Testbericht

Need for Speed: Undercover

Wednesday, 26. Nov 2008, 10:39 Uhr | Autor: Markus Schnittka

Kurz vor Weihnachten ist die Release-Liste der Publisher in der Regel lang. Gegen Ende des Jahres werden noch einmal besonders viele Titel auf den Markt geworfen in der Hoffnung, dass möglichst viele von ihnen auch unter irgendeinem Weihnachtsbaum landen. Rennspielfans sollen dabei von Electronic Arts mit einem neuen Teil der „Need for Speed“-Reihe beglückt werden. „Undercover“ lautet dessen Untertitel und wir haben für euch herausgefunden, ob sich die Entwickler mit einer guten Leistung künftig noch auf die Straßen trauen können oder lieber selbst „Undercover“ unterwegs sein sollten...

Verdeckt ermitteln, Vollgas fahren!

Einst stand der Name Need for Speed unweigerlich für Qualität und man konnte darauf wetten, dass man mit einem Game dieser Reihe auch ein tolles Rennspiel in den Händen halten würde. Doch im Laufe der letzten Jahre war dies leider nicht immer der Fall. Zwar versuchten die Entwickler der Serie durch manch eine Idee frischen Wind hineinzutragen, ab und an ging dieser Schuss aber nach hinten los und gepaart mit technisch eher fragwürdigen Umsetzungen – immerhin musste ja stets jede Konsole bedient werden – bekamen die Spieler teils bestenfalls mittelprächtige Titel geboten. Dies soll nun mit dem neuesten Ableger Need for Speed: Undercover wieder besser werden, zumindest wenn man den Entwicklern von Blackbox Glauben schenken darf. Nachdem wir solche Versprechungen aber lieber auch auf der Konsole in die Tat umgesetzt sehen wollen, warteten wir gespannt auf die diesjährige Version des Rasers. Bereits im Vorfeld wurde dabei klar, dass man den im Vorgänger Need for Speed: Pro Street eingeschlagenen Weg nicht weiter verfolgen würde und man zurückkehren würde zu einer offenen Spielwelt, wie es beispielsweise im Teil Most Wanted der Fall war. Dies hängt damit zusammen, dass die jährlich erscheinende Serie mittlerweile von zwei verschiedenen Studios entwickelt wird, die sich abwechseln und somit jeweils nur alle zwei Jahre eine Version des Games auf den Markt bringt. Ob dies für mehr Qualität sorgt? Wenn man einen Blick auf die Version für die Playstation 3 wirft, dann sicherlich nicht, denn hier kämpft der Spieler weniger mit den Kontrahenten auf der Straße, sondern mit einer massiv einbrechenden Framerate. Darf man dank der ohnehin technisch weniger starken Wii nun eine absolute Katastrophe befürchten?

Nicht im Geringsten. Na, zumindest nicht vollkommen. Aber immer der Reihe nach. Ihr übernehmt in Need for Speed: Undercover die Rolle eines Polizisten, der in die Szene der Autoraser eingeschleust werden soll, um dort diverse Ermittlungen anzustellen – Undercover natürlich, daher auch der Name des Games. Um also nicht aufzufliegen und sich bei den Bossen in der Szene einzuschleimen, gilt es Rennen auszutragen, Jobs zu erfüllen und sich hin und wieder eine kleine Verfolgungsjagd mit den Cops zu liefern. Die Story ist nicht gerade innovativ und dürfte einem aus Streifen wie „The Fast & The Furios" bekannt vorkommen, wird aber in Realfilm-Sequenzen mehr oder weniger gelungen präsentiert. Im Titelbildschirm hat man nun die Auswahl, ob man im „Quickrace" nur ein schnelles Rennen mit verschiedenen Einstellungen brausen, sich in den Optionen austoben, eine Challenge-Serie fahren oder den Karrieremodus starten möchte. Letzterer ist natürlich das Herzstück des Games und deswegen richten wir darauf auch unser Hauptaugenmerk. Ihr fangt dabei im Stadtteil Harbor City in der offenen Spielwelt von Tri-City Bay an und könnt entweder die Stadt frei erkunden und euch die markierten Rennaufträge selbst suchen, bzw. euer GPS drauf ansetzen oder direkt über das Menü der Weltkarte eure nächsten Aufträge starten. Die Rennmissionen sind dabei vielfältig, doch im Grunde dem Kenner der Serie bereits bestens bekannt. In Sprintrennen fahrt ihr von einem Punkt zum anderen und müsst vor der Konkurrenz ins Ziel kommen. Auf Rundkursen braust ihr entweder in einer vorgegebenen Anzahl an Runden oder nach einer gewissen Zeit hoffentlich vor dem restlichen Feld ins Ziel. „Outrun" verlangt von euch, dass ihr die Konkurrenz auf eine bestimmte Distanz abhängt, vorbestimmte Kontrollpunkte wollen der Reihe nach durchfahren werden, ihr braust in einem Runden K.O. so lange, bis nur noch ihr als Sieger übrig seid oder ihr tretet zu einem Highway Battle an, welcher mit den aus den Vorgängern bekannten Canyon Battles vergleichbar ist.

