Testbericht: Neopets Puzzle Adventure

Als mit „Puzzle Quest: Challenge of the Warlords“ im letzten Jahr eine faszinierende Mischung aus Puzzle und Rollenspiel seine Umsetzung auf Nintendos Wii fand, konnte das Game trotz technischer Schwächen größtenteils gute Wertungen einfahren. Seitens der Entwickler von Infinite Interactive legt man mit „Neopets Puzzle Adventure“ nun ein neues Game nach, welches dieselben beiden Genres verbindet wie einst „Puzzle Quest“. Ob das gelungene Konzept ein zweites Mal aufgeht? Wir haben es für euch herausgefunden.

Pokemon-Puzzle?

Wer mit den Neopets bisher noch nichts anfangen konnte, ist sicherlich dem Grundschulalter bereits entwachsen und weiß daher nicht, dass es sich um eine 1999 ins Leben gerufene Marke handelt, die 2005 von den MTV Networks übernommen wurde. Die Neopets sind dabei virtuelle Haustiere die täglich gefüttert, trainiert und in Kampfarenen aufeinander los gelassen werden. Die so verdienten Neopunkte lassen sich dann in Gegenstände und Accessoires, nicht nur für das eigene Neopet, sondern sogar für sein privates Neoheim eintauschen. Die Ähnlichkeit zu Nintendos erfolgreichem Pokémon-Franchise ist also durchaus gegeben und die offizielle Angabe von weltweit über 243 Millionen Nutzern der Internetseite spricht für sich.

Mit Neopets Puzzle Adventure wagt man nun das Experiment, indem die knuffigen kleinen Tierchen in einer Kombination aus Puzzle und Rollenspiel auf der Wii Einzug halten. Da Infinite Interactive bereits mit Puzzle Quest einschlägige Erfahrungen in diesem Genre-Mix sammeln konnte, sollte man eigentlich von einer brauchbaren Umsetzung ausgehen können. Zu Grunde gelegt wird Neopets Puzzle Adventure dabei das Prinzip von „Othello“, bzw. „Reversi“. Die beiden sich duellierenden Parteien starten mit jeweils zwei Steinen auf dem Spielbrett und legen abwechselnd weitere Spielsteine. Schließt ihr horizontal, vertikal oder diagonal die Steine des Gegners in einer Reihe ein, werden diese umgedreht und tragen von nun an eure Farbe. Am Ende gewinnt allerdings nicht der Spieler mit den meisten Spielsteinen in seiner Farbe, sondern dessen Punktekonto den höchsten Stand aufweist. Um dies zu erreichen ist es wichtig die Sonderfunktionen des Konzepts in Neopets Puzzle Adventure zu nutzen. Wer beispielsweise durch einen gelegten Stein gleich mehrere gegnerische Reihen umdrehen kann erhält dafür entsprechende Combo-Punkte. Ebenso finden sich auf den Spielbrettern bestimmte farbige Felder, die Sondereffekte auslösen können. Von Bonuspunkten bis hin zu einer Schockwelle, die einen zufällig gewählten Stein eures Kontrahenten umdreht, ist hier alles vertreten was man sich so vorstellen kann. Hinzu kommt noch, dass eure Neopets selbst verschiedene Fähigkeiten beherrschen die ebenfalls im Laufe des Spiels eingesetzt werden können und somit direkt das Spielgeschehen beeinflussen.

Damit man überhaupt soweit kommt muss zuerst einmal das eigene Neopet erstellt werden. Aus einem Dutzend verschiedener Viecher darf gewählt werden. Alle Neopets haben dabei verschiedene Eigenschaften in den Bereichen Stärke, Verteidigung sowie Bewegung, die es zu berücksichtigen gilt. Die Wahl des Geschlechts ist euch frei gestellt, die Farbe eures virtuellen Haustierchens dagegen solltet ihr nicht dem Zufall überlassen, denn diese bestimmt die weiteren Fähigkeiten eures Neopets und sorgt für weitere Verbesserungen der drei Grundwerte. Hinzu kommen noch mit den erworbenen Neopunkten kaufbare Gegenstände sowie das Aufsteigen in höhere Stufen nach erfolgreichen Kämpfen, mit denen sich die Fertigkeiten weiter verbessern lassen. Das Einfangen eines so genannten Petpets verschafft eurem virtuellen Haustier quasi ein eigenes Haustier und lässt euch dessen Fähigkeiten ebenfalls zu Nutze machen. Im Spiel selbst wird das Hauptaugenmerk auf den Storymodus gelegt. Dort spielt ihr eine für jedes Neopet mehr oder weniger individuelle Geschichte nach, in dessen Verlauf ihr die verschiedensten Plätze der Landkarte bereist um dort Aufgaben zu erfüllen. Meist handelt es sich dabei um Kämpfe gegen irgendwelche Gegner. Unter anderem müssen aber auch nur andere Orte bereist werden, um dort mit anderen Personen zu sprechen, Gegenstände zu besorgen und dergleichen mehr.

