Testbericht: Dragon Blade: Wrath of Fire

Nach der Flut an Minispiel-Sammlungen und Portierungen, die über Nintendos Wii im ersten Jahr hereingebrochen ist, wird von vielen Zockern der alten Schule ein jedes Game sehnsüchtig erwartet, welches nicht in dieses Schema zu fallen scheint. Dazu gehört auch der Titel „Dragon Blade: Wrath of Fire“, welcher von „D3“ veröffentlicht und hierzulande von „Koch Media“ auf den Markt gebracht wurde. Der Veröffentlichungstermin wurde dabei leider mehrmals deutlich nach hinten korrigiert, so dass aus dem geplanten Release im letzten Herbst nichts wurde und wir erst jetzt das Game in den Händen halten dürfen. Umso größer war die Spannung, ob man mit diesem Titel auch die sich etwas vernachlässigt gefühlten Hardcorezocker zufrieden stellen würde. Wir haben uns das flammende Schwert geschnappt und uns für euch in ein Reich der Fantasie begeben …

Die Rache ist mein!

Dragon Blade – Wrath of Fire versetzt den Spieler von der ersten Sekunde an in eine Fantasy-Welt, in der sich alles um Monster, Drachen und ein sagenumwobenes Schwert dreht. Das Spiel beginnt mit einer sehr stimmungsvollen Rendersequenz, die einem die Story nahe bringt. Erzählt vom Drachen Valthorian, lernt man schon bald einige interessante Hintergründe kennen. So war es Valthorian selbst, der einst gegen die Regeln seiner Sippschaft verstieß, von seinem Thron herabstieg und den Menschen Frieden und Einheit bringen wollte. Doch die damit verbundene Macht nutzen habgierige Menschenkönige aus, um zusammen mit anderen Drachen, angeführt von Vormanax, Valthorian vom Thron zu stoßen. Mehr noch, man sperrte seine Kräfte in ein Schwert und zerbrach dieses in sechs Teile. Nur ein einziger Menschenkönig sah diese Aktion mit Argwohn, war er doch Valthorian gegenüber immer noch loyal und dankbar. Er entkam mit einem der Schwertsplitter und versteckte diesen in einem entlegenen Dorf …

Die Story mag zwar nicht sonderlich innovativ klingen, wird aber ansprechend und stimmungsvoll präsentiert. Zudem stammt sie aus der Feder von Richard A. Knaak, der bereits die Vorlangen für Dragonlance und Diablo lieferte. Nach dem Intro und dem Erstellen einer Speicherdatei wird dem Spieler zuerst die Steuerung näher gebracht, was in einer Art Traum geschieht. Denn nun schlüpft ihr in die Haut von Dal, einem Nachkommen des loyalen Königs, der einst den Schwertsplitter versteckte und der nun Valthorians Stimme hört. Als sein Dorf von finsteren Kreaturen niedergebrannt wird und er dabei auch seine Verlobte verliert, sinnt Dal auf Rache. Valthorian führt ihn dabei nicht nur zum versteckten Schwertsplitter, sondern fungiert künftig auch als eine Art Mentor. Werden neue Fertigkeiten im Laufe des Spiels erlernt, bekommt ihr sie von ihm erklärt. In bester Hack’n’Slay-Manier ist es nun eure Aufgabe euch durch die verschiedenen Levels zu arbeiten und dabei allerhand Widersacher aus dem Weg zu räumen. Zu Beginn eurer Reise steht Dal dabei nur das Flammenschwert selbst zur Verfügung, welches in verschiedene Richtungen geschwungen werden kann. Die einzelnen Attacken lassen sich zu Combos aneinander reihen, wobei dann der finale Schlag besonders kraftvoll ausgeführt wird. Der Combozähler ist dabei relativ großzügig und lässt auch einige Sekunden ohne Treffer noch gelten, so dass Combos im dreistelligen Bereich durchaus möglich sind. Zerstörte Objekte und besiegte Gegner hinterlassen dabei blaue und rote Kristalle, die eure Lebens- und die Drachenenergie wieder auffüllen.

Letztere ist allerdings erst dann interessant, wenn man den ersten König besiegt und sich dessen Teil des Drachenschwertes angeeignet hat. Glücklicherweise ist dies bereits im zweiten Level der Fall, so dass sich Dal in seinen Fähigkeiten von da an konstant weiterentwickelt. Kann man nun auf Wunsch den rechten Arm des Drachen heraufbeschwören und damit besonders starke Angriffe vom Stapel lassen, gesellen sich später noch die andere Pranke, der als Peitsche fungierende Drachenschwanz und sogar der Kopf des Schuppentiers dazu, mit dem sich prima Feuer spucken lässt. Vor allem gegen schwere Zwischengegner, die Könige oder später gar die Drachen selbst sind die besonderen Fähigkeiten von Dal von Nöten, da sich euch durchaus harte Brocken in den Weg stellen werden. Die „normalen“ Monster dagegen, die von Echsenmenschen über Wölfe, Spinnen und Fledermäuse bis hin zu Zentauren reichen, geben meist schon nach einigen Treffern mit eurem Drachenschwert klein bei. Das ist auch gut so, da teils ein halbes Dutzend Opponenten gleichzeitig auf euch zu stürmt – Dragon Blade ist in dieser Beziehung also wirklich typisch Hack’n’Slay. Dazu gehören ebenfalls die „Monsterzonen“, die sich wie aus dem Nichts auftun und euch erst dann fortschreiten lassen, wenn ihr alle Kontrahenten in diesen durch magische Siegel abgeschotteten Areale besiegt habt.

