Testbericht: Schlag den Raab

Bereits seit 2006 fordert Stefan Raab in regelmäßigen Abständen zum Duell. Mit der erfolgreichen Samstagabend-Spielshow „Schlag den Raab“ auf Pro Sieben fesselt das Multitalent jedes Mal unzählige Zuschauer vor den Fernseher. Sechs Mal pro Jahr hat je ein Kandidat die Chance, in bis zu 15 einfach gestrickten aber trotzdem spannenden Spielen, den Entertainer zu schlagen. Moment mal… einfach gestrickte Spiele die unterhaltsam sind? An was denkt der gemeine Wii-Spieler da sofort? Richtig, an (qualitativ mehr oder weniger hochwertige) Minispiele! Eine gute Grundlage bietet die TV-Sendung also schon mal, bleibt nur die Frage, ob die Konsolenversion genauso unterhaltsam ist wie das Original oder ob auf die Entwicklerfirma eher das Motto „Blamieren und (trotzdem) Kassieren“ zutrifft.

Holt euch den Jackpot!

Es fängt schon mal verdächtig gewöhnlich an: Ihr habt die Wahl zwischen drei verschieden Modi, welche aus dem Show- und Party-Modus sowie der Minispiel-Arena bestehen. Ähnlich wie beim echten Vorbild verläuft der Show-Modus. Hier werden bis zu 15 Spiele per Zufallsprinzip ausgewählt und am Ende winkt der Jackpot. Dieser beginnt bei 500.000 Euro und erhöht sich jedes Mal wenn ihr gegen Raab verlieren solltet, um eine virtuelle halbe Million. Also kein Grund zur Panik, solltet ihr Stefan nicht gleich besiegen, denn das Geld ist früher oder später sowieso eures. Leider schon mal ein erster Minuspunkt da diese Tatsache dafür sorgt, dass die Spannung im Einzelspielermodus relativ gering ausfällt.
Interessanter wird es, wenn ihr gegen einen eurer Freunde spielt. Dann winken dem Gewinner allerdings nur 500.000 Euro, die Summe aus dem Jackpot könnt ihr nur alleine erspielen.

Möchtet ihr gegen mehr als einen eurer Kumpel antreten, ist der Party-Modus die richtige Wahl. Dieser läuft im Grunde genauso ab wie die Show-Variante. Der Unterschied besteht lediglich darin, dass ihr nicht um den Jackpot spielt – hauptsächlich wird um Punkte gekämpft. Wer die meisten erzielt, geht als Sieger aus dem Rennen und bekommt für jedes gewonnene Minispiel 10.000 Euro auf sein Konto gutgeschrieben.
Die Auswahl der zu spielenden Games erfolgt auch hier wieder durch den Zufallsgenerator. Sagt euch ein Spiel überhaupt nicht zu, so könnt ihr es vor Beginn abwählen und es scheidet aus dem Pool aus.

Bleibt noch kurz die Minispiel-Arena zu erklären: Hier entscheidet ihr selbst in welchen Minispielen ihr euch messen wollt. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass diese freigeschaltet sind. Mit bis zu vier Spielern kämpft man um möglichst viele Punkte – Geld gibt es keines zu gewinnen.

Habt ihr eine Variante gewählt müsst ihr euch einen der sechs vorgegebenen Kandidaten aussuchen. Jede Person wird kurz von Matthias Opdenhövel vorgestellt und ihr könnt dann, ganz ohne Telefonvoting, entscheiden wer antreten darf. Unterschiedliche Fähigkeiten die sich im Spiel bemerkbar machen könnten besitzen die Figuren nicht. Außerdem lassen sie sich weder anpassen noch gibt es eine Möglichkeit mit seinem eigenen Mii zu spielen.

Schlag den Raab – wenn du kannst!

In den 21 unterschiedlichen Minispielen müsst ihr euer Allgemeinwissen genauso unter Beweis stellen wie Reaktionsfähigkeit. Wer dann noch das nötige Quäntchen Glück mitbringt, hat gute Chancen den ehemaligen Metzger zu schlagen. Ein paar der typischen Herausforderungen kurz erklärt:
Beim Spiel „Flaggen“ sollt ihr zeigen wie gut ihr die bunten Fahnen der einzelnen Länder kennt. Der Mitspieler, der am schnellsten auf den A-Knopf der Wiimote „buzzert“, muss sich für eine der vier vorgegebenen Antwortmöglichkeiten entscheiden und bekommt bei korrekter Antwort einen Punkt.
Geografiekenntnisse sind bei „Wo liegt was“ gefragt: Es wird ein Ort oder Land gesucht, welches auf einer Weltkarte möglichst genau mit der Fernbedienung markiert werden muss. Wer am genausten tippt bekommt den Punkt.
Natürlich darf auch der Klassiker „Blamieren oder Kassieren“ nicht unerwähnt bleiben. Fragen aus allen möglichen Bereichen gilt es hier möglichst schnell zu beantworten.

