Testbericht: Pool Party

Ein realistisches und atmosphärisches Billarderlebnis verspricht Publisher South Peak Games dem Käufer von „Pool Party“ und legt als Extra noch einen weißen Plastikqueue mit oben drauf. Ob man in Zukunft den steigenden Bierpreisen in verrauchten Eckkneipen aus dem Weg gehen kann und sich vor der heimischen Konsole zum Billardspielen trifft, haben wir für euch getestet.

An die Tische, fertig, los!

Der erste Eindruck des Titels kann kaum überzeugen, denn sowohl die wenig motiviert drein blickenden Jungs auf dem Cover als auch die uninspirierte Gestaltung von Menüs sowie Ladebildschirmen hinterlassen einen billigen Eindruck. Alleine der Umfang der Spielmodi kann zumindest auf dem Papier überzeugen. Denn insgesamt 13 Varianten von 8-Ball-Pool, über Snooker bis hin zu einem Spiel Namens „Killer“ warten auf den Spieler im Single- und Mehrspielermodus.
Alle Modi sind von Beginn an verfügbar, wobei sich weitere Tische, Charaktere, Kugeln, Queues und Musikstücke frei spielen lassen. Da sich die Tische und Kugeln außer im Aussehen in absolut gar nichts unterscheiden, hält sich die Motivation zum Freispielen stark in Grenzen.

Wir Beginnen unseren Test mit einer Partie 8-Ball-Pool im Mehrspielermodus und werden leider nicht überrascht. Sowohl die Tische selbst, als auch Umgebungen, Kugeln und Queues sehen mehr als bescheiden aus und die Ladezeiten entpuppen sich als unverhältnismäßig lang. Vor allem in der Vogelperspektive erinnert das Spiel stark an die kostenlosen Billard-Browsergames im Internet, denn realitätsnahe Schattenwürfe oder Texturen sucht man vergeblich. Da darüber hinaus noch große Probleme mit den Kollisionsabfragen zwischen Kugeln und Bande, so wie teilweise haarsträubende Fehler in der Physik bestehen, fragt man sich auf was die Entwickler eigentlich ihren Fokus gelegt haben. Vielleicht auf die Steuerung?

Warum in die Ferne schweifen …

… wenn das Gute liegt so nah? Nicht zum ersten Mal stellen wir uns diese Frage wenn wir die offensichtlich sinnvollste Steuerung mit dem Vergleichen, was nach Monaten der Entwicklung im finalen Produkt präsentiert wird.
Eigentlich hat Nintendo in Sachen Steuerung für ein Billardspiel bereits mit Wii Play alles richtig gemacht. Trotzdem hat man sich bei der Entwicklung von Pool Party dafür entschieden z.B. die Pointerfunktion der Wii-Remote völlig zu ignorieren. So legt man den Anspielpunkt der weißen Kugel mit Hilfe des Analogstick bzw. des D-Pad fest, was in beiden Fällen nicht zufrieden stellend funktioniert. Und so hat man nur die Wahl zwischen träge und zu feinfühlig. Noch schlimmer wird es allerdings beim Stoßen, denn das führt man durch eine Vorwärtsbewegung der Wiimote aus. Verwunderlich ist es allerdings, dass man die Stoßstärke vorher mit Hilfe des Analogstick festlegt und nicht etwa durch die Stoßbewegung selber, das wäre ja auch zu offensichtlich gewesen… Erschwerend kommt noch hinzu, dass nur etwa jede fünfte Bewegung auch als solche erkannt wird, womit jeder Stoßversuch in wildem Gefuchtel ausartet. Keine Spur von Geschicklichkeit und Präzision. Das man mit Hilfe des C-Knopfes noch zwischen verschiedenen Blickwinkeln hin und her wechseln kann und dies sogar anstandslos funktioniert, ist in diesem Kontext durchaus eine Erwähnung wert.
Allem Überfluss wurde der Packung zudem ein Zubehör namens „Wonder Stick“ beigefügt, welcher einen zusammenschraubbaren Plastikqueue als Aufsatz für die Wii-Remote darstellt. Bereits der Hersteller Logic3 brachte einen solchen Aufsatz heraus, welcher in unserem Test damals wegen der Unterbrechung der Pointerfunktion schlecht abschnitt. Der „Wonder Stick“ ist hier besser gelungen, jedoch nur, wenn man den Griff um eine Umdrehung weniger anschraubt, als eigentlich gedacht. Aber da das Spiel selbst kaum besonderen Gebrauch der Bewegungssensitiven Steuerung macht, ist der „Wonder Stick“ im Grunde nur störendes Beiwerk. Wer ernsthaft spielen möchte, der legt das Stück Plastik schnell wieder beiseite.

