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Tulpen aus Amsterdam in 3D – Die Nintendo 3DS-Preview

Thursday, 20. Jan 2011, 15:25 Uhr | Autor: Christian Leuenberg
Der Nintendo 3DS – in Amsterdam bereits spielbar und ab dem 25. März im Handel.

Ach ja, was war das noch für eine Zeit, damals, Mitte der Neunziger Jahre. Der japanische Hersteller Nintendo kommt doch tatsächlich auf die wahnwitzige Idee, eine 3D-Konsole auf den Markt zu werfen. Doch die verwendete Technologie war einfach nicht massenmarkttauglich. Nun, im Jahre 2011, folgt der zweite Versuch von Nintendo, den Markt mit einem 3D-Gerät zu erobern.

Und ja, die Technik ist mittlerweile soweit fortgeschritten, dass nichtmals mehr eine Brille vom Spieler getragen werden muss. Alles läuft auf einem augenscheinlich „normalen“ Display ab. Ziemlich abgefahren, was? Um dieses neue Handheld der europäischen Fachpresse vorzustellen, lud Nintendo nach Amsterdam ein, um neben einer Pressekonferenz zudem zahlreiche Titel in spielbarer Form zu präsentieren.

Spielerische Offenbarung?

Namhafte Hersteller und ebenso namhafte Franchises füllen die Release-Liste des 3DS. Hier können wir lustig aufzählen: Capcom mit Super Street Fighter IV 3D Edition und Resident Evil: The Mercenaries 3D, Konami mit PES 2011 3D, Namco Bandai mit Ridge Racer 3D, Tecmo Koei mit Dead or Alive Dimensions und Samurai Warriors: Chronicles, Electronic Arts mit Die Sims 3, Sega mit Super Monkey Ball 3D, Ubisoft mit Rabbids 3D und Asphalt 3D sowie LucasArts mit LEGO Star Wars III: The Clone Wars. Dazu dann noch die Nintendo-eigenen Spiele wie Nintendogs + Cats, Pilotwings Resort, Kid Icarus: Uprising, Mario Kart, Paper Mario, Star Fox 64 3D, The Legend of Zelda: Ocarina of Time 3D. Eine beachtlich überwiegend wohlklingende Liste also. Aber was steckt nun hinter dieser? Ein Großteil dieser Spiele, als auch noch weitere, waren auf dem Preview-Event bereits anzuspielen. Klar, wer den 3D-Effekt vorher noch nicht erlebt hat, der wird zunächst höchst erstaunt sein. Aber nun machen wir mal folgendes Experiment: Wir regeln den 3D-Schalter komplett herunter um den optischen Effekt zu entfernen. Und nun stellen wir durch die Bank fest, dass alle Games keinerlei Gameplay-Offenbarungen darstellen. Alle Spiele könnten genauso problemlos auf dem alten DS erscheinen – gut, abgesehen vom Slidepad und der leicht verbesserten Optik. Aber inhaltlich wird keinerlei Gebrauch des 3D-Effekts gemacht. Interessant wurde es da eher bei den Augmented-Reality-Spielen, also „erweiterte Realität“. Hier kommt dann die Kamerafunktion, ebenfalls 3D dank zwei verbauter Kameras, zum Einsatz und zusätzlich werden in das Live-Bild Elemente von der Software hineingerechnet. So kann beispielsweise eine spezielle Spielkarte fokussiert werden, aus der dann eine ganze Spielwelt entsteht. Bewegt man sich mit dem 3DS, so bewegt sich auch diese erweiterte Welt auf dem 3D-Screen des Geräts. Aber, hier hat Nintendo das Rad auch nicht unbedingt neu erfunden, denn bereits 2006 konnte der Handheld Gizmondo ebenso mit AR-Sofware aufwarten. Im Unterschied ist Nintendos Gerät jedoch natürlich in der Lage, das Bild in 3D wiederzugeben.