Nachdem ihr euch logischerweise kaum an die vorgeschriebenen Tempolimits halten könnt und auch sonst den ein oder anderen Crash verursacht, zieht ihr früher oder später die Aufmerksamkeit der Cops auf euch. Tempoüberschreitungen, verursachte Unfälle und dergleichen mehr erhöhen dabei nicht nur eure Kopfgeld-Punkte, die euch Ansehen im Kreis der Ganoven bringen, sondern gleichzeitig auch eure Fahndungsstufe, welche die Intensität angibt, mit welcher die Cops euch nachstellen. Was in der Theorie dank einer angeblich verbesserten KI spannend klingt, wurde leider recht öde umgesetzt. Die Cops agieren nämlich keineswegs intelligenter als im Vorgänger, sondern treten einfach zahlenmäßig häufiger auf. Trotzdem landen sie immer wieder nahezu aus eigenen Stück in der Leitplanke oder auch mal im Gegenverkehr. Verursacht man selbst noch einen kleinen Unfall durch drehende Wagen von Passanten, hat man die Uniformträger meist schon schnell wieder abgeschüttelt. Wanted-Events befassen sich mit Auseinandersetzungen mit den Cops und müssen ebenfalls von Zeit zu Zeit absolviert werden. Entweder gilt es hierbei eine bestimmte Anzahl an Streifenwagen in Unfällen auszuschalten, eine vorbestimmte Schadenssumme zu verursachen oder einfach auf der Flucht den Cops ein Schnippchen zu schlagen und zu entkommen. Wer in der freien Welt unterwegs ist und sich dabei nicht an die Verkehrsregeln hält, kann ebenfalls die Polizei auf den Plan rufen und muss sich einer Verfolgungsjagd stellen. Storybedingt werden ab und an noch spezielle Missionen verlangt, wie beispielsweise einen gestohlenen Wagen unbeschadet ans Ziel zu bringen, Polizeisperren zu durchbrechen, den Köder für die Cops zu spielen und diese abzulenken während eure Gang entkommen kann und dergleichen mehr.

Für erfolgreich absolvierte Events gibt es nicht nur Geld, sondern auch Rangpunkte, mit denen nach und nach neue Events auf der Karte freigeschaltet werden. Bereits absolvierte Events können erneut gespielt werden, bringen euch dann allerdings nur noch Geld und auch hier selbst nur einen Bruchteil der ursprünglichen Kohle. Ist allerdings der Zaster knapp und man möchte unbedingt ein neues Auto kaufen oder die Tuning-Werkstatt besuchen, ist dies eine willkommene Möglichkeit um das Konto aufzubessern. An Vehikeln stehen in Need for Speed: Undercover insgesamt über 70 verschiedene Boliden zur Verfügung, die das Herz eines jeden Autofans höher schlagen lassen sollten und vom Nissan 240SX über einen Lamborghini Gallardo bis hin zum neuen Nissan 370Z reichen, der damit seinen ersten Auftritt in einem Videospiel feiert. Alle Fahrzeuge dürfen entsprechend getunt werden. Wäre es hier für die Motivation zum Weiterspielen gut gewesen, wenn man erst nach und nach verschiedene Optionen freischalten kann, hat sich Blackbox für einen anderen Weg entschieden. Von Anfang an stehen alle Tuningteile zur Verfügung, was meiner Meinung nach nicht gerade die Motivation erhöht. Die Tuningmöglichkeiten halten sich zudem in Grenzen. Immerhin sind die optischen Schmankerl recht nett ausgefallen, mehr als eine nette Spielerei ist es allerdings kaum. Das unterstreicht auch, dass der aus dem Vorgänger Carbon bekannte Autosculpt wieder mit dabei ist, der das Verformen der Autoteile ermöglicht. Einzig um eure Fahndungsstufe zu senken kann es mitunter hilfreich sein, eurer Karre eine andere Lackierung zu verpassen.

Auch wenn der Karrieremodus Veteranen der Serie keine großartigen Neuerungen bietet, so spielt sich Need for Speed: Undercover relativ angenehm. Ein Lob haben sich die Entwickler übrigens für die Integration der unterschiedlichsten Steuerungsvarianten verdient. Mit quer gehaltener Wiimote steuert sich das Game ähnlich wie Mario Kart Wii, nur leider am Anfang etwas schwammig und gewöhnungsbedürftig. Besser gelungen ist die Umsetzung mit der Kombination aus Wii-Remote sowie Nunchuk. Mit dem Gamecube- sowie dem Classic Controller stehen dem Spieler dann noch zwei weitere Varianten zur Verfügung, die in unserem Test ebenfalls überzeugen konnten. Dank der analogen Schultertasten macht die Steuerung mit dem Gamecube-Controller dabei den besten Eindruck. Insgesamt ist das Fahrverhalten der Boliden zwar alles andere als realistisch, doch selbst mit intensivem Einsatz von Handbremse und Nitro hat man in den meisten Situationen das Gefühl noch die Kontrolle über seinen Wagen zu haben. Absolut unverständlich ist dagegen, warum man die Pointerfunktion der Wiimote im Falle der Steuerung durch Remote und Nunchuk nicht integriert hat. Umständlich muss in den ohnehin recht kleinen Menüs mit dem digitalen Steuerkreuz navigiert werden, denn nicht einmal der Analogstick des Nunchuk reagiert auf eine Eingabe.

