Testbericht: Okami

Bereits 2006 erfreuten sich die Sony-Spieler des als „Zelda der PS2“ betitelten und hochgelobten epischen Abenteuers namens „Okami“ aus dem Hause Capcom. Ob das Spiel im Revier seines erklärten Vorbilds aus Hyrule diesem das Wasser reichen kann? Wir haben für euch den Pinsel geschwungen und uns in Wolfgestalt nach Nippon begeben.

Auf nach Nippon!

Die Playstation 2-Version des Spiels wurde damals von den mittlerweile geschlossenen Clover-Studios entwickelt. Für die Portierung der Wii-Version zeichnen, im wahrsten Sinne des Wortes, die Entwickler von Ready at Dawn verantwortlich. Inhaltlich bietet die Wii-Version dabei nichts Neues sondern wurde 1:1 auf Nintendos Konsole übertragen. Neu hingegen ist die Steuerung, denn die Bewegungssensorik der Wii-Remote hat hier einen besonderen Stellenwert eingenommen. Eine weitere, jedoch geringere Änderung erfuhr die Optik des Titels. Aber alles der Reihe nach…

In Okami schlüpft der Spieler in die Rolle der wiedergeborenen Sonnengöttin Amaterasu und erkundet fortan in Wolfsgestalt das Land Nippon. In jenem Land wurde laut einer Sage vor 100 Jahren der dämonische Lindwurm von einem wagemutigen Helden namens Nagi bezwungen – mit an seiner Seite im Kampf ein scheinbar heiliger Wolf. Im heutigen Nippon, wobei „heute“ einer mittelalterlichen Darstellung Asiens gleicht, scheint sich wieder etwas Böses anzudeuten, denn weite Landstriche des Landes sind von dämonischer Energie verseucht und schnell wird klar, dass der Lindwurm zu neuer Stärke gefunden hat. Die göttliche Wölfin ist jedoch noch nicht in vollem Besitz ihrer Kräfte. Sie, bzw. der Spieler, muss nach und nach göttliche Pinseltechniken erlernen, mit dessen Hilfe Nippon vom Bösen befreit werden kann. Hierzu müssen vor allem ausgedorrte Bäume, welche allesamt Sprösslinge des heiligen Baums darstellen, durch eine bestimmte Pinseltechnik zum Wiedererblühen gebracht werden, damit die angrenzenden Landschaften wieder mit neuem Leben erfüllt werden. Ganz alleine ist Amaterasu auf diesem abenteuerlichen Trip jedoch nicht, denn ein kleiner vorwitziger Floh namens Issun, der sich selber als „wandelnder Künstler“ bezeichnet, nistet sich im göttlichen Fell ein. Dieser kleine Gefährte, der unsere Göttin gerne und oft als Fellknäuel oder einfach „Ammy“ betitelt, hat eine recht große Klappe und übernimmt auf der Reise durch Nippon die Wortführung, denn die weiße Wölfin ist der Sprache nicht mächtig, sondern kann sich nur durch tierische Laute mitteilen. Wo wir schon anfänglich von Zelda sprachen sei hier kurz erwähnt, dass Issun eine vergleichbare Rolle wie etwa Midna oder Navi einnimmt und dem Spieler im Verlaufe des Abenteuers, vor allem zu Beginn, die Feinheiten der Spielmechanik näher bringt.

Eine rollenspielartige Komponente erhält Okami durch die Möglichkeit, die Fähigkeiten der Wölfin aufwerten zu können. Durch jegliche Reaktivierung der Nippon-Natur erhält Amaterasu Glückselemente. Ebenso lassen sich diese durch das Füttern wilder Tiere verdienen. Die gesammelten Glückselemente können dann investiert werden. Möglich ist das Hochleveln der Lebensenergie, das Fassungsvermögen der Tinte für den Pinsel etc.

Nichts für Einfaltspinsel

Kommen wir noch mal auf die göttlichen Pinseltechniken zu sprechen, die eine mehr als wichtige Rolle im Spiel einnehmen. Insgesamt gibt es beachtliche 13 Techniken an der Zahl, die im Verlauf des Spiels erlernt werden. Hier handelt es sich teils um Pinselstriche, mit denen beispielsweise ein Tag- und Nachtwechsel herbeigeführt werden kann, aber auch Angriffstechniken erleichtern die weitere Reise durch Nippon. Um diese Pinseltechniken anzuwenden wird der B-Knopf gehalten – die Landschaft verfärbt sich nun in einen Braun- bzw. Sepia-Ton und stellt eine Art Leinwand dar. Mit Drücken des A-Knopfes und gleichzeitiger Bewegungen der Wii-Remote lässt sich nun Tinte auf die Leinwand auftragen. Um einen Angriff auszuführen oder Gegenstände zu zerteilen reicht ein schnell ausgeführter, waagerechter Strich. Um das Tageslicht herbeizuführen wird ein Kreis in den Nachthimmel gezeichnet und um kaputte Brücken o.ä. reparieren zu können, muss eine Art Wischtechnik verwendet werden. Dies aber nur ein paar wenige Beispiele, im weiteren Verlauf gesellen sich viele weitere nützliche Techniken zum Repertoire.