3D-Bildschirm – ohne Standfüße und Taucherbrille

Der 3D-Bildschirm des 3DS verrichtet eine enorme Leistung – um den 3D-Effekt wahrzunehmen ist, wie bereits erwähnt, keine zusätzliche Brille erforderlich. Aber hier liegt der Nintendog begraben, denn das Display, oder vielmehr das menschliche Auge, reagiert extrem empfindlich auf die leichtesten Kippbewegungen – schon verfällt der 3D-Effekt. Schlimmer noch, der Spieler glaubt kurzzeitig einen Knick in der Optik zu haben. Da macht ein Spiel wie Super Monkey Ball 3D mit Bewegungs- bzw. Kippsteuerung schon allein auf dem Papier keinen Sinn – Sega bringt's trotzdem auf den Markt.

Fazit

Ihr merkt schon, der Autor dieser Zeilen war nicht sonderlich begeistert von den spielerischen Eindrücken in Amsterdam. Immerhin ist festzustellen, dass Capcom mit Resident Evil die grafische Referenz setzt auf dem 3DS, dass Nintendo immerhin seiner spielerischen Qualität treu bleibt, selbst Hardcore-Franchises mit einem Casual-Ansatz daherkommen und Namco mal wieder mit einem obligatorischen Ridge Racer am Start ist. Aber es hätte doch eigentlich noch viel schöner sein können. Ein deutlich unempfindlicherer 3D-Bildschirm oder gar spielerische Innovationen, wie man sie von Nintendo 1995 mit dem Virtual Boy noch erhalten hatte. Da bleibt nur noch zu hoffen, dass man diese leider gescheiterte Konsole via Virtual Console spielen kann … irgendwann.

Eindrücke vom Event in unserer Bildergalerie

Der Nintendo 3DS erscheint in Deutschland am 25. März 2011 für ca. 249 Euro. Jetzt vorbestellen in Schwarz oder in Aqua Blau.

Kommentare

Avatar1. zoora am Thursday, 20. January 2011, 22:14:44 Uhr Re:
"... Aber nun machen wir mal folgendes Experiment: Wir regeln den 3D-Schalter komplett herunter um den optischen Effekt zu entfernen. Und nun stellen wir durch die Bank fest, dass alle Games keinerlei Gameplay-Offenbarungen darstellen. Alle Spiele könnten genauso problemlos auf dem alten DS erscheinen ..."

Ich habe zwar noch nicht mit dem 3DS gespielt, bin mir jedoch sicher, dass vielen Menschen der 3D-Effekt viel Freude bereiten wird.

Das Argument 3D würde den Spielen nichts Neues verleihen sehe ich nicht.

Menschen sind vom 3D-Effekt einfach fasziniert. Immerhin ist dies eine völlig neue Erfahrung, vor allem ohne Brille und im Gaming-Bereich.

Natürlich sind die Spiele bei ausgeschaltetem 3D-Effekt nicht besser als auf einem herkömmlichen DS. Jedoch ist das doch nicht wirklich verwunderlich oder negativ zu betrachten. Wenn ich mir im Kino einen 3D-Film ansehe und mitten in der Vorstellung die Brille abziehe, ist das Ergebnis sogar noch schlechter als wenn ich in die normale Vorstellung gegangen wäre. wink

Avatar2. TimeKiller am Friday, 21. January 2011, 09:51:50 Uhr Re:
Na das mit den Spielen auf den DS wird schwierig ! Der 3DS hat doch eine Game Cube grafik !

