Testbericht: Naruto: Clash of Ninja Revolution

Selbst wenn man mit Animes nichts am Hut hat, konnte man „Naruto“ in den letzten Jahren kaum entgehen. Somit ist es nicht verwunderlich, dass nach einigen Umsetzungen für den Gamecube in der letzten Konsolengeneration nun auch Nintendos Wii mit einem Teil des Ninja-Prüglers bedacht wird. Wir haben uns „Naruto: Clash of Ninja Revolution“ zur Brust genommen und verraten euch nach etlichen virtuellen Duellen, was das Game wirklich taugt.

It’s my turn, believe it!

Zur Geschichte des Animes „Naruto“ müssen wohl kaum noch viele Worte verloren werden. Nippon-Freaks wissen ohnehin worum es geht und Freunde des gepflegten Beat’em’Ups durften bereits auf Nintendos Spielewürfel in insgesamt vier Teilen (wovon es jedoch leider nur ein Ableger auch in hiesige Gefilde schaffte) ihr Können unter Beweis stellen. Seitens der Entwickler von TOMY hat man also bereits jede Menge Erfahrung vorzuweisen und es stellt sich die Frage, in wie weit man nun in der Wii-Version des Spiels, die den vollen Namen Naruto: Clash of Ninja Revolution: European Version trägt, überzeugen kann und ob vielleicht sogar spezielle Extras wie die bewegungssensitive Steuerung der Konsole integriert wurden. Der Einstieg in das Game findet allerdings erst einmal recht traditionell statt. Der Spieler wird mit einem flott geschnittenen Anime-Intro und fetziger Musik begrüßt, bevor es auf dem Titelbildschirm die ersten Auswahlmöglichkeiten gibt. Wer sich erst einmal mit der Steuerung vertraut machen will und die Attacken der Fighter lernen möchte, sollte sich ein paar Runden im „Training“ gönnen. Erfahrene Recken oder unerschrockene Kämpfer wagen sich dagegen gleich in den Singleplayer-Modus um dort gegen die CPU anzutreten. Der „Arcade“-Modus lässt euch dabei gegen eine Horde Gegner antreten, während der „Versus“-Modus euch die Wahl über euren Kontrahenten in einem einzigen Kampf lässt. „Time Attack“ erfordert möglichst schnelle Siege und der auf Ausdauer bedachte „Survival“-Modus wird nach einmaligen Durchspielen des „Arcade“-Modus freigeschaltet und verlangt, dass ihr mit einer einzige Kraftleiste möglichst weit kommt und viele Gegner erfolgreich aufs Kreuz legt.

Ihr habt dabei die Wahl aus anfangs mageren acht Kämpfern, allerdings lassen sich durch Siege in den einzelnen Modi nach und nach weitere Helden freischalten, so dass ihr im Endeffekt auf stolze 20 Kämpfer kommen könnt. Neben Naruto selbst stehen euch dabei von Beginn an bekannte Charaktere wie Sasuke, Sakura, Rock Lee oder Jiraya zur Verfügung. Wer sich nicht gerne alleine vor der Konsole prügelt, darf bis zu drei Freunde einladen und Spaß am „Multiplayer“-Modus haben. Die „Extras“ offenbaren euch mit der Zeit freizuspielende Goodies wie Videos und Artworks, während in den „Einstellungen“ – Trommelwirbel bitte – die Einstellungen zu finden sind. Klingt bis hierher eigentlich alles eher unspektakulär, bzw. nach dem herkömmlichen Beat’em’Up-Standard, haben wir zwei Punkte bisher vernachlässigt. Zum einen wären die „Mini-Games“ zu erwähnen und ich kann mir vorstellen, dass sich vielen Lesern alleine schon beim Lesen dieses Wortes die Nackenhaare aufstellen. Wollte TOMY mit Clash of Ninja Revolution etwa bewusst Casual-Gamer ansprechen und bietet nun Münzwerfen, Wiimote-Schütteln und Kuchen backen im Anime-Look? Mitnichten. Zwar mögen die integrierten Minispiele sicherlich Geschmackssache sein, aber die nach und nach freischaltbaren Games wie ein an den Klassiker Duck Hunt angelehntes Shuriken-Werfen per Pointerfunktion der Wiimote macht durchaus Laune. Widmen wir uns nun aber lieber dem wesentlich interessanteren Menüpunkt, der da heißt: „Missionen“. Hier werden euch verschiedene Aufgaben gestellt, die es der Reihe nach zu bewältigen gilt. Dabei darf kein eigener Charakter gewählt werden, sondern ihr bekommt pro Aufgabe einen Kämpfer vorgegeben, mit denen es die Missionen zu erledigen gilt. Mal müsst ihr im knapp bemessenen Zeitlimit zwei Gegner besiegen, mal durch geschicktes Blocken Wurfsterne abwehren, mal mit halber Energie euren Gegner auf die Matte schicken oder ihn nur mit speziellen Attacken besiegen. Erfahrenen Prügel-Hasen dürfte dies aus der Soul Calibur-Reihe bekannt vorkommen und in der Tat sind diese Arten der Missionen nicht wirklich taufrisch, in der Naruto-Reihe aber bislang noch nicht zum Einsatz gekommen und bringen somit ein neues Element ins Game. Wer die gestellten Aufgaben nicht mehr schafft oder etwas anderes probieren möchte, darf nach einer gescheiterten Mission den Modus beruhigt abbrechen. Euer bisheriger Fortschritt wird automatisch gespeichert und sofern ihr wollt, dürft ihr beim nächsten Versuch wieder in der zuletzt gespielten Mission fortfahren.

