Testbericht: Blast Works: Build, Trade & Destroy

Es dürfte mittlerweile kein Geheimnis mehr sein, dass sich Nintendos Wii als eine Konsole etabliert hat, auf der neben einer Wagenladung an Partyspielen auch immer wieder äußerst ungewöhnliche Spielkonzepte erscheinen. Die im Vergleich zur HD-Konkurrenz relativ geringen Entwicklungskosten machen es möglich und so finden wir aktuell am Beispiel von „Blast Works: Build, Trade & Destroy“ einen weiteren Vertreter der etwas anderen Art, der so bei der Konkurrenz sicherlich nicht zu finden ist. Wir haben für euch gebaut, getauscht und letztlich auch zerstört und können nun davon berichten.

Ideen muss man haben…

Das Genre der 2D Shoot’em’Ups erlebte vor allem in der 16-Bit Ära seine Blütezeit. R-Type und Konsorten waren als Genre-Referenzen jedem Gamer ein Begriff und man war froh, die ultra schweren Ballergames aus den Arcades endlich auch zu Hause spielen zu können. In den folgenden Jahren hielten sich nicht nur die Innovationen im Genre stark in Grenzen, sondern die einsetzende Flut an 3D-Spielen verdrängte die klassischen 2D-Shooter immer mehr von der Bildfläche. Das von den Shooter-Experten „Treasure“ entwickelte Ikaruga für Segas Dreamcast brachte noch einmal Leben in das offenbar bereits dem Tode geweihte Genre und fand später Umsetzungen für Nintendos Gamecube sowie als Xbox Live-Titel. Warum ich das alles hier erzähle? Weil es 2004 eine weitere Innovation gab, die aber weitaus kleinere Kreis zog. Tumiki Fighters nannte sich das von einem japanischen Indie-Entwickler programmierte Game, welches mit einem bis dato nicht gekannten Feature aufwarten konnte: Besiegte Gegner konnten an das eigene Schiff geklebt werden und dienten fortan als Schutzschild und Power Up zugleich.

Blast Works: Build, Trade & Destroy ist nun quasi die inoffizielle Fortsetzung zu Tumiki Fighters, greift es doch dessen Konzept auf. Ihr findet in Blast Works also ein klassisches Shoot’em’Up in 2D vor, welches das ungewöhnliche Konzept seines Vorbilds aufgreift. Anstatt euch mit Power Ups nach und nach aufzurüsten, eure Schusskraft zu verbessern und dergleichen mehr, bleiben besiegte Feinde nach deren Exodus bei einer Berührung mit eurem Schiff an diesem einfach kleben. Fortan dienen sie euch nicht nur als Schutzschild, sondern ballern eigenständig weiter – diesmal allerdings auf eurer Seite. Da sich jedes feindliche Objekt nach der Zerstörung ein paar Mal wirbelnd durch die Luft dreht und es bei der kleinsten Berührung an euch haften bleibt, schleppt ihr schon nach wenigen Minuten im Spiel einen Pulk an Helikoptern, Raumgleitern, Raketen und Schiffen mit euch mit, der gut und gerne den halben Bildschirm für sich einnehmen kann. Nachdem sich ein geordnetes Aufsammeln der Gegner als nahezu unmöglich herausstellt, feuern diese somit auch in alle erdenklichen Richtungen – je nachdem in welche Richtung sie sich eben gerade drehten, als sie Kontakt mit eurem Schiff hatten.