Grafik und Physik

Dass ein Billardtisch lediglich aus einem Holzrahmen mit grünem Filz besteht ist bekannt, aber das man deswegen auf jegliche Texturen verzichten muss ist ein Irrglaube. In Pool Party jedenfalls besteht der Filz aus einer einfarbigen Farbfläche und die Texturen des Holrahmens oder des umgebenden Raumes sind sehr gering aufgelöst. Auch wenn bei einem solchen Spiel der Fokus nicht auf der Grafik liegt so hätte man sich doch etwas mehr Mühe geben dürfen. Auch in Sachen Umgebungsgestaltung zeigen die Entwickler wenig Inspiration, egal in welchem Ambiente sich der Tisch befindet.
Schwerer wiegt allerdings die Tatsache, dass die Kugeln gerne mal über den Rand hinaus laufen bevor sie wie von Geisterhand doch noch in die entgegen gesetzte Richtung abprallen, oder nach einer Kollision einfach abrupt liegen bleiben. Hier leidet der Realismus erheblich und der Spielspaß, der sich aufgrund der schwachen grafischen Präsentation eh kaum einstellen will, weicht schnell Frustration.

Musikalische Folter in Dauerschleife

Was auf visueller Ebene angefangen hat, setzt sich im Audiobereich konsequent fort. Zwar hat der Spieler die Möglichkeit sich aus 32 Musikstücken seinen Lieblingstrack heraus zu suchen, doch keines der angebotenen Lieder kann wirklich überzeugen. Von A-Cappella Jack Johnson-Verschnitten in MIDI-Qualität und dem Revival zu recht vergessener Musikrichtungen wie Eurodance ist alles dabei, und alles ist ähnlich nervig. Insbesondere die Tatsache, dass sich das gewählte Musikstück im Laufe einer Partie mehrfach wiederholt fällt negativ auf. Da man auch die Kollisionsgeräusche der Kugeln nicht wirklich vermissen wird ist die beste Möglichkeit sich der Qual zu entziehen, den Ton einfach abzuschalten.
Ein besonderes Highlight ist die Musik mit der man bei Pool Party den Siegerbildschirm hinterlegt hat. Wer schon mal versucht hat eine Daten-CD in einem CD-Player abzuspielen weiß wie es sich ungefähr anhört. Wer nicht, sollte das unbedingt einmal ausprobieren.

Fazit

Um es auf einen Nenner zu bringen: Pool Party ist eines der schlechtesten Spiele, welches ich je für die Wii testen musste – und ja, ich sage absichtlich „musste“. Technisch ist der Titel so schwach, dass man besonders in der Vogelperspektive meinen könnte ein Internet-Browsergame vor sich zu haben und die Musik darf kaum als solche bezeichnet werden.
Wenn man dann noch die fehlerhafte Physik mit einbezieht, kann man den Titel nicht einmal eingefleischten Billardfans guten Gewissens empfehlen. Lediglich der Mehrspielermodus kann für eine Hand voll Partien Freude bereiten, was aber einen Kauf nicht rechtfertigt. Finger weg!

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