Typisch ist auch der sehr lineare Aufbau der einzelnen Stages, der quasi kaum Freiraum für eigene Erkundungen lässt. Mit wenig Aufwand finden sich also leicht alle zerstörbaren Objekte, denn nach dem Beenden eines jeden Levels (welches in der Folge auf Wunsch immer wieder auch separat angewählt werden kann) wird euch eine Statistik über die erreichten Erfolge präsentiert. Dazu gehört es auch die versteckten Drachenschuppen eines Levels zu finden, aus denen ihr euch angeblich nach und nach eine Rüstung basteln könnt. In der Praxis merkt man davon allerdings nichts, denn der von den Gegnern zugefügte Schaden verändert sich rein gar nicht. Das ist sehr schade, denn so hat die Drachenrüstung eher imaginären Wert, wäre aber als spielerischer Aspekt sehr sinnvoll gewesen. Das wird auch durch die Tatsache unterstrichen, dass manche Gegner wirklich zäh sind und euch schnell ins Gras beißen lassen können. Schläge die Euren Block durchbrechen sind genauso an der Tagesordnung wie Hiebe, die euch mit einem Mal gut ein Drittel des Energiebalkens rauben. Obermotze müssen übrigens nicht nur an bestimmten Stellen getroffen werden, sie besitzen auch mehrere Energiebalken, die sich teils regenerieren und ein rasches und dennoch geschicktes Vorgehen erfordern. Fünf Mal darf sich eure Kraftanzeige leeren, bevor ihr den „Game Over“-Screen zu Gesicht bekommt. Nach jedem Lebensverlust muss allerdings die Stage wieder von vorne begonnen werden. Teils mag das Gameplay dadurch repetitiv wirken, teils mag man von den Niederlagen frustriert sein und das Game verfluchen. Mit Ausdauer und etwas Geschick schafft man es aber dennoch im Finale Vormanax gegenüber zu stehen und den Drachen in die ewigen Jagdgründe zu schicken. Mit knapp sieben bis acht Stunden Spielzeit ist der Umfang des Games dadurch nicht übermäßig groß, zumal sich der Wiederspielwert in Grenzen hält. Man muss sich schon selbst motivieren alle Level mit einem 100%igen Ranking abzuschließen, denn das Game selbst hält für fleißige Zocker leider keinerlei freispielbare Extras parat.

Feuer frei!

Sind Games mit dem Hack’n’Slay-Prinzip auf den Konsolen bisher meist zu Buttonsmashern verkommen, endeten solche Ausflüge auf Nintendos Wii dank der bewegungssensitiven Steuerung oftmals in purem Gefuchtel. An dieser Stelle muss den Entwicklern von „Land Ho“ aber ein großes Lob ausgesprochen werden, denn in Dragon Blade ist die Steuerung überraschend gut umgesetzt worden. Das Drachenschwert reagiert auf die Bewegungen der Wiimote nach oben, unten, links sowie rechts und auch Hiebangriffe nach vorne werden erkannt – Letztere allerdings nicht immer. Dennoch ist es überraschend, wie gut die Schwertbewegungen erkannt und umgesetzt werden. Umso erstaunlicher ist dies wenn man weiß, dass die Japaner von „Land Ho“ mit Dragon Blade gerade mal ihr zweites Game überhaupt abgeliefert haben – hier ist also sicherlich noch viel Potenzial vorhanden. Der Rest der Steuerung ist altbekannt, aber ebenfalls meist sauber umgesetzt. Mit dem Analogstick des Nunchuk wird Dal durch die Levels gesteuert, der Z-Button lässt euch springen, der A-Knopf blocken und in Kombination mit dem Analogstick auch ausweichen und zur Seitwärtsrolle ansetzen. Der B-Button de- und aktiviert ein „Lock on“-System, mit dem sich einzelne Gegner anvisieren lassen und der C-Button schließlich setzt die Kamera hinter Dal zurück, um euch einen besseren Überblick zu verschaffen. Die Drachenkräfte werden über das Steuerkreuz der Wiimote aufgerufen und dürfen auch durch Bewegungen der Fernbedienung ausgeführt werden.

Natürlich kann Dragon Blade auch gespielt werden, indem man einfach mit der Wiimote fuchtelt und das Schwert mal in diese, mal in jene Richtung schwingt. Gerade wenn im Kampfgetümmel die Kamera etwas schwenkt kann dies auch ungewollt passieren. Dennoch werden die Bewegungen recht gut erkannt, sofern man diese wirklich exakt ausführt. Dies ist bei anderen Vertretern des Genres wesentlich ungenauer, so dass die Newcomer aus Nippon hier selbst alten Hasen zeigen, wie eine Steuerung mit der Wiimote gut umgesetzt werden kann.

