Testbericht: Wild Earth: African Safari

Hobby-Fotografen aufgepasst! „Wild Earth: African Safari“ von Majesco, welches hierzulande von Codemasters vertrieben wird, steht nun in den Regalen und wartet auf euren flotten Finger am Auslöser. Ob wir es hier mit einem Meisterwerk der modernen Fotokunst zu tun haben oder ob wir ein überbelichtetes Stück Software geboten bekommen, wollen wir in unserer Review zum Game klarstellen!

Mach die Kamera bereit, wir gehen auf Safari!

Fotosafari-Spiele sind neu und im Grunde das Genre somit noch sehr unerforscht. Majesco traut sich und bringt mit Wild Earth: African Safari ein genau solches Spiel für die Wii auf den Markt. Sicherlich fragen sich die meisten Spieler nun, wie denn der Ablauf im Spiel aussieht und was man denn nun genau machen muss. Im Grunde geht oder fährt man im Spiel durch die Weiten der afrikanischen Savanne und fotografiert Tiere. Die meiste Zeit läuft der Spieler, in der ein oder anderen Mission darf man jedoch auch Passagier eines Hubschraubers sein und bewegt sich dann wie bei einem Rail-Shooter und hat lediglich die Kontrolle über sein Sichtfeld. Wie genau der Spieler dabei die Kontrolle übernimmt, bröseln wir im nächsten Teil unseres Berichts für euch auf!

Renn doch nicht so! Sonst hören dich noch die Tiere!

Man nehme Wii-Remote und stecke den Nunchuk an. Jetzt nur noch in die Hände nehmen und es kann losgehen mit dem großen Shooting. Gelaufen wird mit dem Analogstick, abgedrückt mit A, anvisiert mit der Wiimote als Pointer, B speichert das letzte Bild im Privatalbum ab und Plus/Minus, sowie C und Z dienen dem Hinein- bzw. Herauszoomen. Sehr simpel und somit sehr schnell zu erlernen und ideal für die kleinen Fotografen in der Familie. Das „Pointen“ funktioniert gut, lässt sich aber von der Empfindlichkeit in den Optionen leider nicht weiter einstellen. Diese bringen insgesamt auch nur eine magere Ausbeute an Möglichkeiten: Sound und die Helligkeit kann man individualisieren, danach sucht man vergebens nach weiteren Einstellungen. Genug von Technik und Einstellungen und nichts wie hin zum wohl heikelsten Thema aller Wii-Spiele – Grafik, Sound & Co.

So ein Strauß rennt schneller als du denkst!

Wo sollen wir anfangen? Gut, zuerst einmal gibt es was auf die Ohren. Leichte afrikanische Klänge im Hintergrund, realistische Tiergeräusche und auch die Umgebung klingt typisch afrikanisch. Besonders aufgefallen ist uns, dass man sogar beim Gehen verschiedene Geräusche erzeugt, so läuft man durch einen Sumpf und unter den virtuellen Schuhen erklingen entsprechende Sounds. Zu den guten Klängen der Umgebung und der Tiere kommt noch eine komplett deutsche Synchronisation, die wiederum für die Kleinen Fotografen, die noch nicht lesen können, sehr hilfreich ist und nicht in jedem Spiel zu finden ist. Leider müssen wir hier das Zuckerbrot in die Dose packen und die Peitsche auspacken. Grafisch bekommt man ein mittleres Dilemma geboten. Lieblose Texturen und scheinbar in die Landschaft geworfenes Wasser sind nur der Anfang. Die Tiere sehen alle sehr steif und unnatürlich aus, bewegen sich auch dementsprechend. Auch nicht gerade zu loben ist das Gameplay und die gesamte Umsetzung der Idee. Die Tiere reagieren zwar alle verschieden auf die Anwesenheit von uns, jedoch sind die Reizschwellen bei manchen Tieren so niedrig, dass man wirklich nur dürftige Bilder von ihnen schießen kann. Falls man einem Tier zu nahe kommt, greift dieses an und rennt uns hinterher. Da wir uns aber anscheinend die Schuhe von Sonic ausgeliehen haben, entkommen wir problemlos einem Strauß im vollen Sprint oder gar einem Leoparden.

