Testbericht: Shaun White Skateboarding

Tony Hawk ist der Name, an dem keiner im Skatesport vorbei kommt. Shaun White ist der Name, der wohl jedem Snowboarder ein Begriff sein sollte. Aber was flattert denn da in die Redaktion? Nanü? Shaun White Skateboarding? Der Rotschopf macht sich nun also auch auf, den Asphalt zu erobern. Ob er lieber hätte in den Bergen bleiben sollen oder ob er vom Absturz von Tony Hawk Ride profitiert, das lest Ihr hier.

Just another Skate-Game?

Während es bis Ende der 90er noch einige verschiedene Skate-Games gab, die um die Gunst der Spielerschaft warben, ohne gleich einen großen Namen im Titel zu präsentieren, so kam man bis auf wenige Ausnahmen in den letzten 12 Jahren kaum um den Namen Tony Hawk herum. Dass aber der Schneekönig Shaun White auf dem Skateboard ebenfalls eine hervorragende Figur abgibt, ist vielleicht nicht jedem bekannt. Aber so liegt es nahe, neben der erfolgreichen Snowboard-Reihe nun auch mit Shaun White Skateboarding ein Skate-Spiel auf den Markt zu bringen. Übrigens sei an dieser Stelle angemerkt, dass Shaun White ein guter Freund von Tony Hawk ist und sogar für dessen eigenes Team „Birdhouse“ als Fahrer engagiert wurde. Ob er seinen Chef auf dem Videospielemarkt nun übertreffen kann?

Wie ein Skate-Spiel abläuft dürfte mittlerweile jedem Konsolen- und PC-Besitzer bekannt sein, aber wie ist es verpackt? Zu Beginn werdet Ihr mit einem netten Comic-Filmchen auf die Handlung vorbereitet. Shaun und seine Freunde besuchen einen gemeinsamen Kumpel in einem kleinen Küstenstädtchen. Dort angekommen, bietet sich den Jungs und Mädels aus Whites Clique ein Bild der Tristesse. Es sind keine Menschen auf den Straßen und alles wirkt grau in grau. Von Eurem Kumpel erfahrt Ihr, dass der neue Bürgermeister der Stadt sämtliche Attraktivität genommen und sie scheinbar zur Hochburg des Vorbildspießertums ernannt hat. Der Radiosender Eures Kumpels wurde geschlossen, weil er die Kids mit seiner (natürlich lauten und bösen) Skatepunk-Mucke vom Lernen abhalten würde. Hier beginnt die Story des Spiels. In einem Zeppelin, der über der Stadt kreist, soll die Radiostation als Piratensender wieder aufgebaut werden. Ihr helft natürlich dabei, in dem Ihr skatet wie ein junger Gott … ab jetzt wird´s albern? Richtig!

Shaun White hat viele Neider und es wird ihm ja schon immer nachgesagt, dass die Leute, die auf seinen Snowboard-DVDs zu sehen sind, nicht seine wirklichen Freunde wären. In Wirklichkeit würde er ja nur behaupten, dass er viele Freunde hätte und die Jungs die mit ihm abhängen würden alle bezahlt werden. Man sollte sich ja bekanntlich nicht die Zunge bei so einem Thema verbrennen, wenn man keinen Blick hinter die Kulissen werfen kann – allerdings wirkt auch der Plot bei Shaun White Skateboarding dermaßen verkrampft cool, dass man den Protagonisten immer wieder den Stock aus dem Hintern ziehen möchte. Das alles wirkt wie ein bisschen wie „Fünf Freunde“, nur nicht so spannend – aber dafür gespickt mit dem Sprachbaukasten für US-amerikanische Political & Youth Correctness, garantiert ohne Piep-Wörter.

Bunt und übertrieben

Allerdings reißt das Gameplay doch einiges raus! Zu Beginn sucht man sich einen von vier möglichen Skatern aus – bis zu acht weitere spielt man sich im Laufe des Story-Modus frei. Während des Spiels kann man jedoch jederzeit wechseln. Das Tutorial ist, wie mittlerweile bei fast jedem Game üblich, in die Story eingebettet. So lernt Ihr anfangs erst einmal das normale Fahren und wie ein Ollie funktioniert. Mit der Zeit kommen Grinds, Manuals und die verschiedenen Flip- und Grabtricks dazu. Gesteuert wird mittels Wiimote und Nunchuk – oder Ihr nehmt noch das Balance Board dazu. Die Steuerung via Board ist jedoch enttäuschend, da man zum Lenken und für die meisten Tricks trotzdem die beiden anderen Controller braucht. Das BB selbst ist nur für die Ollies und die Balance bei Grinds zuständig, und das wird öde auf Dauer. Ohne Board macht die Steuerung jedoch Spaß genug. Hin und wieder ist aber die Kollisionsabfrage etwas daneben. Bei Unebenheiten kann es passieren, dass Euer Skater einfach eine 90° Drehung hinlegt und nach rechts oder links weiter fährt. Aber ansonsten hat das Gameplay einen schönen Flow, auch wenn ein Tennisarm drohen kann durch das fleißige Geschüttel um das Board mächtig oft in der Luft zu flippen.