Technik von gestern

Kritik muss sich das Entwicklerteam allerdings in Sachen Technik gefallen lassen. Nach dem stimmungsvollen Einstieg darf man sich erst einmal wundern, warum ein Teil des Intro-Video zur Erklärung der Story gleich noch einmal verwendet wird. Die Ingame-Grafik schließlich versetzt den Spieler dann zurück in eine andere Zeit, was leider weniger mit dem Fantasy-Flair des Titels zu tun hat. Nein, vielmehr wirkt es, als hätte man Dragon Blade bereits in der letzten Konsolengeneration so problemlos programmieren können und selbst dann wäre das Game grafisch eher mittelmäßig ausgefallen. Viele kleinere Punkte summieren sich und unterstreichen diesen Eindruck. Zum einen wären da die Cut-Scenes, welche die Story im weiteren Spielverlauf weitererzählen, die qualitativ auch auf der Dreamcast machbar gewesen wären und die Charaktere mangels Gesichtsanimationen erschreckend emotionslos zeigen. Das komplette Fehlen von Schatten lässt die gesamte Spielwelt künstlich und unrealistisch wirken, hinzu kommen gerade bei den Gegnern die teils etwas abgehackten Animationen, die ruhig flüssiger hätten ablaufen dürfen. Ein weiterer kleiner Mangel im Gesamteindruck sind die sehr spartanischen Texturen, vor allem der Umgebungsgrafik. Hier hätte man mehr Wert auf Details legen können, denn so wirkt die Landschaft leider oftmals etwas lieblos und lässt die Abwechslung vermissen. Auch die Effekte halten sich stark in Grenzen. Soll beispielsweise eine Tür mit einem starken Hieb der Drachenklauen geöffnet werden, zersplittert diese nicht etwa in tausend Teile, sondern fährt nach dem Angriff im Schneckentempo nach unten. Einzig die Endbosse sind in der Tat gelungen und eindrucksvoll in Szene gesetzt geworden. Zwar muss die Wii selbst hier ihre Muskeln nicht wirklich spielen lassen, aber immerhin läuft das gesamte Geschehen flüssig und ohne Ruckeln ab, selbst wenn etwas mehr Action auf dem Screen geboten wird. Und letztlich muss auch das flammende Drachenschwert selbst noch erwähnt werden, welches ebenfalls ein Hingucker ist – wenngleich es natürlich keine Schatten wirft oder ein Leuchten auf euren Charakter fallen lässt, wie man es hätte erwarten können.

Etwas besser wirkt dagegen der Sound. Hier fallen in erster Linie die orchestralen und epischen Kompositionen auf, die das Spielgeschehen ansprechend untermalen. Auf die Dauer mögen die Musikstücke zwar etwas eintönig wirken und wiederholen sich auch das ein oder andere Mal, insgesamt tragen sie aber definitiv zur Atmosphäre des Titels bei. Das gilt auch für die Stimme von Valthorian, der das Intro spricht und euch auf Dragon Blade entsprechend einstimmt. Aus diesem Grund ist es ziemlich schade, dass man sich im weiteren Spielverlauf nicht auch die Mühe gegeben hat das Geschehen mit Sprechern zu untertiteln. Die Cut-Scenes zeigen dagegen einfache Texteinblendungen, eine weitere Sprachausgabe sucht man weit und breit vergebens. Hinzu kommen eher standardmäßige Soundeffekte, die über das Zerbrechen von Gegenständen und das Schreien von Echsen und Wölfen leider kaum hinausgehen.

Fazit

Auch wenn wir es hier mit einem reinrassigen Hack’n’Slay zu tun haben, merkt man Dragon Blade durchaus Potenzial an. Die stimmungsvolle Fantasy-Atmosphäre und die Geschichte rund um das Drachenschwert sind gelungen und es ist erstaunlich, wie gut die Steuerung umgesetzt wurde. Enttäuschend ist es dagegen, dass man in Sachen Technik deutliche Abstriche hinnehmen muss. Mit mehr Entwicklungszeit hätte man sicher mehr aus der Wii herausholen können, denn grafisch reizt Dragon Blade die Konsole nicht einmal ansatzweise aus. Leider halten sich auch die spielerischen Innovationen in Grenzen, so dass der Titel im Endeffekt wohl nur Genrefans und auf dem Trockenen sitzende Hardcorezocker ansprechen dürfte. Diese bekommen aber sehr unterhaltsame und nicht immer einfache Action geboten, mit der man sich durchaus einige Stunden beschäftigen kann. Ob man dafür jedoch den Vollpreis zahlt, sollte man sich gut überlegen.

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Packshot Dragon Blade: Wrath of Fire

Dragon Blade: Wrath of Fire

Release: 29.01.2008
Publisher:
Entwickler:
Anzahl Spieler: 1
USK: 12