Drama, Baby! Dramaaa!

Um euch mal einen Eindruck des Spiels zu vermitteln hier eine Runde Fotosafari in Afrika. Da es drei verschiedene Modi gibt, gehen wir einen nach dem anderen durch und beginnen im Singleplayer-Missions Modus. Zu Beginn steht leider nur eine Mission zur Verfügung, aber nach jeder erfolgreich gemeisterten bekommen wir eine neue hinzu spendiert. Da wir keine Wahl über unseren Charakter haben startet das Spiel auch sofort in der Savanne. Als Zielvorgabe bekommen wir am rechten oberen Bildschirmrand unser nächstes Motiv angezeigt und darunter einige Nebenmotive. Unsere Aufgabe ist es nun, das gesuchte Motiv zu finden und es abzulichten, dabei spielt die Qualität des Bildes keine Rolle, da es keine Punkte für Schönheit gibt, sondern nur einen Zähler, der die erfolgreich abgelichteten Ziele zählt. Die Mission ist beendet, wenn wir die Tiere zu sehr gestört haben oder eben die Mission absolviert wurde und es nichts mehr zu entdecken gibt. Unsere Bilder werden anschließend in einen Bericht eingearbeitet, der uns über das, was wir eben gesehen haben, ein wenig aufklärt. So wie der Singleplayer- läuft auch der Multiplayer-Modus ab. Der einzige Unterschied besteht darin, dass man nun mit bis zu vier Spielern auf Safari geht. Damit jeder einmal fotografieren darf, wird nach jedem erfolgreich abgelichteten Ziel der Fotograf gewechselt. Zur Auswahl stehen hier die bereits im Singleplayer freigeschalteten Missionen. Als kleinen Bonus haben sich die Entwickler kleine Arcade-Games einfallen lassen, die man jedoch nur bekommt, wenn man bestimmte Ziele fotografiert hat. So kann man sich als Elefant mit Waschanlagenfunktion versuchen und möglichst viele Tiere vom fiesen Dreck befreien oder als Flamingo eine Runde tanzen. Ganz nett gemacht und ein toller Zusatz, jedoch kann auch dieser den Karren nicht aus dem Wüstendreck ziehen.

Fazit

Eigentlich steckt hinter Wild Earth: African Safari ja eine wirklich gute Idee. Leider hat man an der Umsetzung zu sehr auf die Casual-Tauglichkeit geachtet und somit alle Finessen, die man hätte einbauen können, in die Tonne geworfen. Wenn ich nur daran denke, was man nicht alles hätte einbauen können, von verschiedenen Objektiven bis hin zu anspruchsvolleren Missionen, so sehe ich ein gelungenes Gesamtbild vor meinem geistigen Auge. Leider werde ich wieder aus meinem Tagtraum gerissen und bekomme kein Hochglanz-, sondern stattdessen ein Polaroid-Bild geboten, welches man am liebsten nie entwickelt hätte. Also noch einmal ein klarer Aufruf meinerseits an die Entwickler: Liebes Majesco-Team! Hinsetzen, mehr Gameplay-Finessen reinpacken, grafisch deutlich mehr aus der Wii heraus kitzeln und nicht unbedingt auf ein „Empfehlenswert!“ von der Zeitschrift „Familie&Co.“ hinarbeiten, sondern mindestens auf einen Bronze-Award bei Wii Insider. Wenn diese Anmerkungen beachtet werden, dann wird aus den laschen drei Punkten schnell mal acht.
Wer die große Fotosafari unbedingt erleben möchte, der gräbt lieber die gute alte GameBoy-Cam aus und geht damit im heimischen Garten auf Marienkäfer-Jagd. Wer jedoch Kinder daheim hat und auf familientaugliche Unterhaltung an der Konsole Wert legt, der kann bedenkenlos zugreifen, sollte aber wie erwähnt kein tiefgründiges Gameplay erwarten.

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