Testbericht: Karate Phants: Gloves of Glory

Dass bekannte Namen nicht immer für die Umsetzungen guter Videospieler stehen, ist jedem bekannt, der schon einmal einen Lizenztitel zu einem Kinofilm gespielt hat. Diese glänzen oftmals mit nicht vorhandener Qualität und verursachen mehr Frust als Lust am Spielen. Wie sieht es aber nun aus, wenn ein berühmter deutscher Komiker an der Entwicklung eines Titels beteiligt war? Otto Waalkes ist der involvierte Komiker und „Karate Phants: Gloves of Glory“ heißt das mit ihm zusammen entwickelte Spiel. Wir haben die virtuellen Fäuste für euch geschwungen und das Spiel auf Herz und Nieren getestet…

Jetzt gibt es was auf den Rüssel!

Die Idee an sich ist ja nicht schlecht: Otto Waalkes war von Nintendos Wii selbst so begeistert, dass er unbedingt ein Game dafür entwickeln wollte. Zusammen mit dem Hamburger Snap Dragon Studios machte er sich somit ans Werk und steckte offenbar viel kreative Arbeit in Karate Phants: Gloves of Glory. Seiner Vorstellung nach sollte es sich dabei um ein Game handeln, welches bereits Anfänger leicht erlernen können und womit jeder schnell und gut zurecht kommen sollte. Dass man sich im Endeffekt für ein Beat’em’Up entschieden hat, scheint auf den ersten Blick nur schwer nachvollziehen zu sein. Doch schon beim Start des WiiWare-Titels wird man schon bald mit ganz anderen, für den normalen Menschenverstand nicht nachvollziehbaren, Entscheidungen der Designer konfrontiert. Los geht es beispielsweise damit, dass der Spieler kein normales Menü zur Auswahl hat. Nach dem Drücken des A-Buttons folgt sogleich eine Charakterauswahl sowie anschließend die Wahl der zu spielenden Stage. Außerdem darf, sofern es gewünscht wird die Musik ausgeschaltet werden. Eine Controllerkonfiguration sowie Einstellung des Schwierigkeitsgrades gibt es nicht. Amüsant ist auch, dass zwar die Musik ausgeschaltet, aber nicht in der Lautstärke reguliert werden kann. Eine derartige Option für die Soundeffekte fehlt hier komplett.

Bevor sich darüber gewundert werden darf, wird der Spieler allerdings zuerst noch mit der mageren Auswahl aus gerade einmal fünf verschiedenen Ottifanten konfrontiert. Die Wahl fällt dabei nicht auf vielleicht aus der Trickserie bekannte Elefanten wie Mutti, Opa oder Baby Bruno, sondern auf stereotype Vertreter aus verschiedenen Ländern. Zur Wahl stehen für den geneigten Kämpfer ein chinesischer Ottifant mit langem Schnurrbart, ein amerikanischer Ottifant im Cowboy-Look, ein Japaner, ein Russe und natürlich ein deutscher Ottifant, der mit einem gelben Regenmantel an der Nordseeküste antritt. Die Ottifanten sind dabei zwar liebevoll von Otto Waalkes selbst entworfen worden, aber gerade einmal fünf Charaktere sind für ein Beat’em’Up natürlich definitiv zu wenig. In fünf Kämpfen tretet ihr mit eurem gewählten Protagonisten gegen die anderen elefantösen Kampfmaschinen an, bis ihr auf den finalen Oberboss in Form eines „Super-Fanten“ trefft, der ein T-Shirt mit einer großen „SF“-Aufschrift trägt. Habt ihr diesen besiegt, wird er als weiterer Charakter frei geschaltet. Führt ihr nun auch den „Super-Fanten“ zum Sieg, will als finaler Obermotz ein „WerFant“ verdroschen werden (Sonic lässt grüßen) und steht nach dessen Niederlage ebenfalls noch als spielbarer Charakter zur Verfügung. Die so auf sieben Fighter erweiterte Kämpferriege ist weiterhin extrem schwach, was den geringen Umfang des Games untermauert.

Damit es jedoch überhaupt erst einmal soweit kommt, muss man sich mit dem Gameplay von Karate Phants: Gloves of Glory genauer beschäftigen. Haltet euch jetzt allerdings fest, denn so etwas habe ich noch nicht erlebt! Dass auf den Nunchuk verzichtet wurde ist dabei nicht wirklich ungewöhnlich. Man könnte ja meinen, dass der Prügler vielleicht mit quer gehaltener Wiimote im NES-Stil gespielt werden könnte. Doch dem ist nicht so. Das Steuerkreuz kann euch nämlich vollkommen egal sein. Wie ihr euren Karate Phanten dann über den Screen steuern sollt? Gar nicht, denn euer Charakter läuft ganz von alleine. Ihr seid der Meinung, dass das gar nicht richtig funktionieren kann? Bingo! Doch damit nicht genug, denn für die Steuerung der Angriffe gibt es auch ein paar ganz tolle Ideen der Entwickler. Das Schlagen der Wiimote nach links und rechts soll entsprechende Faustschläge auslösen. Das Schwingen der Wiimote nach oben bedeutet einen Uppercut, ein Schwung nach unten einen Schlag mit dem Rüssel. Hält man den A-Button gedrückt, soll man einen Sprung vollführen können und der B-Button dient dem Blocken. Ich habe bewusst „soll“ geschrieben, denn in der Tat ist die Erkennung der Bewegungen für den Popo. In der Praxis hampelt euer Ottifant meist so über den Bildschirm, wie ihr es gerade nicht wollt.