Es kann somit gut sein, dass der Schuss eures ursprünglichen Raumgleiters weiterhin gerade nach vorne geht, während der Rest eures Gebildes in alle möglichen und für den Spieler nicht immer nützlichen Richtungen ballert. Dies gehört allerdings zum Konzept von Blast Works. Anstatt wie in anderen Genrevertretern also stur die Feindformationen auswendig lernen zu müssen, um die oftmals bockschweren Stages überstehen zu können, erledigt sich der Großteil der Gegner irgendwann von selbst und es ist eher die Herausforderung die umher fliegenden Teile einigermaßen sinnvoll an seinem Schiff anzubringen. Eine weitere Herausforderung ist es in dem optischen Chaos gepaart aus Raumschiffteilen noch sein eigenes Schiff im Auge zu behalten, denn kassiert ihr einen feindlichen Treffer, geht euer Gleiter in einer kleinen Rauchwolke auf und explodiert. Dadurch ist nicht nur ein Extraleben, sondern auch der komplette gesammelte Weltraumschrott verloren. Eure angeklebten Gegner verabschieden sich übrigens auch nachdem sie einen gegnerischen Schuss abbekommen haben, wodurch sich ihre Funktion als Schutzschild erklärt. Je nach Größe des Teiles können sie mitunter aber mehrere Treffer einstecken und lassen sich teils auch noch ein zweites oder drittes Mal einsammeln, bevor sie sich leicht flackernd für immer verabschieden.

Damit man nicht konstant wie eine fliegende Müllhalde wirkt, lässt sich der gesammelte Schrott auf Knopfdruck auch einziehen. Dies ist vor allem bei den Bossfights notwendig, wo euch der Kugelhagel nur so um die Ohren fliegen wird. Würde man hier konstant mit seinen angeklebten Feinden umher schwirren, hätte man diese bereits nach Sekunden verloren und stünde alleine da. Durch das geschickte Ein- und Ausfahren des Schutzschildes lässt sich das Schiff aber durch die feindlichen Salven manövrieren um dann an passender Stelle die gesamte Feuerkraft auf den Obermotz los zu lassen. Vor allem auf dem leichtesten der drei Schwierigkeitsgrade sollten aber halbwegs erfahrene Spieler kaum ein Problem bekommen – ausreichend Extraleben, die durch den Punktegewinn erhalten werden sei Dank. In den höheren Schwierigkeitsstufen werden jedoch vor allem die letzten Stages eine kleine Herausforderung, was auch gut so ist. Dennoch hat man das Gefühl, als hätten sich die Entwickler beim Design der Levels nicht sonderlich viel Mühe gegeben. Lediglich ab und an stellen sich euch Hindernisse in den Weg, die es zu umschiffen gilt. Ansonsten müssen eigentlich lediglich alle heran fliegenden Feine und den finalen Endboss aus dem Weg geräumt werden. Trotz der innovativen Sammelidee hätte somit noch etwas mehr Feinarbeit ins Gameplay selbst fließen können, da man sogar Genre-Standards wie Smart Bombs vergeblich sucht.

Neben dem auf die Punktejagd ausgelegten Arcade-Modus, der mit bis zu vier Spieler gezockt werden darf, findet sich in Blast Works noch der Feldzug-Modus. Dieser lässt sich kooperativ mit einem Kumpel vor der Konsole spielen und schaltet nach dem erfolgreichen Beenden insgesamt vier Minispiele, darunter das Original Tumiki Fighters, frei. Wie es sich für ein klassisches Shoot’em’Up gehört wurde die Steuerung ebenfalls sehr simpel gehalten. Mit dem Analogstick des Nunchuk bewegt ihr euer Schiff, während der B-Button für das Feuern verantwortlich ist und der Z-Knopf dafür sorgt, dass die angehefteten Teile versteckt werden. Alternativ dazu lässt sich Blast Works auch mit dem Classic Controller spielen, wobei dessen digitales Steuerkreuz die fast bessere Wahl im Vergleich zum Analogstick des Nunchuk darstellt.

Build & Trade

Blast Works bietet allerdings noch weitaus mehr als die regulären 15 Level. Das Game kommt mit einem integrierten Editor, mit dem sich nicht nur eigene Raumschiffe, Gegner und sogar Schussformationen, sondern sogar komplette Levels selbst gestalten lassen. Die auf den ersten Blick recht rudimentär gehaltenen Funktionen bieten euch dabei aber im Prinzip alles, was zu einem Editor dazu gehört. Ihr könnt nicht nur bereits vorhandene Modelle aus dem Spiel verändern, sondern eure komplett eigenen Modelle basteln. Limitiert seid ihr dabei eigentlich nur durch die relativ einfach gehaltenen Vektorgrafiken, denn selbst größere Endbosse lassen sich mit etwas Übung kreieren. Schade ist nur, dass der Editor vor allem zu Beginn etwas komplex scheint und eine gewisse Zeit benötigt wird, um sich in alle Details einzufinden. Wer sich aber gerne lange und ausgiebig damit beschäftigt, eine kreative Ader hat oder vielleicht auch schon immer auf der Suche nach einer solchen Möglichkeit war, wird hier sein Paradies finden.

