Testbericht: High School Musical 3: Senior Year Dance!

„We´re breakin‘ free“ singen Millionen Teenager auf der ganzen Welt im Takt mit Troy und Gabriella – den Stars aus „High School Musical“. Und was so erfolgreich ist, taugt doch bestimmt auch zum Videospiel. Wir haben mit dem sogenannten Tanzspiel die Hüften, pardon Hände geschwungen.

Heile Welt

Es ist fast wie bei Nintendo. Kaum hat man der Zielgruppe das richtige Futter zugeworfen, beißt sie an und die Kasse platzt nahezu. Mit dem auf Extrem-Mainstream-Hochglanz polierten High School Musical gelang Disney 2006 ein Superhit, eine reine TV-Produktion, die derart erfolgreich war, dass sich Millionen (nicht nur weiblicher) Teenager weltweit auch auf die beiden Fortsetzungen gestürzt haben. Das Rezept ist ganz einfach. An der East High gibt’s quasi keine uncoolen Leute, keine Schlägereien, jeder sieht super aus, kann perfekt singen und tanzen und die Hauptdarsteller Troy und Gabriella sind sozusagen Barbie und Ken der Neuzeit.

Wie dem auch sei, die bunte Welt der High School Musicals hat zweifelsohne ihren Reiz, was sich auch in unzähligen Fanprodukten niederschlägt, deren jüngster Erguss die HSM-Videospiele sind. Allein für Wii gibt es zwei Titel zum neuesten Film High School Musical 3: Senior Year – nämlich einmal ein Singspiel mit dem Untertitel Sing it, sowie ein Tanzspiel mit dem Namen Dance!.
Diesem kleinen Unterschied muss man sich erst einmal bewusst werden, sonst tritt schnell Verwirrung auf. Und im Gegensatz zum für Teenies recht akzeptablen Sing it, handelt es sich bei der Tanzversion leider um ein eher fragwürdiges Stück moderner Programmierkunst.

Rhythmus ja, aber sicherlich nicht im Blut

Der Inhalt von High School Musical 3: Senior Year Dance! (das klingt sogar noch toller als Star Wars™ The Clone Wars™ Lichtschwert Duelle™ mit all seinen Trademarks) ist in wenigen Worten zusammengefasst. Alleine oder zu zweit spielt ihr in drei Schwierigkeitsstufen die einzelnen Songs der drei Filme nach, in dem ihr passend zur Bildschirmanzeige Remote oder Nunchuk in eine von insgesamt sechs möglichen Richtungen schwingt. Gut, das ist nicht innovativer als in jedem anderen Tanzspiel, allerdings nur mäßig gelöst. Idealerweise sollte man bei einem Musikspiel im Takt „mitwippen“, so dass man rein aus Rhythmusgefühl im rechten Moment die Aktionen ausführt – so wie es etwa beim DS-Spiel Elite Beat Agents hervorragend funktioniert. Allerdings erscheinen die Vorgaben in HSM3-SYD! (ums mal abzukürzen) in mindestens der Hälfte aller Songs mehr als willkürlich zu sein. Oft verlangt das Spiel Bewegungen zu subjektiv unpassenden Zeitpunkten, bzw. scheint dem Rhythmus seiner eigenen Hintergrundmusik nicht so wirklich zu folgen. Möglicherweise fehlt es mir an Gespür und Taktgefühl, doch derartige Verfehlungen wie bei Dance! habe ich in meiner mehrjährigen Karriere als Schlagzeuger noch nicht erlebt.

Über das Drumherum ließe sich streiten, die Inhalte entsprechen sicherlich dem, was potenzielle Käufer erwarten. Die Grafik ist kein Augenschmaus, genügt jedoch, um die Figuren erkennen zu können. In einem netten Tutorial erklärt Schleimknödel Ryan Evans (der Bruder des Paris-Hilton-Doubles Sharpay Evans) mit englischer Originalstimme die Steuerung und überall erklingen die bekannten Lieder. Wer keine Lust auf eine der Filmfiguren hat, kann sich per Editor sein eigenes Alter-Ego kreieren, welches dann in den Echtzeitsequenzen ordentlich animiert durch die Schule turnt. Filmausschnitte gibt’s leider keine, ein dickes Minus für Fans. Ebenso wenig ist ein Karrieremodus vorhanden, sodass lediglich das freie Spiel in mehreren, sich nur leicht unterscheidenden Versionen vorhanden ist. Diese müssen nacheinander abgehandelt werden, um das volle Repertoire an Liedern freizuspielen, zu Beginn stehen lediglich fünf Songs zur Auswahl. In einem East High Jahrbuch lassen sich jederzeit Statistiken und Erfolge einsehen.