Avatar3. Nebulous am Friday, 21. January 2011, 10:37:19 Uhr Re:
Das hatte ich ja auch geschrieben, beim ersten Mal Spielen wird man fasziniert sein. Ich hatte aber schon beim Post E3-Event das Gerät in der Hand und der „Wow-Effekt“ war bereits verflogen. Diesmal gab es jedoch wirklich viel anzuspielen und da war die Qualität unter dem Strich ernüchternd. Grafisch ist das schon mal kein Quantensprung zum DS (bis auf wenige Ausnahmen) – und das Display ist extrem empfindlich bei leichten (unfreiwilligen, unbewussten) Bewegungen. Nun ja, ich bin gespannt auf das, was da noch so kommen wird. Aber ich hoffe doch noch auf Steigerung – insebsondere auf Seiten der Dritthersteller!

Avatar4. Capone am Sunday, 23. January 2011, 20:59:03 Uhr Re:
Danke für den fairen, ehrlichen Bericht. Ich hätte eigentlich mit einem Hype-Artikel gerechnet. wink
Aber in letzter Zeit mehren sich diese kritischeren Berichte, siehe Kotaku oder Wired.

Avatar5. Ann am Tuesday, 25. January 2011, 11:03:15 Uhr Re:
Wieso so verwundert dass die Spiele nunmal nur Spiele sind, egal ob mit oder ohne 3D-Effekt? War doch vorher klar, oder? wink

Avatar6. Nebulous am Thursday, 27. January 2011, 15:23:10 Uhr Re:
Nun ja, wo Nintendo sich doch den Innovations-Stempel quasi selber aufgedrückt hat, ist es ernüchternd, dass ein grafisch leicht verbessertes Gerät mit relativ schlechtem 3D-Bildschirm nun das neue, große Ding sein soll. Da darf man sich doch wundern, oder nicht? wink

Avatar7. danzel am Monday, 31. January 2011, 11:53:09 Uhr Re:
Mich, als Jemanden, der aufgrund seiner Blindheit auf einem Auge sowieso keinen 3D-Effekt wahrnehmen kann, interessiert diese 3D-Technik sowieso absolut gar nicht. Umso enttäuschender, dass die Konsole auf den anderen Gebieten so schwach ist.

Avatar8. Ann am Friday, 04. February 2011, 11:03:25 Uhr Re:
"so schwach" ist relativ. Ein Resident Evil sieht auf dem kleinen Bildschirm ja auch schon fast PS3-würdig aus. Zwar nur "fast", aber da kann man durchaus was rausholen. Und ich finde das gewiss genügend. Da muss man nicht für einen noch höheren Preis ein "Pseudo-HD" wie bei der NGP reinquetschen.

Avatar9. Capone am Saturday, 05. February 2011, 12:22:30 Uhr Re:
@Ann:
die NGP wird nahezu PS3-Grafik liefern können - mit Betonung auf "nahezu". Vielleicht auch einige neuere Smartphones. Ich denke, die 3DS-Titel werden weitaus weniger verpixelt daherkommen als DS-Titel, aber im Vergleich zu aktuellen Devices ist die Qualität schon ernüchternd.
Ich hab' mir heut' z.B. ein paar Bilder von Pac-Man & Galaga Dimensions (3DS) angeschaut, dass klingt irgendwie nicht nach 2011, sondern eher nach 2005.

Avatar10. VSV_Alfast am Wednesday, 09. February 2011, 21:39:18 Uhr Der Autor
Halli hallo,

ich bin der Meinung das der Autor eher sehr empfindlich auf 3D reagiert weshalb bei Ihm der 3D Effekt sehr schnell verschwommen ist oder er einen Knick in der Optik hatte.

Ich habe zu viele Positive Feedbacks gelesen das ich das glauben kann. Von allen großen Zeitschriften, über TV Sendern oder Zeitungen habe ich durch weg Positive meinungen über den 3D Effekt des 3DS gehört, der Winkel wo es kritisch wird liegt bei 30% Das ist auch verständlich da konnte man schon immer schlecht auf Displays gucken. Bei einem kleinen Wackeln kommt es nicht zu 30%igem wackeln.

Ich würde empfehlen den 3D Depth Slider zu benutzen und den 3D Effekt zu reduzieren.

Grüßli VSV_Alfast

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