen mit ins Spiel eingebracht und hebt es somit dennoch wohltuend von der Konkurrenz ab. Je nach gewähltem Charakter habt ihr beispielsweise mit Fallen in den einzelnen Szenarien zu kämpfen. Dies können Stolperdrähte sein, die einen Speerhagel auf euch nieder gehen lassen oder aber im Boden versteckte Pfeiler, die euch kurzzeitig wie in einem Käfig festhalten. Gut gelungen sind auch die teils vorkommenden Schwertduelle mit einem feindlichen Anführer. Hierbei müsst ihr durch das schnelle Drücken des A-Buttons das Schwertduell für euch entscheiden und habt nach einem Sieg kurzzeitig einen betäubten Widersacher vor euch, den ihr ordentlich vermöbeln könnt. Wer zudem auf der Karte nach feindlichen Lagern Ausschaut hält und diese einnimmt, kann sich deren Sonderboni wie die Erhöhung eures Angriffs oder eurer Verteidigung zunutze machen.

Möchte man sich nicht alleine durch die Szenarien schlitzen, darf man auch einen zweiten Spieler mit vor die Konsole holen und zur Wiimote greifen lassen. Der Bildschirm wird dabei horizontal geteilt, was für eine etwas eingeschränkte Sicht sorgt. Sollte einer der beiden Spieler KO gehen, regeneriert sich seine Kraftleiste langsam wieder und er kommt nach gewisser Zeit zurück ins Spiel. Während dieser Zeit zeigt ein Hilfesymbol auf der Karte den Ort des zu Boden gegangenen Spielers an. Der andere Spieler kann dorthin eilen und die Zeit bis zur Wiederauferstehung verkürzen. Neben geteilten Erfahrungspunkten behält jeder Spieler die von ihm gesammelten Gegenstände. Ihr müsst dafür aber mit mehr Gegnern und schwereren Endbossen kämpfen.

Ich glaub ich sehe nicht richtig!

Grafische Wunderwerke erwartet man auf Nintendos Wii von keinem Titel, der unzählige Gegner gleichzeitig auf den Screen bringen möchte. So ist das auch bei Samurai Heroes. Dennoch war ich recht überrascht davon, wie bunt und abwechslungsreich die einzelnen Szenarien im Spiel auf uns warten. Der Detailgrad der Umgebung ist zwar nicht sonderlich hoch, aber städtisches Ambiente, Tempelanlagen, Berge, Täler, Hügel, Burgen, Festungen – irgendwie kommt mir der Titel abwechslungsreicher in seiner Gestaltung vor als das kürzlich über Nintendo vertriebene Samurai Warriors aus dem Hause Koei. Die Hauptcharaktere selbst sind ansprechend modelliert und authentisch animiert. Bei den Gegnern hätte man sich aber ruhig mehr Mühe geben können. Hier musste aber wohl wegen der vielen Figuren auf dem Bildschirm Abstriche bei deren Optik gemacht werden. Immerhin läuft das Spielgeschehen aber zu jeder Zeit flüssig ab. Ruckler oder Einbrüche in der Framerate musste ich nicht beklagen. Die Bossgegner weisen ebenfalls ein ordentliches Design auf und wissen zu gefallen. Da sie teils zu euren Verbündeten werden und mit euch Seite an Seite kämpfen, erfreut das somit durchaus im Laufe des Spiels weiterhin euer Auge. Etwas verwundert war ich über einige der Gegnertypen, die nicht so recht in die vorgegebene Zeit passen wollen, in denen der Titel spielt. Kettensägenarme und Gatling-Guns sind zwar in keinster Weise authentisch, sorgen aber dafür für mehr Action auf dem Screen und verleihen dem Game einen leicht exotischen Touch, da man sich eben nicht strikt an geschichtliche Gegebenheiten hält. Abgerundet wird der technisch passable Eindruck durch die guten Videosequenzen sowie die Unterstützung des 60 Hz- sowie 480p-Modus.

Der Sound dagegen kann hier nicht ganz mithalten. Ein Lob verdient zwar die Sprachausgabe, selbst wenn sie nur auf Englisch verfügbar ist. Dennoch ist sie authentisch und unterstützt auch während der Schlachten die Atmosphäre. Die Untertitel sind auf Deutsch zu lesen, allerdings nicht frei von Übersetzungsfehlern. Es ist aber durchaus witzig, wenn man einen Hauptmann gerade „zernichtet“ hat. Man wird doch wohl nicht auch gleich den nächsten Obermotz „verstören“ wollen? Aber zurück zum Sound. Hier sticht vor allem der Titelsong Naked Arms heraus, feinster Japano-Pop-Metal mit dem ganz besonderen Etwas und einfach so schräg, dass es schon wieder gut ist. Die Hintergrundmusik während der Schlachten ist eher dezent und geht schnell unter. Das gilt auch für die Soundeffekt, die über den Durchschnitt nicht hinauskommen und keine Besonderheiten bieten.

Fazit

Sengoku Basara: Samurai Heroes ist, wie man es erwarten könnte, ein sehr spezielles Spiel, das sicher nicht die breite Masse anspricht. Wer sich am teils frustrierenden Schwierigkeitsgrad ohne Rücksetzpunkte gerade zu Beginn nicht stört und auf der Suche nach einem passenden Hack’n’Slay ist, macht mit dem Titel jedoch nicht viel verkehrt. Im direkten Vergleich mit den etablierten Serien Dynasty Warriors sowie Sengoku Musou (Samurai Warriors) fällt auf, dass bei Capcoms Japano-Gemetzel die Feinheiten eher im Detail liegen. Wem ein Titel dieser Art reicht und wer Samurai Warriors bereits im Regal hat, muss hier nicht erneut zugreifen. Dank mehr Abwechslung bei den einzelnen Charakteren sowie einigen netten Ideen würde ich allerdings, sofern man die Wahl hat, Capcoms Ausflug ins alte Japan knapp den Vorzug geben.

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