Testbericht: PES 2010 – Pro Evolution Soccer

Statt der zwölf-monatigen Entwicklungszeit präsentiert uns Konami den Nachfolgetitel von „PES 2009 – Pro Evolution Soccer“ mit der Änderung „2010“ im Titel bereits nach acht Monaten. Ob Konami es in dieser Zeit geschafft hat merkliche Veränderungen im Vergleich zum Vorgänger zu implementieren und ob sich der Umstieg von „PES 2009“ zu „PES 2010“ lohnt erfahrt Ihr unserem Testbericht.

Alles beim Alten?

Zu dieser berechtigten Frage kommt es schnell, denn Änderungen finden sich hier nur im Detail. Denn grafisch hat sich bei PES 2010 – Pro Evolution Soccer kaum etwas verändert, mal abgesehen von den etwas besser animierten Spielermodellen. Beim Sound hat sich auch nichts getan, hier kommentieren wieder Wolf Fuss und Hansi Küpper und die Anfeuerungen der Fans sind ebenfalls geblieben. Bei der Steuerung ist ebenfalls alles beim Alten geblieben: Wii-Remote mit Nunchuk, Wii-Remote seitlich oder der Classic-Controller erlauben die gewohnte Vielfalt an Steuerungs- und Beeinflussungsmöglichkeiten der Spieler und des Spiels selbst. Für Besitzer von PES 2009 – Pro Evolution Soccer ändert sich bis hierhin also kaum etwas. An dieser Stelle kann ich allen Lesern, die sich über die Steuerungsvarianten und weitere Eckpunkte des Spiels informieren möchten, den Testbericht von Kollege Andreas Abb zu PES 2009 – Pro Evolution Soccer empfehlen. Aufgrund der wenigen Neuerungen im Spiel, wird der Umfang der Erläuterungen zu diesen Themen im Folgenden geringer ausfallen.

Bewährtes plus X

Bei Konami wird also auf altbewährtes gesetzt und es wird mit der „UEFA Champions-League-Lizenz“ einen neuen Tournier-Modus, das Spielelement „Ausdauer“ und eine überarbeitete Freistoßsteuerung neu mit aufgenommen. Wie dem Ein oder Anderen aus den Medien bekannt sein dürfte spielt man innerhalb der Champions-League mit dem Verein seiner Wahl um die Krone im europäischen Fußball. Lizenzbedingt stehen hier die Mannschaften aus insgesamt fünf Ligen zur Wahl bereit. Neben England sind Frankreich, Spanien, Italien und Holland vertreten. Allerdings sind nicht alle Mannschaften der Ligen lizenziert. So fehlen in der englischen „Premier-League“ z.B. die Mannschaften von „Chelsea“ oder „Arsenal London“. Die Teams der Bundesliga sucht man übrigens vergebens. Hier hat bereits „EA“ die Lizenz für die „FIFA-Reihe“ abgegriffen. Dafür kann aus einem Pool von unterschiedlichen Mannschaften gewählt werden und im bekannten Editor die Spielernamen, Trikots und Wappen bearbeitet werden. Daneben sind die Nationalmannschaften aller „großen“ Fußballnationen vertreten, somit auch die der Deutschen. Ebenfalls neu ist die Teamerstellung mit „Mii-Avataren“. Hier dürfen in der Meisterliga für spezielle Aktionen Punkte gesammelt werden, wie „20 erfolgreiche Pässe“ oder „300 Meter Dribbling“. Diese Punkte können dann in mehrere unterschiedliche Fähigkeiten wie z.B. „Manndeckung“ oder „Flügelspiel“ investiert werden. Sodass man die „Mii-Spieler“ bis zum „5-Sterne-Star“ weiterentwickeln kann. Neben der Möglichkeit in der „Champions-League“ zu spielen und der „Miis“ sind somit zwei bekannte Modi im neuen Gewand hinzugekommen.

