Testbericht: Littlest Pet Shop: Freunde

Etwas mehr als ein Jahr ist vergangen, seit Hasbro in Kooperation mit Electronic Arts ihre Pocket-Sammeltierchen das erste Mal virtuell durch die Wii tapsen ließen. Die Qualität des Knuddelgames hielt sich damals in Grenzen – wie ist es dieses Mal? Wird „Littlest Pet Shop: Freunde“ in den Kinderzimmern unseres Zockernachwuchses zwingend gebraucht?

Party, Party!

Die Aufregung im Littlest Pet Shop: Freunde ist groß. Littlest Pet Shop? So heißt die kleine Welt der großäugigen Kuscheltierchen um die es in diesem Spiel geht. Und warum die Aufregung? Der beste Freund des Bären, die Raupe nämlich, hat sich zum Besuch angekündigt und es muss mit vereinten Kräften eine Party für sie organisiert werden. So weit, so gut. Nach einem kurzen Introfilmchen wird man gleich mitten ins Geschehen geworfen. Ob alleine oder zu zweit, es wird mit Hund und einem Vogel ins Abenteuer gestartet. Sollte alleine gespielt werden, läuft das zweite Tier automatisch der gesteuerten Figur hinterher. Getestet haben wir das Spiel jedoch meist zu zweit. Im Gegensatz zum Vorgänger, in dem lediglich mit der Wiimote gesteuert wurde, kommt bei Littlest Pet Shop: Freunde diesmal der Nunchuk mit zum Einsatz.

Ihr startet also in einer Art Minivergnügungspark am Strand und könnt Euch sofort an ein paar Minispielen gütlich tun, darunter z. B. das Becherspiel oder aber auch eine relativ sinnfreie Kristallkugel. Bei dieser stellt Ihr laut eine Frage in Richtung TV und reibt die Kugel solange mit dem Wiipointer bis die Antwort erscheint. Wenn Ihr dementsprechend schwachsinnigen Fragen stellt, kann man sich durchaus eine Weile damit belustigen – aber für Kinder (für die das Spiel ja eigentlich gemacht ist) sind die Antworten so trocken und witzlos, dass hier wohl etwas am Ziel vorbeigeschossen wurde. Zur Belohnung bekommt Ihr danach, wie auch nach allen anderen Minispielen ein paar Münzen, die später in den regionalen Boutiquen gegen Accessoires eingelöst werden können.

So erkundet Ihr nach und nach das Littlest Pet Shop-Ländle. Da fällt auch schon auf, dass viele Bereiche zu Beginn verschlossen sind und man sich alles andere als frei bewegen kann. Das Gameplay verläuft sehr linear. Neue Bereiche werden freigeschaltet, sobald Ihr Aufgaben gestellt bekommt, die dort zu lösen sind. So müsst Ihr beispielsweise Kuchen und Torten für die Party backen, die verlorene Gästeliste finden oder in einem Tonstudio ein Lied aufnehmen – für die Party natürlich. Party…dieses Wort ist wohl das meist gebrauchte in dem Spiel neben „Toll“, „Honigbienen“ und „Süß“. Genau das umschreibt aber auch eine der wenigen Stärken von Littlest Pet Shop: Freunde. Es ist süß…optisch…

Aaahhh!! Wo zur Hölle ist der Soundregler???

Denn was uns Hasbro und EA auf die Ohren schicken gehört zur schmerzhaftesten Tortur, die unsere armen Lauscher jemals ertragen mussten. Während die Musik ja qualitativ noch ausreichend sein mag – davon abgesehen, dass sich die viel zu kurzen Musikstücke in ständigen nervigen Loops wiederholen – so ist die „Sprachausgabe“ einfach nur bitter. Was dem Kinde dort als Tierstimme verkauft wird klingt blechern, billig und befindet sich stellenweise in Höhenfrequenzen jenseits unserer Vorstellungskraft. Die Katze quietscht als würde man ihren Schwanz durch den Fleischwolf ziehen und schmerzt sogar einem Erwachsenenohr, das in seinem Leben schon viel zu viele Dezibel auf verschiedensten Konzerten abbekommen hat. Leider fehlt im Spiel jegliche Soundoption, die dem ein Ende setzen lässt.
Die Dialoge werden, unterstützt von diesen seltsamen Lauten, in Sprechblasen dargestellt und die Inhalte handeln entweder von Partyvorbereitungen oder Predigten darüber, dass beste Freunde immer beste Freunde sind. Hierbei sind wir übrigens schon bei einem der beiden pädagogischen Inhalte des Spieles angelangt. Der zweite wird mit einem kurzen Beitrag abgehandelt: „Sauber machen macht auch Spaß! Wem schadet das denn schon?“

Bereits verkannten Wörtern wie „Willkommensleckerli“ und „Knuddelalarm“ wird wieder zu neuem Glanz verholfen und die „Best Friends“ sind natürlich die „bf“ und der „bffi“ ist sogar auch vertreten! Kennt Ihr nicht? Ihr kennt nicht „best friends forever infinity“?? Die Zielgruppe sollte es wohl kennen und genau da sind wir beim Problem dieser Softwareperle. Das Spiel an sich mit seiner ganzen ultrakindergerechten Handlung, mit seiner Knuddeloptik und seinen vokabularisch doch sehr schmalspurig gehaltenen Dialogen ähnelt einem Bilderbuch für Kinder unter sechs Jahren, die so etwas von ihren Eltern vorgelesen bekommen. Selbständig spielende Kinder, die schon lesen können, werden sich hier mehr als langweilen.