Was unterscheidet Shaun White Skateboarding nun von der Flut an Tony Hawk-Spielen, die uns die letzten Jahre mal mehr und mal weniger begeistert haben? Mir ist sofort ein Vergleich eingefallen: FIFA und PES! Während FIFA die realistischere Simulation der beiden Games ist, so merkt man PES an, dass es aus der Halle kommt und immer noch in erster Linie auf Geschwindigkeit und Action ausgelegt ist (zumindest auf den HD-Konsolen). Shaun White Skateboarding ist das PES der beiden sozusagen. Die Tricks, die Ihr vollführen könnt, sind zum Teil gnadenlos übertrieben – aber es macht Spaß! So skatet Ihr in einem Level in fünf riesigen Satellitenschüsseln und vollführt Sprünge in einer Höhe, dass ein 20-facher Kickflip kein Problem darstellt. Die Areale, in denen Ihr mit dem Board unterwegs seid, sind zum Teil beeindruckend groß geraten und laden zum Cruisen ein. Durch sogenannte Transformationsfelder ist es Euch sogar möglich, die Umgebung zu gestalten. Überfahrt Ihr ein solches Feld in der angezeigten Richtung, so verwandelt sich ein trister Steinblock auf einmal in eine bunt besprayte Quarter oder ein großer ungenutzter leerer Platz versinkt im Erdreich und es erscheint ein Pool, der sich gewaschen hat. Überall auf der Map befinden sich Challenges und Trainingseinheiten, die es zu bestehen gilt. Zur Belohnung wird ein neuer Musiktrack, ein Board oder Klamotten freigeschaltet. Manche Challenges müsst Ihr bestehen, um im Level weiter zu kommen. In jeder Challenge gibt es eine Mindestleistung, die es zu erfüllen gilt – z. B. führe einen Grind über 250m aus und erreiche dabei 500 Trickpunkte. Die Mindestleistungen um weiter zu kommen, sind in der Regel leicht zu bewältigen. Der eigentliche Anreiz liegt daran den Bonus zu erreichen, für den man dann vielleicht 350m grinden und dabei 1.250 Trickpunkte erzielen muss. Die Belohnungen dafür unterscheiden sich nur geringfügig von den anderen, aber das Ego will ja auch gefüttert werden!

Als Goodie gibt es noch die Möglichkeit, im ganzen Areal Sticker einzusammeln für die es auch wiederum Belohnungen gibt. Diese sind teilweise ganz schön knifflig positioniert und stellenweise muss man auch mal eine Weile überlegen und probieren, wie man diese erreichen kann. Jedes Level, das beendet ist, kann danach frei durchskatet werden nach Lust und Laune. So jagt Ihr Euer Board über Schul- und Bahnhöfe oder Ihr verwandelt das Museum des Bürgermeisters in eine überdimensionierte Skatehall. Oder Ihr rast einen trocken gelegten mit Rampen gespickten Kanal in Höchstgeschwindigkeit hinunter. Dabei springt Ihr so hoch, dass Ihr Grinds auf Rails in schwindelerregender Höhe durchführen könnt. Auf das „Schmerzsystem“ mit den Arztkosten von Tony Hawk wird verzichtet – ein Sturz tut zwar virtuell weh, aber hat keine Folgen für Eure Punkte.

Einen Multiplayer-Modus gibt´s auch, mit verschiedenen Varianten. Entweder Ihr messt Euch im Downhill, sammelt Trickpunkte um die Wette oder Ihr markiert Gebiete und bekommt dadurch Punkte. Dabei handelt es sich um eine Art „Capture the flag“, allerdings mit mehreren Flags. Alle Multiplayer-Modi sind im vertikalen Splitscreen zu zocken. Leider wird der Spaß zu zweit durch die extrem herunter gerechnete Grafik gemindert. Von den meisten Wii-Spielen kennt man das jedoch. Es ist zwar besser als Geruckel – trotzdem macht Shaun White Skateboarding alleine mehr Spaß. Ein Onlinemodus hätte dem vielleicht Abhilfe geschafft, doch leider wurde darauf verzichtet.

Grafik & Sound

Die Grafik des Spiels ist wirklich in Ordnung für unsere Verhältnisse und auch die Animationen sehen gut aus – vom unlogischen Fahrverhalten bei den bereits genannten Fehlern in der Kollisionsabfrage mal abgesehen. Die Umgebung wirkt zwar etwas arm an Details, durch die Story mit der „langweiligen Stadt dank bösem Bürgermeister“ wirkt das aber auch authentisch! Der Sound lebt natürlich von dem wirklich guten Soundtrack. Viele Bands mit großen Namen haben sich versammelt: Green Day, Kiss, Red Jumpsuit Apparatus, Franz Ferdinand oder gar Kool & the Gang. Aber auch unbekanntere Bands geben in erster Linie Gitarrensound auf die Ohren, der nie unangenehm wird. Dieser schallt über den Radiosender aus den Speakern und durch die Zwischenansagen werdet Ihr darüber unterrichtet, welchen Schwachsinn sich der Bürgermeister wieder ausgedacht hat. Ihr habt auch die Möglichkeit Euch Tracks zu wünschen – die bekommt Ihr dann mit einer schönen Ansage im laufenden Programm spendiert.

Fazit

Wer ein gutes Skateboard-Spiel der klassischen Machart haben möchte, das trotzdem ein paar Neuerungen bieten kann, der sollte bei Shaun White Skateboarding ruhig zugreifen. Ubisoft hat eine gute (und einfachere) Alternative zu Konkurrenztiteln auf die Beine gestellt. Ölt Eure Kugellager und ab aufs Brett!

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