Testbericht: Marvel Super Heroes: Grandmaster’s Challenge

Der große Trend der letzten Monate lautet „3D“. Jeder zweite Streifen in unseren Kinos wird mit Brillen geschaut, Nintendos 3DS steht in den Startlöchern und macht die dritte Dimension sogar unterwegs ohne Brillen möglich. Auch Bigben Interactive ist auf den 3D-Zug aufgesprungen und bringt mit „Marvel Super Heroes: Grandmaster’s Challenge“ ein Game auf den Markt, welches ebenfalls mit dem 3D-Feature punkten will. Wir haben für euch die beiliegenden 3D-Brillen aufgesetzt und das Superheldenkostüm übergestreift.

Sei ein Superheld!

Wer bisher mit Marvel-Helden auf der Wii unterwegs sein wollte, hatte bereits die Auswahl aus mehreren Titeln. Mit Marvel Super Heroes: Grandmaster’s Challenge gesellt sich nun ein weiteres Game hinzu. Diesmal könnt ihr in die Haut von insgesamt fünf verschiedenen Helden schlüpfen: Spiderman, Wolverine, Captain America, Thor sowie Iron Man stehen zur Verfügung. Die Story ist schnell erzählt, denn der Schurke Grandmaster hat diesmal alle Fäden in der Hand und euch ins Weltall auf seine geheime Basis entführt. In deren Mitte befindet sich der Energie geladene „Dom“, der zerstört werden muss um euren Superhelden die Freiheit wiederzugeben. Was sich auf den ersten Blick wie ein herkömmlicher Actiontitel mit den Marvel-Superhelden in der Hauptrolle anhört, entpuppt sich allerdings als krude Mischung aus Brettspiel und kurzen Actionsequenzen. Mit bis zu drei weiteren Mitspielern dürft ihr nach der Wahl eures Helden sowie eines Spielbretts antreten, um aus den Klauen des Grandmasters zu entkommen. Pro Spielzug könnt ihr dabei wählen, ob ihr auf dem kreisförmigen Spielfeld eine willkürlich gewählte Anzahl an Feldern nach vorne laufen oder lieber einen Angriff auf den mittig platzierten Dom ausführen wollt. Eine sich ebenfalls pro Runde nach vorne bewegende Lichtbarriere sorgt dafür, dass ihr auch wirklich auf dem Spielbrett weiterkommen müsst. Denn wer einmal von der Barriere erwischt wurde, scheidet aus dem Spiel aus.

Jede Aktion kostet euch zudem Münzen, die in den kurzen Actionszenen verdient werden wollen. Hier schickt euch der Grandmaster durch eine auf euren Helden zugeschnittene Stage, in welcher ihr aus der Ego-Perspektive eine Hand voll Feinde vermöbelt. Die Steuerung ist hierbei mehr als simpel: Mit einem Schwung von Wiimote und Nunchuk setzt ihr eure rechten und linken Fäuste ein, der B- und C-Button lassen euch zusammen gedrückt die Deckung hoch nehmen. Wer allerdings hier zumindest actionreiches Gameplay auf Schienen erwartet, liegt ebenfalls falsch. Stattdessen ähneln die Actionszenen eher ein paar kurzen Quick Time-Events für Arme. Nicht einmal ein Dutzend erfolgreich ausgeführte Kommandos sind notwendig, um eine Stage dabei abzuschließen. Nach knappen 15 Minuten und einigen Attacken auf den Dom später habt ihr diesen zerstört und werdet für einen finalen Kampf noch zu einem der fünf verschiedenen Obermotze gebeamt, den ihr ebenfalls mittels Quick Time-Events in die ewigen Jagdgründe schicken dürft. Trotz neuen Spielbrettern, die ihr euch nach und nach freischalten könnt, hält sich die Langzeitmotivation stark in Grenzen. Das liegt im Gameplay selbst begründet, welches ziemlich träge ist und schnell sehr eintönig wird.

Action in drei Dimensionen?

Als herausragendes Merkmal gilt im Falle von Marvel Super Heroes: Grandmaster’s Challenge, dass es einen 3D-Modus besitzt und dem Spiel insgesamt fünf 3D-Brillen aus Pappe je in Form eines Superhelden-Kopfs beiliegen. Es handelt sich allerdings nicht um die aus dem Kino bekannte 3D-Technologie, sondern um die seit Jahren bekannte Methode mittels Rot-Grün-Folien auf den Brillen. Der 3D-Effekt lässt sich im laufenden Spiel zu jederzeit an- und abschalten und ist – gelinde gesagt – für die Tonne. Eine wirkliche Tiefe kann man selbst mit den Brillen auf dem Kopf nicht wirklich feststellen, sondern lediglich ein störendes Flackern. Dafür sieht man mit den Superhelden-Brillen so richtig dämlich aus. Abgesehen vom 3D-Effekt hat das Game leider nicht viel zu bieten. Die Optik selbst ist recht nüchtern und wirkt wie aus der letzten Konsolengeneration importiert – ohne Aufpolierung versteht sich. Die Actionsequenzen sehen dabei auch nicht besser aus, da dort immer nur wenige Gegner nach der immer selben Masche auftauchen und euch mit den immer selben Animationen schnell langweilen. Comicsequenzen sucht man vergeblich, stattdessen gibt es ein paar gezeichnete Standbilder zu betrachten. In Sachen Sound reißt das Game ebenfalls keine Bäume aus. Die Hintergrundmusik dudelt recht belanglos vor sich hin und bleibt dem Spieler nicht im Ohr. Eine Sprachausgabe gibt es nicht, die Soundeffekte sind bestenfalls mittelmäßig.

Fazit

Selbst die jüngere Zielgruppe, an die sich Marvel Super Heroes: Grandmaster’s Challenge offenbar richtet, wird mit dem Titel nicht lange ihre Freude haben. Das Gameplay mit seiner Mischung aus langweiligem Brettspiel und öden Actionsequenzen mit Quick Time-Events wird bereits während der ersten Runde langweilig. Der versprochene 3D-Effekt verpufft ohne Wirkung und sieht einfach nur dämlich aus. Zwar ist der Titel spielbar und die Steuerung funktioniert, richtiger Spielspaß kommt hier jedoch kaum auf. Wir haben es somit mit dem bis dato schwächsten Marvel-Titel für Nintendos weiße Fuchtelkiste zu tun, den man sich getrost sparen kann.

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