Aufgelockert werden die Aktivitäten mit insgesamt sechs verschiedenen Minispielen. Das „Kochen“ funktioniert dabei nach dem Same Game-Prinzip – es müssen gleichfarbige Zutaten vom Spielfeld geräumt werden. Neben simplen Suchaufgaben steht beim „Schmieden“ ein weiteres rudimentäres Puzzlespiel zur Verfügung, und wer sich ein Petpet fangen will, muss dieses in einer Runde „Memory“ besiegen. Wen die Story nicht interessiert und wer ein schnelles Match sucht, der darf sich auch sofort ins Geschehen stürzen und direkt gegen einen CPU-Gegner antreten. Die eingebauten Minispiele sind ebenfalls separat auswählbar und wer gerne ein benutzerdefiniertes Spiel nach eigenen Regeln erstellen möchte wird ebenfalls fündig. Auch mit einem zweiten Spieler vor der Konsole dürfen Duelle bestritten werden, was bei einem Titel dieser Art zum guten Ton gehört.

Was sich bislang auf dem Papier soweit gar nicht schlecht anhört, entpuppt sich in der Praxis allerdings als ungemein lieblos zusammen geschustertes Game, welches bereits nach einigen Runden langweilig wird. Der Hauptgrund dafür ist, dass das Reversi-Prinzip trotz der Zusätze im Gameplay nicht annähernd so fesselnd ist wie das bei Puzzle Quest angewandte Prinzip eines Bejeweled. Die Puzzle-Gefechte in Neopets Puzzle Adventure spielen sich wahnsinnig adynamisch und rauben dem Spieler so schnell die Motivation die Welt von Neopia zu erkunden. Die insgesamt sehr rudimentär eingesetzten RPG-Elemente spielen zudem eine viel zu untergeordnete Rolle im eigentlichen Spiel und man merkt kaum, dass sich die Fähigkeiten des Tierchens nach und nach verbessern. Dazu kommt noch, dass sich die an den Spieler gestellten Aufgaben zu wenig voneinander unterscheiden. Viel zu oft muss auch nur sinnlos von einem Punkt auf der Karte zum nächsten gelaufen werden nur um die größtenteils belanglose Geschichte voranzutreiben. Selbst die einsammelbaren Gegenstände sowie die für den Einzelspieler freischaltbaren Erfolge können nichts daran ändern, dass man an den langweiligen Puzzles einfach viel zu schnell die Lust verliert. Die Zielgruppe im jüngeren Alter könnte eine gewisse Weile von dem Game unterhalten werden, wobei das Interesse dort sicherlich auch in erster Linie durch das Neopets-Franchise selbst zustande kommen dürfte. Erwähnt werden sollte noch, dass man sich mit im Spiel erlangten Codes auf der Neopets-Webseite spezielle Items für das dortige Neopet verdienen kann.

Kinderspiel?

Dass die auf die Pointerfunktion der Wii setzende Steuerung funktioniert, sollte bei einem eher simplen Titel wie diesem eine Selbstverständlichkeit sein. Ebenso selbstverständlich sollte es sein, dass das Game im Test nicht bereits in der ersten Stunde zwei Komplettabstürze der Konsole verursacht. Hätte nicht die automatische Speicherfunktion den bislang erreichten Fortschritt fest gehalten, wäre die Disc sicherlich wutentbrannt in der Ecke gelandet. Im weiteren Verlauf kamen weitere Abstürze zwar nicht mehr vor, ärgerlich und unnötig sind diese aber dennoch und sollten nicht verschwiegen werden. Während man von der Optik her gemessen an der Zielgruppe eigentlich nicht viel erwarten kann, wurde seitens Infinite Interacvite allerdings ein grober Designfehler nicht bemerkt: Die Schriftgröße des Games ist eine Katastrophe. Nahezu alle für die Story relevanten Texte sind derart klein geschrieben, dass man sie selbst mit einem guten Auge nur unter Anstrengungen entziffern kann. Dem Nachwuchs die Augen damit schon zu verderben halte ich für keine gute Sache. Abgesehen davon ist die bunte Grafik im Comic-Look passend zum Franchise gewählt und bringt das Neopets-Flair gut auf die Konsole. Die Unterstützung des 60 Hz- sowie des 480p-Modus ist löblich, allerdings bei einem Spiel dieser Art durchaus verzichtbar. Stattdessen wäre eine Arbeit an den viel zu langen und dadurch frustrierenden Ladezeiten wesentlich lohnender gewesen.

Verzichtbar ist im Prinzip auch die komplette Soundausgabe bei Neopets Puzzle Adventure. Dudelnde Melodien untermalen das Geschehen auf dem Bildschirm während eure virtuellen Haustiere immer wieder dieselben Laute von sich geben. Diese sind dermaßen piepsig und süß, dass einem fast schon der Zucker aus den Ohren quillt. Wer also nicht gerade ein absoluter Fan des Franchises ist, sollte den Sound nach Möglichkeit durch eigene Mucke aus der heimische Anlage ersetzen – oder lieber gleich komplett zu einem anderen Spiel greifen.

Fazit

Das Konzept Puzzle plus RPG klingt gut und ist in der Vergangenheit bereits aufgegangen. Im Falle von Neopets Puzzle Adventure versagt man jedoch auf nahezu ganzer Linie. Das Reversi-Prinzip als Grundlage für die Puzzle-Gefechte entpuppt sich als öde, adynamisch und bietet zu wenig Abwechslung. Die Story ist langweilig präsentiert und wartet mit zu viele Laufwegen auf, die den Spieler nicht weiter bringen. Trotz nett gemeinter Boni ist es nicht zuletzt die extrem schwache Technik, die dem Game letzten Endes durch grobe Schnitzer im Design das Genick bricht. Mit Puzzle Quest ist dem Entwickler eine tolle Innovation gelungen an die Neopets Puzzle Adventure nicht einmal ansatzweise anknüpfen kann.

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