Mit den Pinseltechniken sind wir zwangsläufig bei der Steuerung gelandet. Wird die Landschaft nicht gerade in eine Leinwand verwandelt und bepinselt, so lässt sich Amaterasu per Analogstick des Nunchuk-Controllers kontrollieren. Sprünge absolviert die Wölfin per A-Knopf. Bei erhöhten Ebenen kann an der Wand nochmals per Drücken von A ein weiterer Sprung ausgeführt werden. Mittels dem digitalen Steuerkreuz lässt sich die Kameraeinstellung adjustieren und per 2-Knopf heraus- bzw. hineingezoomt werden. Der Z-Knopf des Nunchuks dient zur Gesprächsaufnahme, der 1-Knopf der Remote zum Überblenden der aktuellen Karte. Mit dem Plus-Knopf gelangt man in das Menü bzw. kann Cut-Szenen überspringen. Wird die Wii-Fernbedienung ruckartig bewegt, so führt Ammy eine Stoßattacke aus. Gerät die Wölfin in einen Kampf, so lässt sich durch die Schlagbewegung die primäre Waffe einsetzen. Der Z-Knopf aktiviert die Abwehrfunktion und mittels Bewegungen des Nunchuks können Ausweich-Manöver ausgeführt werden, wobei diese recht schwierig sind. Insgesamt funktioniert die Steuerung zwar gut, manche Pinseltechniken benötigen allerdings einige Übung, sodass man gerade anfangs das ein oder andere Mal fast verzweifeln könnte.

Grafik und Sound

Die Grafik von Okami wirkt durch seine spezielle Cell-Shading-Optik und dem asiatischen Stil wie eine riesige, scheinbar nie endende bemalte Leinwand. Die Charaktere sind sehr individuell gestaltet und verleihen den Figuren einen ganz eigenen Charme. Das riesige Nippon ist wunderschön gestaltet und wenn Amaterasu mit dem Pinsel der dämonisch verseuchten Landschaft zu neuem Leben verhilft, rollt regelgerecht eine Welle aufblühender Pflanzen durch das Land und lässt die Natur erstrahlen. Ebenfalls märchenhaft sind die Füttersequenzen mit den wilden Tieren sowie Göttersequenzen bei Erlernen neuer Techniken. Hier hat man schon teilweise das Gefühl, dass das Spiel eher als Kunstwerk denn als Videospiel zu bezeichnen wäre. Zwar bietet die PS2-Version zusätzlich einen ganz eigenen Filter, welcher über das Geschehen gelegt wurde, die Wii-Version hingegen verzichtet darauf, kann aber mit kräftigeren Farben, 480p und einem echtem 16:9-Modus punkten.

Auch in Sachen Sounddesign ist Okami ein Vorzeigetitel. Die schönen asiatischen Klänge und Musikstücke verleihen dem Spiel eine tolle Atmosphäre und sind stets passend zur aktuellen Spiel-Situation. Auch die Soundeffekte sind hervorragend gelungen und tragen ihren Teil zum Spielerlebnis bei. Einzig zu bemängeln die fehlende Sprachausgabe, die lediglich durch Laute ersetzt wurde, welche aber letztendlich nur Kauderwelsch ergeben. Bei diesem doch recht textlastigen Spiel wäre dies noch wünschenswert gewesen – das Sahnehäubchen sozusagen.

Fazit

Die Veröffentlichung der Wii-Version von Okami wirkt fast so, als hätte das Spiel regelgerecht auf Nintendos Konsole gewartet um sein volles Potential entfalten zu können. Die Steuerung des Pinsels mittels Wii-Remote ist einfach wie geschaffen für diesen Titel. Die eigentliche Story des Spiels war vor rund anderthalb Jahren bereits spannend und ist es selbstverständlich heute immer noch – dazu die wunderschöne Optik und der tolle Soundtrack fesseln den Spieler vor die Konsole. Ein episches Abenteuer mit gut 20 Stunden Spielzeit, jedoch mit einem sehr fairen Schwierigkeitsgrad. Profis werden zu jedem gestellten Rätsel schnell eine Lösung finden und auch die Kämpfe bringen den Spieler nie wirklich in ernsthafte Gefahren. Selbst die Kampfstrategien in Bosskämpfen sind schnell gefunden, sodass man dem Spiel am Ende vielleicht vorwerfen könnte, den geübten Spieler nicht genug zu fordern. Einem Zelda kann Okami unter dem Strich daher nicht ganz das Wasser reichen. Dennoch, der Gesamteindruck ist einfach mehr als gelungen und kann allen Freunden epischer Action-Adventures nur ans Herz gelegt werden. Okami ist ohne jeden Zweifel ein Pflicht-Titel in jeder Wii-Sammlung.

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