Traditionell präsentiert sich auch das eigentliche Gameplay und orientiert sich stark an den Vorgängern für den Gamecube. Natürlich gilt es die Energieleiste eures Gegenübers soweit zu dezimieren, dass ihr am Ende als Sieger vom Platz geht. Um dies zu bewerkstelligen, stehen euch schwache und starke Angriffe zur Verfügung, die in Kombination mit den verschiedenen Richtungstasten und hübsch aneinander gereiht nicht nur diverse Specials, sondern auch relativ verheerende Combos auslösen können. Für gelungene Attacken füllt sich eure Chakra-Leiste auf, die euch besonders vernichtende Angriffe dank eines Spezial-Justu-Powerup ermöglicht, die teils bis zu 64 Hit-Combos nach sich ziehen. Blocken, Ausweichen und Kontern ist ebenfalls möglich, wie es sich für ein gestandenes Prügelspiel eben gehört. Neu dagegen ist, dass in den Arenen nun mitunter Gegenstände, respektive Hindernisse wie Fässer, Steine oder Kisten auf dem Boden liegen. Diese lassen sich beispielsweise nutzen, um dahinter Schutz zu finden und seinen Gegner in einem passenden Moment aus der Deckung heraus anzugreifen. Wird allerdings beispielsweise die Kiste zerstört, nimmt der dahinter versteckte Kämpfer natürlich dennoch Schaden. Auch überraschende Sprungangriffe über das Hindernis hinweg sind aus dem Hinterhalt möglich. Gepaart mit den schnellen Schritten in den Raum hinein und den so genannten Kawarimi-No-Jutsus (Konter aus der Luft) ergibt sich insgesamt ein flottes Gameplay mit schick anzusehenden Combos. Das relativ einsteigerfreundliche Gameplay – fünf schwache Schläge am Stück ergeben beispielsweise schon den ersten Combo – hält mit einigen netten Tricks und Kniffen auch für Prügel-Profis am Pad die ein oder andere Überrschung parat, indem es bald noch längere und vernichtendere Combos zu meistern gilt und man immer auf der Suche nach weiteren Attacken ist, die man dem in die Luft gewirbelten Gegner noch auf den Pelz brennen kann.

Ebenfalls neu ist die Möglichkeit des „Szenenwechsels“. Dies ist an bestimmten Stellen der Arena möglich und bedeutet, dass an Abgründen oder brüchigen Stellen der Begrenzung der Kontrahent mit einem gezielten Angriff aus dieser und in die nächste Arena geschleudert werden kann. Mit schnellen Schnitten und flotten Animationen wird der Übergang geschaffen, wobei dem angreifenden Spieler noch die Möglichkeit zu einer zusätzlichen Attacke geboten wird, indem man einen der Angriffsbuttons drückt. Nur wenn der getroffene Spieler dieselbe Attacke wählt, kann er sich vor weiterem Schaden schützen. Vor Schaden schützen kann man sich übrigens auch bei Würfen. Drückt man im passenden Moment kurz vor dem Aufprall auf dem Boden einen Angriffsbutton, nimmt man zwar dennoch leichten Schaden, rollt sich aber ab und kann direkt weiterkämpfen, ohne seinem Gegenüber am Boden einige Sekunden lang hilflos ausgeliefert zu sein. Eine wirkliche Revolution wie im Namen angekündigt findet man im Gameplay somit nicht vor. Aber wenn man sich einmal vor Augen hält, dass die Naruto-Spiele schon auf dem Gamecube zu den Besten ihres Genres gehörten, so war dies auch nicht unbedingt notwendig. Im Gegenteil, denn anstatt das Grundkonzept des Titels völlig über den Haufen zu werfen, hat man seitens TOMY eher das bewährte Gameplay beibehalten und es mit einigen netten, wenngleich aus anderen Reihen meist bereits bekannten, Gimmicks aufgewertet. Dass dies nicht unbedingt schlecht sein muss, stellt Naruto: Clash of Ninja Revolution ziemlich eindrucksvoll unter Beweis, denn woanders auf Nintendos Wii lässt es sich kaum so herrliche intuitiv und dennoch mit viel Tiefgang prügeln wie hier. Mit einem Online-Modus – die Konkurrenz zeigt, dass das geht – hätte man für noch mehr dauerhaften Spielspaß beim Gamer sorgen können. Diese Chance hat man leider verpasst.

In die Arena!

