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Spielen macht dumm, aggressiv oder fett! Die Assoziationen fallen gerade in der Öffentlichkeit öfter mal negativ aus. Dabei beweisen Lernspiele bereits seit vielen Jahren das Gegenteil. Power Mathe aus der Lernerfolg Grundschule-Reihe von Tivola schickt sich nun an, junge Wii-Spieler zu wahren Mathegenies zu trainieren.
Zocken mit Köpfchen
Eltern kennen das. Der Schultag war lang, die Konzentration ist dahin und eigentlich würden die Sprösslinge so ziemlich alles lieber machen, als nachmittags auch noch Mathe zu üben. Stift und kariertes Papier sind eben auch kaum spannender als eine Vollversammlung der Rentnerpartei. Lernspiele versuchen schon seit langer Zeit in diese Bresche zu schlagen – mit mehr oder minder großem Erfolg, denn immerhin werden die pädagogischen Konzepte dahinter stets weiterentwickelt. Lernerfolg Grundschule – Power Mathe basiert auf dem sogenannten „Mentalen Aktivierungstraining“ (MAT), welches schon Ende der 80er Jahre entwickelt wurde und vereinfacht gesagt einem simplen Prinzip folgt. Die Lernzeit wird in drei Phasen unterteilt: Aufwärmen, intensives Üben und gemächliches Abklingen lassen. Diesem Konzept folgend, stellt das Programm eine Vielzahl an Übungen zur Verfügung, die sich in ihrer Lernwirkung ergänzen sollen. Eine Gesamteinheit dauert dabei im Schnitt zwischen 15 und 25 Minuten, wobei sich Bewegungs- und Decksportaufgaben abwechseln. Da sich ein Lernspiel nicht mit unserem herkömmlichen Bewertungsraster beurteilen lässt, haben wir als Co-Testerin eine Grundschullehrerin herangezogen, um zu untersuchen, wie tauglich die Lerneinheiten für die entsprechenden Altersstufen sind.

Lernen mit System
Wie schon erwähnt, gliedert sich eine Einheit Power Mathe in drei
Phasen, wobei der Schwierigkeitsgrad für die erste bis vierte Klasse ausgelegt
ist und entsprechend gewählt werden kann:
1. Phase – Aufwärmen: Um die Konzentration für die darauffolgenden
Rechenaufgaben herzustellen, wird das Gehirn zunächst „aufgewärmt“. In dieser
etwa fünf Minuten dauernden Phase kommen einfache Denkspiele wie Memory zum
Einsatz, um Merkfähigkeit und logische Wahrnehmung anzuheizen und das Gehirn
gegen äußere Einflüsse abzuschotten. Der Schwierigkeitsgrad variiert dabei
spürbar mit der gewählten Altersstufe.
2. Phase – Intensivierung: Insgesamt neun verschiedene Rechenspiele enthält Power
Mathe, behandelt werden dabei alle vier Grundrechenarten. Die teils per
Pointer, teils mit Wii Remote und Nunchuk zu steuernden Spiele stellen auf
verschiedene Arten mathematische Aufgaben, die etwa mit einer Fahrt durch das
richtige Tor oder einem Basketballwurf beantwortet werden müssen. Die Gesten
sind äußerst einfach durchzuführen – eine einfache Wurfbewegung reicht, um den
Ball Richtung Korb zu befördern. Zeitdruck gibt es keinen, somit werden auch
rechenschwache Kinder nicht frustriert. Der Anspruch bewegt sich dabei eher auf
niedrigem Niveau der jeweiligen Klassenstufe. Wer also z.B. schon das Ende der dritten
Klasse besucht, sollte die entsprechende Spielstufe ohne größere
Schwierigkeiten meistern können, wohingegen frische Viertklässler auf ihrer
Altersstufe fordernde, aber lösbare Aufgaben finden.
3. Phase – Regeneration: Die dritte Phase basiert auf dem Gedanken, dass das
Gehirn nach Ende der Trainingseinheit nicht sofort wieder in den Leerlauf gehen
soll. Stattdessen wird in der Schlussphase mit einfachen Logikübungen, die
nicht immer mit Mathematik zu tun haben müssen, eine gemächliche Entspannung
herbeigeführt. Hierbei müssen etwa Fehler in gegenüber gestellten Bildern
gefunden oder Zahlen in die richtige Reihenfolge gebracht werden. Wirklich
fordernd sind diese Aufgaben auch für Kinder nicht, führen dafür aber
abschließend noch einmal zu Erfolgserlebnissen. Hierbei gibt einem Vampir
Freddy auch noch einmal Tipps rund um das eigene Lernverhalten – etwa welche
Lernzeit angemessen ist oder wie man sich darauf vorbereitet. Der Blutsauger
begleitet den Spieler darüber hinaus durch das gesamte Programm, ähnlich dem
Alien Addy aus der gleichnamigen Lernspielserie und sorgt für eine
Personifizierung des trockenen Themas Mathematik.

Fazit
Ein Urteil über Lernerfolg Grundschule – Power Mathe zu fällen, ist nicht ganz einfach. Die Übungen sind durchdacht und im Anspruch angemessen, insofern erfüllt das Programm sein Ziel. Ob Kinder im Einzelfall mit dem virtuellen Lernen auch Spaß haben, ist natürlich individuell unterschiedlich. Der beste Effekt stellt sich jedoch ein, wenn das Spiel zusammen mit einem Elternteil genutzt wird, um Erfolgserlebnisse auch sozial zu reflektieren. Grafisch und spielmechanisch ist Lernerfolg Grundschule – Power Mathe auf solidem Niveau und kann daher Lernspielinteressierten bedenkenlos empfohlen werden.
Auf eine abschließende klassische Bewertung verzichten wir, da es sich hierbei um eine Lernsoftware und nicht um ein Spiel handelt.
Vielen Dank an Daniela Abb für die Unterstützung bei der Beurteilung des Spiels.

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