Wer es sich leicht machen will darf allerdings auch einfach unter http://www.blastworksdepot.com auf die Werke anderer User zurückgreifen. Die Seite beinhaltet mittlerweile über 9.500 von Usern bereit gestellte Kreationen, die auf die heimische Konsole geladen werden können. Hat man sich dort einmal einen Account erstellt und seinen Wiicode dort eingegeben, werden die Daten komfortabel auf die eigene Konsole zum Download zur Verfügung gestellt. Gleichzeitig lassen sich so auch die eigenen Werke für andere User zur Verfügung stellen. Alleine dort kann man stundenlang mit der Suche nach passenden Kreationen verbringen, die teils eine erstaunliche Kreativität der User an den Tag legen. Ihr sucht euren liebsten Videospielhelden? Kein Problem! Mario, Bowser, Sonic, Tails, Samus Aran, Kirby, ja sogar der Titelheld aus Secret of Mana sind beispielsweise dort zu finden. Star Wars-Fans freuen sich über einen nachgestellten X-Wing Fighter und selbst Kuriositäten wie ein überdimensionales Bit.Trip Beat-Logo können herunter geladen werden. Richtig viel Mühe gemacht haben sich auch die User, die nahezu das komplette Repertoire an Helden und Feinden aus Games wie Galaga oder The Legend of Zelda für das NES nachgestellt haben, bzw. die komplette Retro-Levels erstellt haben, welche an die Genre-Größen erinnern.

A Blast from the Past?

Dass man gerade aus diesem Grund technisch keine schweren Geschütze auffährt ist vielleicht verständlich. Der Retro-Stil passt gut zum gesamten grafischen Eindruck des Titels und doch hätte ich mir neben den eher simplen geometrischen Figuren an der ein oder anderen Stelle durchaus noch mehr Effekte gewünscht. Vor allem die Hintergründe in den einzelnen Stages sind es, die durchaus mehr Details hätten vertragen können. Neben ihrer an sich eher schlichten Art wiederholen sie sich nämlich in den einzelnen Levels auch noch, was einfach nicht hätte sein müssen. Einbrüche der Framerate halten sich jedoch trotz unzähliger Objekte auf dem Bildschirm in Grenzen und die Unterstützung des 60 Hz- sowie des 480p-Modus dürfen dagegen lobend erwähnt werden.

Der Sound kommt ebenfalls relativ unspektakulär aus den Boxen. Untermalt wird das Geschehen auf dem Bildschirm von größtenteils flotten Technoklängen, die zum Stil des Games an sich relativ gut passen. Jedoch sind die Tracks allesamt nicht sonderlich herausragend und setzen sich kaum in den Gehörgängen fest. Hinzu kommen Soundeffekte, die vor allem im Bezug auf die Schussgeräusche noch deutlich wuchtiger hätten ausfallen dürfen. So sind sie bestenfalls als durchschnittlich zu betrachten. Auf Extras wie eine Sprachausgabe oder Sounds aus der Wiimote muss der Spieler leider komplett verzichten.

Fazit

Als reinrassiges Shoot’em’Up kann Blast Works: Build, Trade & Destroy nur bedingt punkten. Die Idee mit den kleben bleibenden Gegnern ist zwar anfangs toll, birgt aber auf Dauer zu wenig spielerische Abwechslung. Gepaart mit der eher mittelmäßigen Technik hätte der Titel somit kaum eine Daseinsberechtigung – wenn da nicht der umfangreiche Editor wäre. Dessen Onlinefunktion wurde nahezu vorbildlich umgesetzt und wer sich damit befasst, kann einige tolle Ergebnisse erzielen und quasi sein ganz eigenes Spiel erstellen. Blast Works dürfte deswegen eine eher kleine Zielgruppe ansprechen, diese kommen mit dem Titel dafür aber voll auf ihre Kosten.

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