Die Bewegungssteuerung der Wiimote kommt dann bei Spielen wie „Pömpel werfen“ oder „Minigolf“ zum Einsatz. Wer schon einmal eine Kuh in einem TV-Studio melken wollte, hat jetzt endlich die Gelegenheit dazu. Durch Neigen der Wiimote von links nach rechts wird das Tier gemolken. Gewonnen hat dann, wer nach Ablauf der Zeit die größere Menge Milch in seinem Eimer vorweisen kann.

Durch Schütteln des Controllers werden die Würfel beim gleichnamigen Spiel gemischt. Ziel ist es, als erster 50 Punkte zu erreichen. Es wird abwechselnd gespielt und jeder darf selbst entscheiden wann er aufhört zu würfeln und damit seine Punkte sichert. Würfelt man allerdings eine sechs, gehen die Punkte der aktuellen Runde verloren.

Ganz nach dem echten Vorbild

Die Regeln entsprechen größtenteils dem Original. Die Spielregeln sowie die Steuerung werden aber trotzdem vor Beginn eines Spiels erklärt. In einem Probespiel kann man ein wenig vorab üben. Die Punktevergabe ist je nach Spiel unterschiedlich: mal bekommt man doppelte Punkte wenn der Gegner falsch antwortet und man selbst die richtige Lösung weiß, mal scheidet derjenige aus, der am ehesten vier falsche Antworten gegeben hat.
Auch die Punkteverteilung nach jedem Spiel variiert und ist dem reellen Vorbild angeglichen. So steigern sich die zu erspielenden Punkte von Runde zu Runde.

Im Großen und Ganzen sind die Spiele allesamt ordentlich umgesetzt. Die Steuerung kommt ohne Nunchuk aus und besteht lediglich aus der Wiimote. Diese hakt zwar manchmal ein bisschen, wenn es z. B. bei „Wo liegt was?“ auf Präzision ankommt, funktioniert ansonsten aber tadellos. Für Quizfreunde bietet der Fragenkatalog mit seinen 2.000 Fragen auch so einiges. Trotzdem stößt man bereits nach nicht allzu langer Zeit auf die immer wieder selben Fragen.
Da kann auch das spärlich ausgefallene Bonussystem nicht für Langzeitspaß sorgen. Durch dieses ist es möglich, seinen erspielten Reichtum in zwei neue Minispiele, eine weitere Schwierigkeitsstufe oder zusätzliche Kandidaten einzutauschen.

Ebenso an Reiz verliert Schlag den Raab, wenn Vielspieler gegen Gelegenheitsspieler antreten. Gerade bei Spielen wie „Was ist das?“, bei dem ihr verpixelte Bilder erraten müsst, erkennt man das Bild nach ein paar Mal spielen sofort.

Nicht nur die Regeln, auch das Design und der Sound gleichen dem Original. So findet man sich im bekannten Kölner TV-Studio mit der großen Treppe und den beiden „heißen“ Quiz-Stühlen wieder. Was für ein Glück, dass das Studio so spärlich beleuchtet ist und das Publikum im Dunklen sitzt. Grafisch wird nämlich nur das Nötigste geboten: Kantige Figuren ohne viel Dynamik und wenigen Details trüben den Spielspaß immens.

Gelungener sind hingegen die Kommentare, welche von Matthias Opdenhövel persönlich gesprochen werden. So geht er des öfteren namentlich auf die Kandidaten ein und sorgt für die passende Sprüche. Elton kommt typischerweise bei „Blamieren oder Kassieren“ beim Vorlesen der Fragen zum Einsatz. Stefan Raab fehlte aber wohl die Zeit, denn von ihm bekommt man neben einem einzigen Satz immer die selben „Laute“ zu hören.

Fazit:

Ein bekannter Name reicht einfach nicht aus um ein unterhaltsames Game zu schaffen, denn Golfen und Würfeln auf der Wii kennen wir bereits zur Genüge. Optisch auch nur das Nötigste geboten und die Steuerung lässt bei manchen Minispielen ein wenig zu wünschen übrig.
Das soll jedoch nicht heißen, dass Schlag den Raab ein totaler Flop ist, denn die Mischung aus Quiz und „Action“ ist jedenfalls gut gelungen. Gerade mit Freunden lässt sich das eine oder andere nette Match austragen. Wer hier langfristigen Spielspaß erwartet wird wohl enttäuscht werden, denn Vieles wiederholt sich bereits nach kurzer Zeit.
Die passenden Kommentare des Herrn Opdenhövel, sowie die bekannten Sounds aus der Sendung werten das Spiel auf und lassen ein wenig echte Schlag den Raab-Atmosphäre entstehen.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Es gibt nicht viel Neues an der Minispielfront, wer jedoch ein paar kurze Spielchen in Schag den Raab-Manier zu Hause spielen möchte, darf zuschlagen.

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