Wer mit drei Freunden zusammen antreten möchte, darf dies übrigens im Splitscreen-Modus machen, der die Teilnahme von insgesamt vier Spielern unterstützt und so trotz kleinem Bildschirmausschnitt immerhin kurzzeitig für Spaß sorgt. „Kurzzeitig" trifft übrigens auch auf den Spaß im Karrieremodus zu, denn nach guten sechs Stunden sind alle Missionen erfüllt und die fiktive Story ist beendet, was in unseren Augen etwas knapp ausgefallen ist. Dass man zudem einen Großteil der Areale nahezu 1:1 aus Need for Speed: Most Wanted übernommen hat, wird den Neueinsteiger nicht stören, stößt dem treuen Fan der Serie jedoch sicherlich übel auf.

Virtueller Crashtest

Eingangs wurde bereits erwähnt, dass die Version auf der Playstation 3 vor allem durch ihre schwächelnde Framerate zu kämpfen hat. Entgegen allen Befürchtungen ist dies in der Wii-Version nicht der Fall. Das Spielgeschehen läuft in nahezu jeder Sekunde absolut flüssig ab und man hat eigentlich keine Einbrüche der Framerate zu bemängeln. Dafür mussten natürlich technische Abstriche gemacht werden. Die Auflösung der Texturen erscheint in Need for Speed: Undercover ziemlich gering zu sein und generell wirkt die Optik des Titels sehr grobkörnig. Zudem befindet sich weniger Verkehr auf den Straßen als in der HD-Version und die Weitsicht hält sich ebenfalls in Grenzen. Mitunter poppen andere Fahrzeuge oder Gebäude am Straßenrand etwas unschön ins Bild. Außerdem fällt auf, dass die Stadt selbst absolut kahl und leblos wirkt. Passanten sowie andere Details am Fahrbahnrand sucht man vergebens. Auf der anderen Seite punktet man in Sachen Optik mit einem teils gelungenen Spiegeleffekt auf den Straßen sowie den Boliden selbst. Diese sind zudem ansehnlich modelliert und weisen immerhin ein sehr begrenztes Schadensmodell auf. Einige Lichteffekte sowie die insgesamt ansprechende Präsentation runden das Gesamtbild ab. Die versprochene Qualität aus Hollywood der Filmszenen wird übrigens nicht erreicht. Zwar ist es ein Fortschritt, dass nun an realen Schauplätzen gedreht wurde, dennoch wirkt die Darbietung von Akteuren wie Maggie Q oder Christina Millan eher unbeholfen und ist eher einem schlechten B-Movie nahe.

Beim Sound kann Need for Speed: Undercover erneut seine Trümpfe ausspielen. Die Serie ist bereits seit Jahren für ihren krachenden Soundtrack bekannt, der natürlich auch in der aktuellen Ausgabe punkten kann. Hinzu kommen größtenteils gelungene Soundeffekte und eine deutsche Synchronisation der Videosequenzen sowie der vielfältigen Funksprüche der Cops, die ihr im Spiel zu hören bekommt. Der Einsatz des Lautsprechers an der Wiimote zum Mithören des Polizeifunks quasi aus erster Hand wäre eine nette Dreingabe gewesen, die man sicher leicht hätte einbauen können. Diese Möglichkeit hat Blackbox allerdings verschenkt.

Fazit

Wer den ersten Schock nach dem Rennstart verdaut und sich nicht an der grob aufgelösten Grafik stört, kann mit Need for Speed: Undercover sicherlich seinen Spaß haben. Die Innovationen gerade im Vergleich zum Carbon-Teil halten sich zwar in Grenzen, wurden jedoch zum größten Teil ordentlich umgesetzt. Man bekommt vier verschiedene Steuerungsvarianten geboten, einen Splitscreen-Modus für vier Spieler und eine zumindest kurzfristig beschäftigende Karriere für Einzelspieler. Dass die Wii-Version flüssiger läuft als ihre große Schwester auf den HD-Konsolen, verdient ebenfalls Beachtung. Neueinsteiger in die Welt von Need for Speed können bedenkenlos einen Blick riskieren. Für Besitzer der Vorgänger lohnt sich die Neuanschaffung mangels echten Neuerungen dagegen kaum.

Bewertung

Need for Speed: Undercover

Packshot Need for Speed: Undercover
7.0
Redaktion
Grafik
Sound
Steuerung
Spielspaß
Multiplayer

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