Gezielte Treffer zu landen ist eine Glückssache, die euch schon nach wenigen Sekunden vor Frust die Wiimote in die nächste Ecker feuern lassen möchte. Ein Glück, dass wir beim Spielen immer brav die Handgelenkschlaufen anlegen, nicht wahr? Ein taktisches Gameplay, wie man es von einem guten Beat’em’Up erwarten können sollte, ist bei einer derart misslungenen Steuerung schlicht und ergreifend unmöglich. Selbst ein Rückzug in gefährlichen Situationen wird euch nicht gewährt, da euer Ottifant stumpf wieder in Richtung Gegner rennt. Der blanke Hohn ist letztlich die Spezialattacke der einzelnen Kämpfer. Haltet den A- sowie B-Button gedrückt und schwingt die Wiimote wie ein Lasso. Euer Comic-Elefant schwingt daraufhin den Rüssel und sobald ihr die Buttons wieder los lasst, segelt er sich drehend über den Screen und landet einen sicheren Treffer. So könnt ihr relativ problemlos alle Gegner aus dem Weg räumen und ohne jeglichen spielerischen Anspruch den Titel durchspielen. Nur zu lange solltet ihr das Aufladen der Attacke nicht vollführen, sonst wird eurem Ottifanten schlecht und er kotzt euch in einer nett gemachten Animation vor die Füße. Dass die Animation eines kotzenden Elefanten das absolute Highlight eines Spiels ist, stellt eigentlich ein Armutszeugnis dar. Doch im Falle von Karate Phants: Gloves of Glory lässt sich sonst wirklich kein positiver Punkt am gesamten Game finden. Der Mehrspielermodus holt noch einen zweiten Spieler vor den Schirm, aber wie sagt man so schön? Geteiltes Leid ist halbes Leid und so dürfen sich immerhin gleich zwei menschliche Spieler über die verkorkste Steuerung ärgern.

Lachhaft?

Bewusst zum Lachen bringen wollte man die Spieler sicherlich nicht nur mit der animierten Elefantenkotze. Tatsächlich schmunzelt man aber eher über die nur aus wenigen Polygonen geformten Figuren auf dem Screen, die mangels funktionierender Steuerung und schlechter Kollisionsabfrage immer wieder aneinander vorbei hüpfen, ohne sich zu treffen. Die Animationen selbst sind bestenfalls nett geworden, mehr aber auch nicht. Die gerade einmal fünf Hintergründe sind arm an Details und wirken wie von vorgestern. Den beiden Bonuscharakteren wurden gleich gar keine eigenen Kampfarenen spendiert, was ebenfalls ziemlich schwach ist.

Die Krönung ist aber die musikalische Untermalung. Hier wurde ein einziges Musikstück komponiert, welches in jeder Stage läuft und lediglich den landestypischen Eigenheiten angepasst wurde. Während es vor deutschem Hintergrund mit einer Ziehharmonika gespielt wird, erklingt er vor der Freiheitsstatue als Countrysong. Spätestens ab der dritten Stage geht euch der Titel dann dermaßen auf den Keks, dass ihr wisst, warum ihr immerhin die Musik vor dem Starten des Spiels abstellen dürft. Die Soundeffekte selbst sind passabel. Die Stimmen der Ottifanten selbst wurden von Otto Waalkes persönlich eingesprochen, sind aber oft sehr undeutlich, so auch die Landessprache der Karate Phanten kaum zu verstehen ist. Zudem scheinen sich etliche technische Fehler in das Game eingeschlichen zu haben, da die Protagonisten mehrfach in den Siegesanimationen zwar ihre Lippen bewegen, aber man keine Stimme hört.

Fazit

Wie verzichtbar ein Titel sein kann, stellt Karate Phants: Gloves of Glory mit Bravur unter Beweis. Der Umfang ist mehr als mickrig, die Technik mit Fehlern behaftet und der Titel spielerisch eine absolute Katastrophe. Was als Game für Einsteiger gedacht war, entpuppt sich als absoluter Totalausfall, mit dem man nicht einmal seinen schlimmsten Feind länger als 15 Minuten quälen möchte. Selbst wer auf jeglichen spielerischen Anspruch verzichten kann findet locker ein Dutzend Titel, die mehr Spaß machen als dieser programmiertechnische Griff ins Klo. Wer hierfür also trotz unserer Warnung seine kostbaren Punkte investiert, hat definitiv eins auf den Rüssel verdient!

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