Von anderen Genrevertretern kennt man es ja, dass man auf der Wii unbedingt die bewegungssensitive Steuerung integrieren muss. Dass dies vor allem im Falle von Beat’em’Ups im Endeffekt oftmals eher in wildes Gefuchtel ausartet, als dass man wirklich gezielte Attacken einsetzt, mussten wir schon oft genug erfahren. Zum Glück hat man hier seitens TOMY mitgedacht und lässt dem Spieler die freie Auswahl, welche Steuerungsvariante er gerne hätte. Natürlich gibt es eine Steuerung mit der Kombination aus Wiimote und Nunchuk, in welcher die leichten und schweren Angriffe durch Schwingen derselbigen ausgeführt werden. Dies erweist sich zwar als spielbar, aber vor allem für gelungene Combo-Reihen als eher unpraktisch. Wer möchte, darf auch nur mit quer gehaltener Wiimote spielen, wobei hier nicht einmal das digitale Steuerkreuz einer optimalen Bedienbarkeit im Wege steht. Zu bevorzugen sind dennoch meiner Meinung nach klar die beiden Varianten, die dem klassischen Beat’em’Up am nächsten kommen: Schnappt euch einen Classic Controller oder wahlweise einen Gamecube-Controller und prügelt euch simpel, traditionell und äußerst wirksam per Buttons durch die Arenen. Denn selbst wenn das Fuchteln mit der Wiimote zum Angreifen kurzzeitig recht amüsant sein kann, so gestaltet es sich auf Dauer als zu unpräzise. Gerade Prügelspiele, die für Specials und Combos eine exakte Bedienung verlangen, steuern sich nun einmal mit einem herkömmlichen Joypad am besten – meine Meinung. Und deswegen gilt das Lob den Entwicklern, die dem Spieler hier in der Tat alle Möglichkeiten offen lassen. Selbst während der Matches kann übrigens die Controllerart jederzeit gewechselt werden. Wer also mitten im Spiel feststellt, dass er doch lieber eine andere Steuerung verwenden würde, pausiert einfach das Game, stöpselt um und schon kann es weitergehen.

Anime-Welten

Auch wenn man in Sachen Technik gestehen muss, dass sich Naruto: Clash of Ninja Revolution an den Gamecube-Teilen orientiert, so muss dies nicht unbedingt schlecht sein. Die Vorgänger konnten bereits mit ihrer Cel Shading-Optik überzeugen und wie es sich für ein Anime-Game gehört, hat sich daran natürlich auch im neuesten Ableger der Serie nichts geändert. Der Titel überzeugt deswegen nicht nur mit den schön modellierten Figuren, sondern vor allem mit deren gelungenen Animationen. Die Bewegungsabläufe sind allesamt flüssig und teils furios animiert worden. Teils gekonnt eingesetzte Effekt wie Lichtblitze und Farbwischer während der starken Justu-Attacken erfreuen ebenfalls das Auge. Schade dagegen ist, dass die Schatten der Charaktere sehr hässlich und grobpixelig geworden sind, Videosequenzen nur im Intro vorkommen und die Story während der Kämpfe lediglich in Standbildern erzählt wird. Vergleichbar mit dem Genrekollegen Bleach: Shattered Blade, so teilt auch der neue Naruto-Ableger das Schicksal, dass die Kampfarenen selbst etwas blass wirken. Hier hätten gerne mehr Details und abwechslungsreichere Texturen zum Einsatz kommen dürfen. Allerdings muss gesagt werden, dass Arenen wie die Kanalisation, in der eure Kämpfer im Wasser stehen, optisch durchaus etwas her machen. Ebenso gelungen sind die Szenenwechsel zwischen den Kampfschauplätzen mit ihren schnellen Schnitten im Comic-Stil. Nahezu ein Frevel ist es dagegen, dass man weder an einen ordentlichen 16:9-Modus noch an 480p-Support gedacht hat.

Etwas unspektakulär präsentiert sich der Sound. Die meist eher rockigen Hintergrundmelodien bleiben ohne Biss und verleihen dem Game nicht den nötigen Drive, den ein Spiel seiner Art gebraucht hätte. Gelungen sind dagegen die mannigfaltigen Soundeffekte sowie die Sprachausgabe. Diese ist allerdings komplett auf Englisch gehalten, jedoch mit deutschen Untertiteln. Dennoch können die Sprüche der Recken durch ihren Abwechselungsreichtum und ihre authentische Art und Weise gefallen.

Fazit

Man könnte es abschließend kurz machen: Wer auf der Suche nach einem gelungenen Prügelspiel ist und nichts gegen Animes hat, kann im Falle von Naruto: Clash of Ninja Revolution eigentlich bedenkenlos zugreifen. Das Gameplay mit seinen vielen Steuerungsvarianten und einigen netten Gimmicks ist überzeugend, selbst wenn technisch sicherlich noch mehr drin gewesen wäre. Solange jedenfalls Super Smash Bros. Brawl noch nicht offiziell in unseren Breitengraden erhältlich ist, gibt es kaum eine bessere Alternative um sich gepflegt die Birne weich zu klopfen. Fans des Animes müssen ohnehin zugreifen.

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