All das entspricht den gängigen Standards des Genres, ist nicht sonderlich einfallsreich gelöst, was von einer derartigen Umsetzung allerdings auch nicht zu erwarten war. Doch all das wird auch schnell hinfällig, wenn sich das eigentlich Spiel in seinem Kern einfach nicht richtig anfühlt. Natürlich ist HSM3-SYD! nicht unspielbar – wer den Bildschirmanweisungen folgt, wird gerade auf niedriger Stufe überhaupt keine Probleme haben. Jedoch kommt nur bei wenigen Titeln wirklich Stimmung auf. Und schlicht nur dann, wenn das Spiel es zulässt, dass man sich wirklich mal im Takt bewegt. Alles andere ist stupides Schwingen in eine vorgegebene Richtung und hat mit Tanzen soviel zu tun, wie die East High mit einem Kloster.

Schwing dein Ding

Die Steuerung der Tanzparade ist ebenso schnell erklärt, wie das Spielprinzip. Im Spiel wird fortlaufend ein in sechs Felder unterteilter Ring auf dem Bildschirm dargestellt. Von der Mitte aus bewegen sich Kugeln auf die sechs „Ecken“ zu, erreicht eine Kugel den Ring, muss im Falle der linken Hälfte das Nunchuk, rechts entsprechend die Remote in die richtige Richtung geschwungen werden. Je besser die Bewegung getimt ist, desto mehr Punkte gibt es. Aufgrund der bekannten Präzisionsschwierigkeiten des Controllers bei schnellen Bewegungen, kommt es schon mal vor, dass das Spiel nicht exakt die richtige Richtung erkennt, was im Zweifelsfall ein paar Punkte kostet.

Für Abwechslung sorgen die regelmäßigen Spezialbewegungen, die das Spiel nach Lust und Laune fordert. So wird gelegentlich etwa eine Silhouette in einer bestimmten Pose eingeblendet – ihr müsst diese Pose imitieren und die Controller entsprechend der Vorgabe für einen Augenblick ruhig halten.
Wirklich genial ist auch das nicht, zumal die Posen oft recht willkürlich erscheinen. Darüber hinaus erkennen die Sensoren bekanntlich auch weder Höhenunterschiede noch die Position zueinander, was die ganze Posiererei genau genommen sinnfrei und sehr zufallsabhängig macht.
Laut Hersteller ist High School Musical 3: Senior Year Dance! auch mit Tanzmatte spielbar – im Test weigerte sich der Titel jedoch partout, eine geliehene Matte zu erkennen.

Nicht schön, dafür laut

Weiter geht’s ohne Besonderheiten bei der Grafik. Das Artdesign ist nett, die Menüs, sowie die Umgebungen der East High haben stets Wiedererkennungswert zu den Filmen. Die eigentliche Spielegrafik ist dagegen zweckmäßig gehalten, man kann jede Figur mehr oder weniger ihrem Vorbild zuordnen, das ging mit der frühen Generation von Dreamcast und PS2-Spielen aber auch schon. Fein sind dagegen die Animationen und Kamerafahrten, welche den gescripteten Tanzsequenzen Leben einhauchen. Dafür reagiert das Spiel visuell überhaupt nicht auf den Spieler, egal wie gut oder schlecht Ihr seid, die East High Wildcast tanzen immer gleich.

Musikalisch lässt sich der Titel nur schwer bewerten, wer die Musik der Filme mag, mag auch die Musik des Spiels – umgekehrt natürlich genauso. Sprache gibt es kaum, lediglich das Tutorial erklingt englisch mit deutschen Untertiteln.
Die Auswahl der Lieder ist mit knapp 30 sehr ordentlich und die Bandbreite deckt weitestgehend unterschiedliche Stile ab. Wobei es sich zu wirklich langsamen Liedern logischerweise schlecht tanzen ließe.

Fazit

Es ist das altbekannte Spiel. Fans freuen sich über die Musik, Fans freuen sich über den Stil, Fans verzeihen großzügig die eine oder andere, designerische Macke. Der wahren Intension eines Tanzspiels wird High School Musical 3: Senior Year Dance! allerdings nicht gerecht. Der Spieltakt fühlt sich nur gelegentlich gut an und „Tanzen“ per Remote und Nunchuk mach schlicht und einfach kaum Spaß – ein wenig mehr noch zu zweit, aber auch nicht wirklich.
Natürlich wird sich das Spiel ordentlich verkaufen und hoffentlich finden die Käufer der Fanschicht auch ihren Gefallen daran. Alle, die auf der Suche nach einem ernsthaften Rhythmusspiel sind, werden es nämlich definitiv nicht!

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