Ich laufe hier und laufe da

Die meisten Aufgaben verlangen dem Spieler zudem nichts ab, da es oft nur darum geht von A nach B zu laufen, um jemanden zu finden oder zu sprechen. Auflockernd wirken da dann doch die hin und wieder auftauchenden Minispiele, von denen ein paar sogar wirklich brauchbar sind. Es ist nicht alles schlecht an Littlest Pet Shop: Freunde. Auch die verschiedenen Landstriche und Stadtteile sind ganz süß gestaltet und für ein Kind kann dort durchaus eine kleine bunte Traumwelt entstehen, in die es eintauchen kann. Ihr könnt die Tiere untereinander auch einmal wechseln, wenn Ihr lieber den Flamingo anstatt des Ponys steuern möchtet. Oder Ihr tauscht das komplette Tierpaar aus – denn jedes Tier, das Ihr im Littlest Pet Shop: Freunde kennen lernt, könnt Ihr dann auch steuern. Da sie Euch unterwegs überall hin und wieder begegnen, bietet sich das auch an.
Hier sind wir allerdings bei der nächsten Schwachstelle des Spiels. Aufgaben könnt Ihr nur mit den Tierchen beenden, denen auch diese gestellt wurden. So wird der kleine Spieler vor dem Bildschirm im Endeffekt doch dazu gezwungen, mit bestimmten animalischen Freunden zu spielen. Im Übrigen könnt Ihr Euren Pets auch Namen geben, die im Laufe des Spiels natürlich auch in die Dialoge eingebaut werden. Ihr könnt Euch wohl denken, dass ich mir mit dieser Option das Spiel so gestaltet habe, dass auch ich etwas Spaß daran hatte.

Unterwegs im Littlest Pet Shop-Ländle kommt Ihr auch an gewissen Stellen vorbei, an denen Ihr durch Drücken des A-Buttons zum „Spielen“ aufgefordert werdet. Das machen die Tiere aber meist alleine – sie lassen sich von einem spritzenden Hydranten hochschießen oder Springen von einem Sprungbrett ins Meer und schwimmen wieder an Land. Warum die Spielentwickler dort komplett auf die Steuerung verzichten haben, ist mir schleierhaft. Aber Ihr werdet sowieso immer wieder zwischendurch aufgefordert, die Wiimote zu wippen, zu schütteln oder zu kreiseln um an gewisse Items heranzukommen. So müsst Ihr Zutaten zum Backen sammeln (warum benötigt man für Brezeln eigentlich Juwelen?) oder Blumen, mit denen Ihr Farben mischen könnt. Auch das stellt keine große Herausforderung dar. Die benötigten Items gibt es überall im Überfluss und wer zu faul zum Laufen ist, der wartet einfach an der abgeernteten Stelle – der nächste Respawn erfolgt in 5 Sekunden…
Orientierung findet Ihr immer durch einen Kompass am unteren Bildschirmrand. Der zeigt zwar nicht an, wie weit Euer aktuelles Ziel noch entfernt ist, aber zumindest auf die Richtung könnt Ihr Euch verlassen.

Kurzes Vergnügen

Die Welt der Pets unterteilt sich in vier Bereiche, die Ihr nach und nach frei schaltet: Strand, Geschäftsviertel, Land und Wohnviertel. Um nicht komplette Wegstrecken immer wieder laufen zu müssen, gibt es U-Bahn-Stationen um zwischen den Bereichen reisen zu können. Einen großen Unterschied macht das aber nicht, da die Welt eh recht klein geraten ist.
Dadurch kommt das Game leider auch nur auf eine sehr kurze Spielzeit. Nach vier bis viereinhalb Stunden ist der Drops gelutscht und die Party ist organisiert. Selbst Kinder dürften im leichtesten Schwierigkeitsgrad nicht länger brauchen. Die Raupe verwandelt sich zum krönenden Abschluss in einen Schmetterling und die Moral der Geschichte ist, dass Freundschaften Veränderungen überdauern und egal was ist, Ihr seid immer bffi und bf forever und so…
Das Spiel endet indirekt mit den Sätzen „Perfekte Party! Ewiger Spaß! Der Pet Shop ist offen! Erkunde ihn!“ Eigentlich braucht man das nicht. Aber ich habe es getan. Ich bin noch mal zurück zum Strand gegangen. Dort war die Kristallkugel. Erinnert Ihr Euch? Ein einziges Mal wollte ich sie noch befragen. Ich fragte: „Wird dieses Spiel ein Erfolg?“ Ich rieb die Kristallkugel sachte … bis die Antwort erschien: „Das ist schwer zu sagen!“. Für diese realistische Selbsteinschätzung bekommt das Spiel von mir 0,5 als Bonus obendrauf.

Fazit

Littlest Pet Shop: Freunde ist der beste Beweis dafür, dass man Kinder in jüngsten Jahren noch nicht zwingend vor die Konsole zerren muss. Das Gameplay ist eintönig und den einzigen Wiederspielwert stellen die Minispiele dar, um vielleicht noch in den drei Schwierigkeitsgraden den einen oder anderen High Score zu knacken. Man kann auch seine Pets in den Boutiquen noch mit reichlich Accessoires ausstatten und diese farblich gestalten – allerdings verliert dieses Spiel ohne Ziel seinen ohnehin wenig vorhandenen Reiz. Minispielesammlungen sind inflationär auf der Wii und es bessert auch nichts, wenn man unter einer bekannten Marke ein Pseudo-Adventure drum herum bastelt. Zudem ist dieses Full-Budget-Game mit knappen 50 Euro vollkommen überteuert. Ohne Littlest Pet Shop-Branding und die überflüssige Story bekommt Ihr solche Spielsammlungen mittlerweile im Low-Price-Segment oder gar als Freeware für den PC und´s Kind lernt wenigstens noch mit der Maus umzugehen.

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