Das neue Element der „Ausdauer“ macht das Spiel, im Vergleich zum Vorgänger, etwas langsamer. Dafür gibt es aber einen Zugewinn an Realismus und taktischer Tiefe. Mit dieser Neuerung gilt es also den Sprint und die doppelte Manndeckung mit Bedacht einzusetzen. Wie angesprochen wirkt das Spiel dadurch Einerseits langsamer, Andererseits kommt dies dem Spielprinzip zu Gute. Denn dadurch wird Neulingen ein Einstieg in die ungewohnte Steuerung erleichtert und das Spielfeld bleibt noch einigermaßen überschaubar, wenn ein Mitspieler mit seiner Wii-Fernbedienung Pfeile und Pointer kurzzeitig hinterlässt. Es bleibt eben ein wenig Zeit mehr sich auf die eigenen Aktionen zu konzentrieren, als noch beim Vorgänger. Um nicht den Überblick über die verbleibende Ausdauer seiner Spieler zu verlieren reicht ein Blick auf den neuen Balken unterhalb der Spielernamen. Ist die Ausdauer fasst erschöpft verhält sich der Spieler in Zweikämpfen entsprechend schwach. Das abluchsen von Bällen klappt seltener und er verliert die Bälle auch schneller an den Gegner. Dies führt dazu, dass die Beherrschung der Steuerung an Bedeutung gewinnt. Um die Ausdauer der Spieler zu schonen gilt es Doppelpässe, schnelle Zuspiele oder clevere Flanken in die Spitze zu spielen. Ansonsten wird es schwierig Tore zu erzielen. Zu Übungszwecken bietet es sich an in das Trainingslager bzw. in das freie Training zu wechseln. Hier werden alle wichtigen Spielzüge und deren Steuerung Schritt für Schritt erklärt, mit anschließendem Abschlusstraining. Hilfestellungen werden in den Kategorien „Angriff“, „Verteidigung“ und „Allgemein“ angeboten. Diese Möglichkeit hat uns gut gefallen, allerdings gab es hier und dort noch Ergänzungen des „Trainers“, der durch das Tutorial führt, die nicht im Spiel selbst gezeigt wurden. Hier musste man sich an das übersichtliche und umfangreiche Handbuch wenden. Ein anderer Aspekt, der hingegen negativ in die Bewertung aufgenommen wird, ist das Testverfahren in den einzelnen Abschlusstests. Einige konnten auf Anhieb bestanden und auch reproduziert werden. Andere haben uns dafür fast zur Verzweiflung gebracht. Das Spiel scheint Aktionen äußerst genau zu registrieren und bei kleineren Abweichungen einen „Fehler“ zu registrieren. Daher ist es uns teilweise schwer gefallen die Aktionen wie gefordert auszuführen und eine Reproduktion der Aktionen ist uns praktisch nicht gelungen.

Durch drehen der Remote können direkte Freistöße jetzt auch angeschnitten werden. So ist es möglich den Ball um die Mauer herum aufs Tor zu zirkeln. Wurde ein Schütze gewählt, der einen so genannten Flatterball beherrscht, erscheint der rote Pfeil (der die Flugrichtung anzeigt) in Regenbogenfarben. Bei Einsatz dieser Technik ändert der Ball einige Meter vor dem Tor seine Flugrichtung und erschwert es dem Torwart zusätzlich den Ball zu halten. Wenn man die überarbeitet Freistoßsteuerung gekonnt einsetzt so wird der Torwart häufiger überwunden, als noch beim Vorgänger. Auf der anderen Seite darf der menschliche Spieler seinen Torwart entsprechend positionieren. Die Position der Mauer wird hingegen vom Computer bestimmt. Ein weiterer Grund, warum der Torwart nun häufiger hinter sich greifen wird, ist auch die erhöhte Effizienz bei Fernschüssen, durch das Schütteln des Nunchuk.

(Mehr)Spieler und Steuerung

Wie beschrieben lässt sich das Spiel mit drei unterschiedlichen Steuerungsvarianten bedienen. Konami spricht hier vom „Playmaker-Stil“ (Remote mit Nunchuk), vom „Traditionellen-Stil“ (Remote seitlich oder Classic-Controller) und „Gemeinsamer-Stil“ (mehrere Spieler verwenden verschiedene Steuerungsmethoden). Der erstgenannte Stil erlaubt dem Spieler ein Maximum an Einfluss auf seine Spieler. So können z.B. Laufwege vorgegeben werden, präzise Pässe gespielt und die genaue Schussrichtung festgelegt werden. Der Traditionelle-Stil erlaubt immer nur die Kontrolle des gerade gewählten Spielers, mit allem was dazugehört. Beim Gemeinsamen-Stil muss mindestens ein Spieler den traditionellen Stil wählen, während ein anderer Spieler den Playmaker-Stil wählen muss. Beim Traditionellen- und Gemeinsamen-Stil können bis zu vier Spieler teilnehmen. Beim Playmaker-Stil kann hingegen nur ein Spieler teilnehmen. Daher ist es nicht möglich gemeinsam eine Meisterschaft oder Champion-League zu bestreiten, es sei denn der Mitspieler wählt einen anderen Stil. In diesem Zusammenhang ist es uns unverständlich, dass es nicht möglich ist seine Freundin / seinen Freund während einer Partie einsteigen zu lassen. Auch das es unmöglich ist mit unterschiedlichen Steuerungsvarianten gegeneinander anzutreten, ist altmodisch und fällt negativ zu Buche. Hier hat Konami es zum wiederholten Male versäumt uns zeitgemäße Einstellungs- und Steuerungsmöglichkeiten zu bieten. Darüber hinaus sind dies Dinge die durch ein relativ einfaches Download-Upgrade implementiert werden könnten. Konami hat das Spielen übers Internet übrigens nicht angetastet. Die genannten Probleme bei der Steuerung wirken sich leider auch auf diesen Modus aus.

Fazit

Neuerungen wie die Ausdauer oder Freistoßoptimierung sind nett und machen durchaus Laune. Fallen aber bei der Gesamtbetrachtung von Preis/Leistung recht dünn aus und sorgen kaum für ein merklich neuartiges oder verbessertes Spielgefühl. Erschwerend kommt hinzu, dass die angesprochenen Einstellungs- und Steuerungsmöglichkeiten recht altbackend sind. Auch grafisch- und soundtechnisch tritt das Spiel leider auf der Stelle, zwei Kamera-Perspektiven und hässlich anzusehende Pixel-Fans sind unterm Strich einfach zu wenig. Für den Ein oder Andern könnte noch die Champions-League-Lizenz ein Kaufanreiz darstellen. Leider fällt in diesem Zusammenhang die nicht vorhandene Bundesliga-Lizenz wieder negativ auf. Schlussendlich kann man sagen, dass das Ein oder Andere beim aktuellen Wii-Kicker von Konami verbessert wurde. Jedoch sind dies leider Dinge die weder in Qualität noch in Quantität einen Kaufgrund für PES 2009- Besitzer darstellen. Für alle Neueinsteiger, die schon immer mal die taktische und umfangreichste Kontrolle über ihr Team im Spiel haben wollten und die intuitive Steuerung per Remote ausprobieren wollten, können mit PES 2010 – Pro Evolution Soccer nichts falsch machen. Der kleine Punktabzug im Vergleich zum Vorgänger erfolgt, da wir den Eindruck gewonnen haben, dass Konami mit PES 2010 – Pro Evolution Soccer eher einen Schritt nach Vorne und dafür aber eineinhalb nach Hinten gemacht hat. Hier hätten sich die Entwickler vielleicht etwas mehr Zeit nehmen sollen, um dem Spiel einen Geist von spür- und erlebbaren Änderungen zu verleihen.

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